Die vorübergehende Schließung von sechs Stränden wegen bakterieller Belastungen hat in Málaga eine politische Debatte über die Leistungsfähigkeit des städtischen Abwassersystems ausgelöst. Während die Opposition der Stadtverwaltung vorwirft, über Jahre zu wenig in die Kanalisation investiert zu haben, verweist der Betreiber Emasa auf die außergewöhnliche Stärke der Starkregenfälle. Eine einzige Unwetterepisode habe zeitweise Wassermengen erzeugt, die das System selbst bei moderner Infrastruktur nicht vollständig bewältigen könne.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Besonders deutlich wird das Problem an den Zahlen, die Emasa-Geschäftsführer Juanjo Denis im Stadtrat nannte. Während des Starkregens in der Nacht der Feuerwerke zum Auftakt der Feria de Málaga seien zeitweise Wassermengen von rund 100 olympischen Schwimmbecken pro Stunde angefallen. Die beiden Kläranlagen der Stadt, Peñón del Cuervo und Guadalhorce, könnten dagegen zusammen lediglich etwa drei olympische Schwimmbecken pro Stunde verarbeiten.
Wenn innerhalb kurzer Zeit ein Vielfaches dieser Menge in das Kanalnetz gelangt, kann das System die Wassermassen nicht vollständig aufnehmen und behandeln. In solchen Situationen muss überschüssiges Wasser abgeleitet werden – wodurch auch belastetes Wasser ins Meer gelangen kann.
Sechs Strände im Sommer geschlossen
Besonders problematisch war die Situation, weil die Verunreinigungen während der sommerlichen Hochsaison auftraten. Insgesamt mussten in Málaga in diesem Sommer sechs Strände zeitweise geschlossen werden, nachdem bei Untersuchungen bakterielle Belastungen festgestellt worden waren.
Für die Opposition ist dies ein Zeichen dafür, dass die Stadt beim Ausbau ihrer Abwasserinfrastruktur schneller handeln müsse. PSOE, Con Málaga und Vox kritisierten im Stadtrat insbesondere die noch nicht vollständige Trennung von Regenwasser und Abwasser.
Bei einem getrennten Kanalsystem werden Regenwasser und häusliches beziehungsweise gewerbliches Abwasser über unterschiedliche Leitungen abgeführt. Dadurch gelangt bei einem starken Niederschlag nicht die gesamte Regenmenge in dasselbe System wie das Abwasser.
58 Prozent des Netzes bereits getrennt
Nach Angaben von Emasa sind die entsprechenden Arbeiten in Málaga bereits weit fortgeschritten. 58 Prozent des Kanalnetzes für Regen- und Abwasser seien vollständig getrennt, weitere 17 Prozent teilweise. Der verbleibende Anteil funktioniere weiterhin als Mischsystem.
Denis betonte, Málaga verfüge damit bereits über einen vergleichsweise hohen Anteil an getrennten Leitungen. Andere Städte würden bei der Bewältigung von Starkregen stärker auf sogenannte Regenrückhaltebecken setzen.
Doch auch diese Anlagen haben Grenzen. Umweltstadträtin Penélope Gómez erklärte, dass Rückhaltebecken bei sehr starken Niederschlägen lediglich einen Teil der Wassermengen aufnehmen könnten. Nach ihrer Einschätzung könnten sie insbesondere die ersten Minuten eines Starkregens abfangen. Halte der Regen länger und mit hoher Intensität an, könne auch das Wasser aus solchen Anlagen schließlich in Richtung Meer gelangen.
Stadt kündigt Investitionen in Millionenhöhe an
Die Stadtverwaltung verweist gleichzeitig auf umfangreiche Investitionen in die Wasserinfrastruktur. Nach Angaben von Gómez werden derzeit über Emasa und die Gerencia de Urbanismo zahlreiche Projekte umgesetzt beziehungsweise vorbereitet.
Das Gesamtvolumen dieser Maßnahmen liege bei knapp 50 Millionen Euro. Darüber hinaus umfasst der kommunale Plan für hydraulische Investitionen nach Angaben der Stadträtin rund 100 Millionen Euro.
Ein Schwerpunkt soll dabei auf der weiteren Trennung von Regen- und Abwasserleitungen liegen. Gleichzeitig sollen zusätzliche Regenrückhaltebecken gebaut werden, um die Kanalisation bei heftigen Niederschlägen zu entlasten.
Neuer Managementplan für Málagas Abwassersystem
Zusätzlich arbeitet Málaga an einem umfassenden Managementplan für das Entwässerungssystem. Nach Angaben von Emasa-Geschäftsführer Denis hat das spanische Ministerium für den ökologischen Wandel die Kommunen aufgefordert, entsprechende Pläne aufzustellen. Málaga habe dafür eine zusätzliche Frist von zwei Jahren erhalten. Der neue Plan soll laut Denis in wenigen Monaten zur Verfügung stehen.
Damit soll genauer festgelegt werden, wie das städtische Entwässerungssystem bei unterschiedlichen Wetterlagen betrieben und weiterentwickelt werden soll. Angesichts häufiger auftretender Starkregenereignisse gewinnt diese Frage für Málaga zunehmend an Bedeutung.
Opposition macht jahrelange Investitionspolitik verantwortlich
Die Opposition sieht die Verantwortung allerdings nicht allein beim Wetter. Die sozialistische Stadträtin Begoña Medina bezeichnete das Management der Strände als „nefasta“ und kritisierte die Stadtverwaltung für ihre Infrastrukturpolitik.
Auch die finanziellen Entscheidungen rund um Emasa wurden zum Thema. Aus den Reihen der Opposition wurde unter anderem kritisiert, dass die Stadt in der Vergangenheit 75 Millionen Euro von Emasa erhalten habe. Nach Ansicht der Kritiker hätte das Geld stattdessen stärker für Investitionen in das Wasser- und Abwassernetz eingesetzt werden können.
Die Debatte ist damit zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung über die Frage geworden, ob Málaga ausreichend auf zunehmende Extremwetterereignisse vorbereitet ist.
Badewasserqualität liegt bei der Junta
Emasa-Geschäftsführer Denis stellte zugleich klar, dass die Kontrolle der Badewasserqualität nicht in den Zuständigkeitsbereich der Stadt fällt. Dafür ist die Junta de Andalucía verantwortlich. Die Regionalregierung führt regelmäßig Untersuchungen des Meerwassers durch. Werden dabei problematische bakterielle Werte festgestellt, können die betroffenen Strände geschlossen werden.
Damit liegt ein Teil der Verantwortung außerhalb der Stadtverwaltung – auch wenn die Ursachen möglicher Verunreinigungen wiederum mit der städtischen Abwasserinfrastruktur zusammenhängen können.
Málaga steht vor einem Infrastrukturproblem
Der Streit um die Abwassereinleitungen zeigt ein grundlegendes Problem, vor dem viele Städte mit zunehmenden Starkregenereignissen stehen: Selbst ein teilweise modernisiertes Kanalnetz kann bei extremen Niederschlagsmengen an seine technischen Grenzen geraten.
Für Málaga bedeutet das, dass die Stadt gleichzeitig zwei Aufgaben bewältigen muss. Einerseits soll das bestehende Mischsystem weiter durch getrennte Regen- und Abwasserleitungen ersetzt werden. Andererseits braucht es zusätzliche Kapazitäten, um besonders heftige Niederschläge kurzfristig aufzufangen.
Die Stadt verweist auf Investitionen von insgesamt rund 100 Millionen Euro und weitere konkrete Bauprojekte. Die Opposition hält dagegen, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen. Fest steht: Die sechs vorübergehend geschlossenen Strände haben die Schwachstellen der Infrastruktur mitten in der wichtigsten Tourismussaison sichtbar gemacht.
