In der Provinz Málaga leben schätzungsweise mehr als 1.300 Menschen mit einer Trigeminusneuralgie. Die neurologische Erkrankung kann zu extrem starken Schmerzattacken im Gesicht führen, die Betroffene als elektrische Schläge oder Stromstöße beschreiben. Allein in der Stadt Málaga sind nach Angaben der Spanischen Gesellschaft für Neurologie (SEN) rund 450 Menschen betroffen.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Eine seltene Erkrankung mit extremen Schmerzen
Die Trigeminusneuralgie betrifft den sogenannten Trigeminusnerv, der unter anderem für die Wahrnehmung im Gesicht zuständig ist. Typisch sind plötzlich einsetzende, sehr starke Schmerzen, die meist nur wenige Sekunden oder Minuten dauern, aber wiederholt auftreten können.
Oft reicht bereits eine alltägliche Bewegung aus, um eine Attacke auszulösen. Dazu können Sprechen, Kauen, Lächeln, Gähnen oder Zähneputzen gehören. Auch eine leichte Berührung des Gesichts kann bei manchen Betroffenen die Schmerzen auslösen.
In mehr als 90 Prozent der Fälle tritt die Erkrankung nur auf einer Gesichtshälfte auf. Besonders häufig sind Wange und Kiefer betroffen.
Häufig zunächst falsch diagnostiziert
Eine zusätzliche Belastung für die Betroffenen ist die oft schwierige Diagnose. Nach Angaben der SEN erhalten mehr als 40 Prozent der Patienten bei ihrem ersten Arztbesuch zunächst eine falsche Diagnose. Die Beschwerden können unter anderem mit Zahnproblemen, Migräne, Erkrankungen des Kiefergelenks oder Entzündungen verwechselt werden.
Bis die richtige Diagnose gestellt wird, kann deshalb viel Zeit vergehen. Nach Angaben der Neurologen wird die Erkrankung häufig erst nach mindestens einem Jahr korrekt erkannt.
Mehr als 35.000 Betroffene in Spanien
Nicht nur Málaga ist betroffen. Nach Schätzungen der SEN leben in Spanien mehr als 35.000 Menschen mit einer Trigeminusneuralgie. Jährlich kommen rund 2.000 neue Diagnosen hinzu.
Die Erkrankung kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Essen, Sprechen oder die tägliche Gesichtspflege können zu einer Herausforderung werden. Bei manchen Betroffenen führen die wiederkehrenden Schmerzen zudem zu Schlafproblemen, sozialem Rückzug und erheblichen psychischen Belastungen.
Medikamente helfen vielen Patienten
Die Behandlung erfolgt zunächst in der Regel mit Medikamenten. Nach Angaben der SEN können damit langfristig etwa 80 bis 85 Prozent der Patienten schmerzfrei werden. Bei einem Teil der Betroffenen reichen Medikamente jedoch nicht aus oder verursachen zu starke Nebenwirkungen.
Für diese Patienten können andere Behandlungsverfahren bis hin zu neurochirurgischen Eingriffen infrage kommen. Im Hospital Regional Universitario de Málaga werden mehr als 100 Patienten kontinuierlich betreut, insbesondere wenn die medikamentöse Behandlung nicht ausreichend wirkt.
Internationaler Tag macht auf Erkrankung aufmerksam
Auf die Erkrankung wird insbesondere rund um den Internationalen Tag der Trigeminusneuralgie am heutigen 7. Oktober aufmerksam gemacht. Die Spanische Gesellschaft für Neurologie nutzt den Anlass, um über die Erkrankung und die Schwierigkeiten bei ihrer Diagnose zu informieren.
Für die Betroffenen bedeutet die Erkrankung häufig einen Alltag mit der ständigen Sorge vor der nächsten Schmerzattacke. Gleichzeitig zeigt die hohe Zahl der Patienten, dass es sich trotz der vergleichsweise geringen Bekanntheit um ein relevantes neurologisches Krankheitsbild handelt.
