Spaniens Gewerkschaften wollen im November mit einem landesweiten Generalstreik auf die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt aufmerksam machen. Als Termin ist der 11. November 2026 vorgesehen. Zu der 24-stündigen Arbeitsniederlegung sollen neben den großen Gewerkschaften UGT und CCOO auch Mieterorganisationen sowie weitere Gewerkschaftsverbände aufrufen.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Wohnkosten stehen im Mittelpunkt
Im Zentrum der geplanten Mobilisierung steht die zunehmende Belastung durch hohe Mieten und Wohnkosten. UGT und CCOO verbinden die Wohnungsfrage dabei mit den Einkommen der Beschäftigten. Ihr gemeinsames Motto lautet sinngemäß: „Würdige Löhne für eine würdige Wohnung.“
Nach Ansicht der Gewerkschaften reicht es nicht aus, lediglich die Zahl der verfügbaren Wohnungen zu erhöhen. Auch die Einkommen müssten mit den steigenden Wohnkosten Schritt halten. Sie fordern deshalb unter anderem bessere Löhne und Fortschritte bei den Tarifverhandlungen.
Die Mieterorganisationen gehen mit ihren Forderungen noch weiter. Sie verlangen unter anderem niedrigere Mieten, längerfristige beziehungsweise unbefristete Mietverhältnisse sowie Maßnahmen gegen große Immobilieninvestoren.
24 Stunden landesweiter Streik
Geplant ist eine 24-stündige Arbeitsniederlegung in ganz Spanien. Für UGT und CCOO wäre es der erste landesweite Generalstreik seit 2012. Neben UGT und CCOO beteiligen sich beziehungsweise unterstützen die Mobilisierung nach aktuellem Stand auch die Confederación de Sindicatos de Inquilinas, CGT sowie die baskischen Gewerkschaften ELA und LAB und die galicische CIG.
Der konkrete Ablauf der Proteste und mögliche Demonstrationen in den einzelnen Städten sollen im weiteren Verlauf von den beteiligten Organisationen festgelegt werden.
Termin kurz vor der Parlamentswahl
Der Zeitpunkt des geplanten Streiks ist politisch besonders relevant. Die spanischen Parlamentswahlen sind für den 29. November 2026 angesetzt. Der 11. November liegt damit nur gut zweieinhalb Wochen vor der Wahl. Zudem beginnt der offizielle Wahlkampf am 13. November. Der geplante Streik würde damit unmittelbar vor Beginn der Wahlkampfphase stattfinden.
Die Gewerkschaften betonen, dass die Arbeitsniederlegung nicht während des offiziellen Wahlkampfs stattfinden soll. Gleichzeitig dürfte die Wohnungsfrage im Vorfeld der Wahl eine wichtige Rolle spielen.
Streit über die rechtliche Grundlage
Die geplante Arbeitsniederlegung wirft auch eine rechtliche Frage auf. Ein Generalstreik kann in Spanien nicht ausschließlich als politische Protestaktion ausgerufen werden.
UGT und CCOO stellen deshalb die Verbindung zwischen Wohnkosten und Arbeitsbedingungen in den Mittelpunkt. Nach ihrer Argumentation betreffen hohe Mieten und Wohnkosten unmittelbar die wirtschaftliche Situation der Beschäftigten. Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Tarifbedingungen bilden daher einen zentralen Bestandteil des Streikaufrufs.
Die Arbeitgeberverbände CEOE und Cepyme stellen den rechtlichen Zusammenhang dagegen infrage. Sie argumentieren, dass die zentralen Forderungen der Mobilisierung vor allem die Wohnungspolitik und nicht unmittelbar arbeitsrechtliche Fragen betreffen.
Teil einer größeren Protestbewegung
Der geplante Generalstreik reiht sich in eine Reihe von Protesten gegen die Wohnsituation in Spanien ein. Mieterorganisationen haben in den vergangenen Wochen in verschiedenen Städten gegen hohe Mieten und die zunehmende Schwierigkeit protestiert, bezahlbaren Wohnraum zu finden.
In Madrid organisierte das Sindicato de Inquilinas zudem eine Protestaktion an der Puerta del Sol. Die Organisation will den Druck auf die Politik weiter erhöhen und sieht einen landesweiten Streik als nächsten Schritt der Mobilisierung.
Wohnungsfrage wird zum zentralen Thema
Die geplante Arbeitsniederlegung zeigt, wie stark die Wohnungsfrage inzwischen mit anderen sozialen und wirtschaftlichen Themen verbunden wird. Für die Gewerkschaften geht es nicht allein um die Verfügbarkeit von Wohnungen, sondern auch um die Frage, ob Arbeitnehmer mit ihren Einkommen die Mieten in den großen spanischen Städten noch bezahlen können.
Ob der 11. November tatsächlich zum landesweiten Generalstreik wird und welche Auswirkungen die Arbeitsniederlegung haben wird, hängt von der endgültigen gemeinsamen Ausrufung und der weiteren Vorbereitung der beteiligten Organisationen ab. Sicher ist bereits jetzt, dass die Wohnungspolitik im Vorfeld der Parlamentswahl Ende November weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.
