In der galicischen Stadt Tui, direkt an der Grenze zu Portugal, findet jedes Frühjahr ein kulinarisches Fest statt, das einem ganz besonderen Produkt gewidmet ist: dem Meixón. Eine Delikatesse, die selbst vielen Einheimischen kaum bekannt ist – und für viele Zugereiste ein echter Geheimtipp.
Spanien zu erleben bedeutet weit mehr als Sonne, Tapas und Flamenco. Wer hier lebt, entdeckt nach und nach regionale Traditionen, lokale Feste und kulinarische Eigenheiten, die das Land so faszinierend vielfältig machen. Galicien, im äußersten Nordwesten der Iberischen Halbinsel, ist ein Paradebeispiel dafür: eine Region mit rauer Küste, grünen Hügeln, spirituellen Wegen und einer tief verwurzelten Esskultur.
In dieser Region wird mit Respekt vor der Natur gekocht – mit Produkten aus dem Meer, aus Flüssen und vom Land. Neben Klassikern wie Pulpo á feira oder Lacón mit Rübstiel gibt es Gerichte, die nur zu bestimmten Zeiten im Jahr und nur an bestimmten Orten serviert werden. Der Meixón ist eines davon.
Dabei handelt es sich um die Jungtiere des Aals – in anderen Teilen Spaniens als „angulas“ bekannt und vor allem im Baskenland populär. Doch im Süden Galiciens hat dieser winzige Fisch seinen eigenen Namen, seine eigene Zubereitung und sogar ein eigenes Fest.
Ein Bissen Flussgeschichte
Der Meixón ist durchsichtig, zart, und wird traditionell mit Knoblauch, Olivenöl und Chili in einer Tontopfpfanne zubereitet – einfach, aber raffiniert. Seine Saison ist streng begrenzt: Er darf ausschließlich im Fluss Miño gefangen werden, und das nur an wenigen Nächten zwischen November und Januar.
Die Fischer, die ihn fangen – sogenannte meixoeiros – nutzen dafür jahrhundertealte Techniken: Laternen, um die Fische anzulocken, und spezielle Netze (reteles), die die winzigen Tiere schonend einholen.
Während der Meixón früher ein alltägliches Gericht war, ist er heute aufgrund seiner Seltenheit zu einer kostbaren Delikatesse geworden – teuer, begehrt und fast mystisch.
Festa do Meixón: Kulinarik trifft Tradition
Zwischen dem 11. und 28. April 2025 wird in Tui die Festa do Meixón gefeiert – ein kulinarisches Ereignis, das parallel zu den Festlichkeiten des Stadtpatrons San Telmo stattfindet. In dieser Zeit bieten ausgewählte Lokale in der Stadt den Meixón auf traditionelle Weise zubereitet an – zu einem speziellen, wenn auch gehobenen Preis.
Das Fest ist jedoch mehr als ein kulinarischer Höhepunkt. Zwischen dem 19. und 28. April verwandelt sich Tui in ein lebendiges Zentrum mit Musik, Theater, Prozessionen und Aktivitäten für die ganze Familie – eine wunderbare Gelegenheit, Galicien mit allen Sinnen zu erleben.
Für alle, die in Spanien leben und auf der Suche nach authentischen Erlebnissen jenseits der bekannten Touristenpfade sind, ist Tui im April ein lohnendes Ziel. Die Stadt bietet nicht nur historische Schönheit, sondern auch einen tiefen Einblick in galicische Traditionen – mit dem Meixón als köstlichem Symbol.
