Das Angebot an Wohnungen zur langfristigen Vermietung ist in Spanien innerhalb von sieben Jahren deutlich zurückgegangen. Nach einer Auswertung des Immobilienportals Idealista wurden 2025 landesweit fast 400.000 Mietangebote weniger registriert als noch 2018. Besonders stark betroffen sind die großen Städte Madrid, Barcelona, Valencia und Sevilla.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Deutlich weniger Wohnungen zur Langzeitmiete
2018 waren auf Idealista noch 902.664 Wohnungen zur dauerhaften Vermietung angeboten worden. Sieben Jahre später waren es nur noch 510.091. Damit sank die Zahl der entsprechenden Inserate um 392.573 beziehungsweise rund 44 Prozent.
Der Rückgang konzentriert sich dabei stark auf die größten urbanen Märkte Spaniens. Rund 60 Prozent des gesamten Rückgangs entfallen auf Madrid, Barcelona, Valencia und Sevilla.
Madrid verzeichnete den größten absoluten Rückgang. In der Hauptstadt waren 2025 rund 117.500 Mietangebote weniger verfügbar als 2018. Auch Barcelona verlor einen großen Teil seines Angebots. Dort sank die Zahl der Inserate besonders drastisch um rund 94.000.
Barcelona verliert mehr als 80 Prozent
Besonders auffällig ist die Entwicklung in Barcelona. Dort wurden 2018 noch 113.853 Wohnungen zur langfristigen Miete angeboten. 2025 waren es lediglich 19.723. Das entspricht einem Rückgang von rund 83 Prozent. Damit ist in Barcelona nur noch ein kleiner Teil des damaligen Angebots auf dem Portal vorhanden.
Auch Madrid verzeichnete einen deutlichen Einbruch. Die Zahl der Mietangebote ging dort von 202.484 im Jahr 2018 auf 84.926 im Jahr 2025 zurück. Das entspricht einem Rückgang von rund 58 Prozent.
In Valencia halbierte sich das Angebot zwar nicht vollständig, ging aber ebenfalls deutlich zurück. Von 39.086 Inseraten im Jahr 2018 blieben 2025 noch 20.621. Sevilla verzeichnete einen Rückgang von 23.960 auf 11.695 Angebote.
Rückgang in 41 von 50 Provinzen
Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf die vier großen Städte. Nach den ausgewerteten Daten ging das Angebot an langfristigen Mietwohnungen in 41 der 50 spanischen Provinzen zurück.
Besonders deutlich war der Rückgang in den großen Immobilienmärkten Madrid und Barcelona. Gleichzeitig gibt es einzelne Regionen, die sich gegen den allgemeinen Trend entwickeln. La Rioja war die einzige autonome Gemeinschaft, in der 2025 mehr Mietangebote registriert wurden als 2018.
Auch auf Provinzebene gab es Ausnahmen, darunter Alicante, Castellón, Jaén und Cáceres.
Nicht 400.000 Wohnungen verschwunden
Die Zahlen bedeuten allerdings nicht, dass fast 400.000 Wohnungen physisch vom spanischen Wohnungsmarkt verschwunden sind. Erfasst wird die Zahl der auf Idealista angebotenen Wohnungen zur dauerhaften Vermietung. Wohnungen können beispielsweise verkauft, anderweitig genutzt oder aus dem klassischen Langzeitmietmarkt genommen worden sein. Eine zunehmende Rolle spielt außerdem die zeitlich befristete Vermietung.
Gerade in den angespannten Wohnungsmärkten Spaniens hat das Angebot an temporären Mietwohnungen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Dadurch kann eine Wohnung weiterhin vermietet werden, ohne als klassisches langfristiges Mietangebot in den Statistiken aufzutauchen.
Regierung widerspricht der Interpretation
Die Zahlen haben zugleich eine politische Debatte ausgelöst. Wohnungsbauministerin Isabel Rodríguez widerspricht der Darstellung, dass Spanien grundsätzlich über immer weniger Mietwohnungen verfüge. Ihr zufolge sei vor allem die Rotation auf dem Mietmarkt zurückgegangen. Die Mietverträge würden länger bestehen, wodurch Wohnungen seltener erneut ausgeschrieben würden. Die Ministerin verweist dabei unter anderem auf die längeren gesetzlichen Vertragslaufzeiten.
Damit interpretiert die Regierung den Rückgang der Inserate anders als Idealista. Während das Immobilienportal eine deutliche Verknappung des verfügbaren Langzeitangebots feststellt, sieht Rodríguez vor allem eine größere Stabilität bestehender Mietverhältnisse.
Wohnungsmarkt bleibt angespannt
Unabhängig von der Interpretation der Zahlen bleibt die Wohnungssuche in den großen spanischen Städten schwierig. Besonders dort treffen eine hohe Nachfrage und ein begrenztes Angebot an dauerhaft verfügbaren Wohnungen aufeinander.
Der starke Rückgang der Inserate zeigt dabei, wie sehr sich der spanische Mietmarkt seit 2018 verändert hat. Vor allem Barcelona und Madrid stehen vor der Herausforderung, ausreichend bezahlbaren Wohnraum für die Bevölkerung bereitzustellen.
Die Entwicklung des Langzeitmietmarktes dürfte deshalb auch weiterhin eine zentrale Rolle in der politischen Debatte über die spanische Wohnungskrise spielen.
