Ein versunkener Vulkan in über 4.000 Metern Tiefe, rund 250 Seemeilen südwestlich der Kanarischen Inseln, ist zum Zankapfel zwischen Spanien und Marokko geworden. Es handelt sich um den Monte Tropic, eine submaritime Erhebung in einem Gebiet ohne offiziell anerkannte Souveränität – dafür aber mit einem gewaltigen Rohstoffpotenzial.
Eine „Schatzinsel“ am Meeresgrund des Atlantiks
Der Monte Tropic, Teil der unterseeischen Gebirgskette, die auch als „Großmütter von Gran Canaria“ bekannt ist, gilt als strategisch höchst relevante Zone. Noch wurde das Gebiet nicht ausgebeutet, doch laut dem spanischen Geologischen und Bergbauinstitut (IGME-CSIC) verbergen sich hier enorme Vorkommen an Tellur, Kobalt, Nickel und Lithium – Schlüsselrohstoffe für die Herstellung von Elektroauto-Batterien, Smartphones und Solarmodulen. Besonders das Tellur-Vorkommen könnte eines der größten weltweit sein.
Wem gehört der Monte Tropic?
Offiziell gehört der Meeresboden rund um den Monte Tropic derzeit keinem Staat. Doch sowohl Spanien als auch Marokko beanspruchen das Gebiet, gestützt auf ihre jeweiligen Vorstellungen über die Ausdehnung ihrer Festlandsockel:
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Spanien argumentiert, dass Monte Tropic zur natürlichen Verlängerung des kanarischen Archipels gehört.
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Marokko hingegen reichte bereits 2009 bei den Vereinten Nationen einen Antrag ein, um seinen Festlandsockel über die 200-Seemeilen-Grenze hinaus zu erweitern – inklusive des Monte Tropic. Im Jahr 2020 verabschiedete das Land zudem zwei Gesetze, mit denen es seine Seegrenzen ausweitete.
Diese Entwicklungen haben die diplomatischen Spannungen in der Region deutlich verschärft.
Militärmanöver und geopolitischer Druck
In den vergangenen Monaten führte Spanien Militärmanöver in der Umgebung des Monte Tropic durch – eine deutliche Machtdemonstration, die das strategische Interesse Madrids an der Region unterstreicht. Noch ist keine Förderung geplant, doch der geopolitische Wettlauf um diesen unterseeischen Schatz hat längst begonnen.
Was auf dem Spiel steht, sind nicht nur wertvolle Ressourcen, sondern der Zugang zu einem der strategisch wichtigsten Punkte im Atlantik, mit enormem wirtschaftlichem und geopolitischem Gewicht.
