Wer in Spanien regelmäßig bei Temu, Shein, AliExpress oder anderen internationalen Online-Plattformen einkauft, sollte seine nächste Bestellung genauer prüfen. Ab dem 1. Juli tritt eine neue EU-Regelung in Kraft, die für viele Direktlieferungen aus Ländern außerhalb der Europäischen Union zusätzliche Kosten mit sich bringt. Besonders betroffen sind Bestellungen, die direkt aus China oder anderen Drittstaaten nach Spanien geliefert werden.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Die Europäische Union reagiert damit auf die stark gestiegene Zahl günstiger Online-Bestellungen aus Asien. Allein im vergangenen Jahr gelangten Milliarden Kleinsendungen in die EU, ein Großteil davon nach Angaben der Europäischen Kommission aus China. Spanien gehört dabei zu den Ländern, in denen Plattformen wie Temu und Shein in den vergangenen Jahren besonders stark gewachsen sind. Entsprechend viele Verbraucher dürften die neue Regelung bereits bei ihren nächsten Einkäufen zu spüren bekommen.
Neue Einfuhrgebühr ersetzt bisherige Ausnahmeregel
Bislang waren viele Sendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro von bestimmten Zollabgaben befreit. Diese Ausnahmeregel entfällt nun. Stattdessen wird für zahlreiche Direktimporte eine pauschale Einfuhrgebühr erhoben. Die Maßnahme ist zunächst als Übergangslösung bis Mitte 2028 vorgesehen. Danach soll ein neues digitales Zollsystem der Europäischen Union die komplette Abwicklung übernehmen und die Einfuhr von Waren deutlich effizienter kontrollieren.
Für Verbraucher bedeutet das allerdings nicht automatisch, dass jede Bestellung lediglich um drei Euro teurer wird. Die Höhe der zusätzlichen Kosten hängt davon ab, welche Waren gemeinsam bestellt werden.
Mehrere Produktarten können die Kosten erhöhen
Die neue Gebühr orientiert sich nicht an der Anzahl der Pakete, sondern an den jeweiligen Zollkategorien der enthaltenen Waren. Wer beispielsweise ausschließlich Kleidung bestellt, muss die Pauschale nur einmal bezahlen. Werden jedoch verschiedene Produktgruppen wie Kleidung, Elektronik, Kosmetik oder Haushaltsartikel gemeinsam bestellt, kann die Gebühr mehrfach anfallen.
Gerade bei den typischen Sammelbestellungen, für die Plattformen wie Temu oder Shein bekannt sind, könnte sich das bemerkbar machen. Viele Kunden legen unterschiedlichste Artikel in den Warenkorb, um Versandkosten zu sparen. Künftig könnte genau dieses Einkaufsverhalten jedoch dazu führen, dass sich die Gesamtkosten einer Bestellung erhöhen.
Spanien besonders betroffen
In Spanien erfreuen sich asiatische Online-Marktplätze seit Jahren großer Beliebtheit. Niedrige Preise und eine enorme Produktauswahl haben dazu geführt, dass immer mehr Verbraucher ihre Kleidung, Dekoartikel, Elektronik oder Haushaltswaren direkt bei Anbietern außerhalb Europas bestellen. Gleichzeitig beklagen spanische Einzelhändler seit Langem einen zunehmenden Wettbewerbsnachteil gegenüber den Billigplattformen.
Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sowie Handelsverbände hatten immer wieder gefordert, gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Die Europäische Union verfolgt mit der neuen Regelung deshalb nicht nur das Ziel, den Zoll besser zu organisieren, sondern auch den europäischen Handel zu stärken und den Wettbewerb fairer zu gestalten. Davon sollen auch Unternehmen in Spanien profitieren.
Nicht jede Bestellung ist automatisch betroffen
Für Kunden gibt es allerdings eine wichtige Ausnahme. Viele internationale Plattformen verfügen inzwischen über Logistikzentren innerhalb der Europäischen Union. Wird eine Bestellung aus einem Lager in Spanien oder einem anderen EU-Mitgliedstaat verschickt, fällt die neue Einfuhrgebühr in der Regel nicht an, da die Ware bereits in den europäischen Binnenmarkt eingeführt wurde.
Gerade bei Temu und Shein wird inzwischen ein Teil der Produkte aus europäischen Versandzentren verschickt. Käufer sollten deshalb künftig verstärkt auf den angegebenen Versandort achten. Je nachdem, von wo die Ware verschickt wird, können sich zusätzliche Kosten vermeiden lassen.
Mehr Kontrollen an Spaniens Grenzen erwartet
Mit den neuen Vorschriften dürfte sich auch die Arbeit der spanischen Zollbehörden verändern. Da künftig deutlich mehr Sendungen erfasst und überprüft werden müssen, rechnen Experten zumindest in der Anfangsphase mit einem höheren Verwaltungsaufwand. Ob sich dies auf die Lieferzeiten auswirkt, bleibt abzuwarten. Möglich sind jedoch längere Bearbeitungszeiten, wenn Sendungen zusätzliche Zollformalitäten durchlaufen müssen.
Für Spanien spielt dieses Thema auch deshalb eine wichtige Rolle, weil täglich tausende Pakete über Flughäfen und Logistikzentren ins Land gelangen. Die neuen Vorschriften sollen dabei helfen, unsichere oder nicht den EU-Vorschriften entsprechende Produkte schneller zu erkennen und gleichzeitig Zollbetrug einzudämmen.
Verbraucher sollten künftig genauer hinschauen
Für viele Käufer in Spanien bedeutet die Neuregelung vor allem eines: Der Preisvorteil besonders günstiger Direktimporte könnte künftig kleiner ausfallen als bisher. Wer weiterhin bei Temu, Shein oder vergleichbaren Plattformen einkauft, sollte nicht nur auf den eigentlichen Kaufpreis achten, sondern auch darauf, aus welchem Land die Ware verschickt wird und welche unterschiedlichen Produktarten sich in einer Bestellung befinden.
Die neue Regelung markiert einen weiteren Schritt der Europäischen Union, den rasant wachsenden Onlinehandel mit Drittstaaten stärker zu regulieren. Für Millionen Verbraucher in Spanien dürfte sich das bereits bei den nächsten Bestellungen bemerkbar machen – sei es durch zusätzliche Gebühren oder durch eine genauere Prüfung der Sendungen beim Import.
