Spanien erlebt erneut einen schweren Zwischenfall im Bahnverkehr. Nur wenige Tage nach der tödlichen Zugkatastrophe von Adamuz ist es in Gelida zu einem weiteren dramatischen Unfall gekommen.
Ein Lokführer kommt ums Leben, Dutzende Menschen werden verletzt – und die öffentliche Empörung nimmt spürbar zu
Redaktion Spanien Press
Ein Unfall mit Signalwirkung
Der Unfall ereignete sich auf der Rodalies-Linie R4, als ein Zug gegen eine auf die Gleise gestürzte Stützmauerprallte. Das Bauwerk hatte sich infolge der heftigen Regenfälle gelöst. Der Zug entgleiste.
Die Bilanz ist erschütternd: ein toter Lokführer, 37 Verletzte, davon fünf schwer.
Dass ausgerechnet ein Bahnmitarbeiter im Dienst sein Leben verliert, hat die Debatte weiter verschärft. Gewerkschaften und Fahrgastverbände sprechen von einem nicht mehr hinnehmbaren Risiko.
🇪🇸 Gélida, España | 🔴 Así han vivido los pasajeros el accidente de Gélida desde dentro del tren: pic.twitter.com/sWsY2lKHKB
— 𝐄𝐥 𝐈𝐦𝐩𝐞𝐫𝐢𝐚𝐥 (@ElImperialEsp) January 20, 2026
Komplettstillstand für Hunderttausende
Als unmittelbare Folge wurde der gesamte Rodalies-Verkehr in Katalonien eingestellt.
Rund 400.000 Pendlerinnen und Pendler sind betroffen. Straßen sind überlastet, Ersatzverkehre stoßen an ihre Grenzen.
Der Infrastrukturbetreiber lässt derzeit sogenannte „Marchas Blancas“ durchführen – Inspektionsfahrten ohne Fahrgäste, um die Sicherheit der Strecken zu überprüfen. Eine Wiederaufnahme des Betriebs ist erst vorgesehen, wenn alle Abschnitte als sicher gelten.
Zweiter Zwischenfall in derselben Nacht
Zusätzlich verzeichnete Adif in derselben Nacht einen weiteren Entgleisungsvorfall zwischen Maçanet-Massanes und Tordera auf der Linie R1. Dort prallte ein Zug gegen Steine auf den Gleisen und verlor eine Achse. Verletzt wurde niemand – doch der Eindruck verfestigt sich: Es handelt sich nicht um einen Einzelfall.
Politische Reaktionen – und wachsender Unmut
Der katalanische Regierungschef Salvador Illa erklärte, er verfolge die Lage „mit großer Aufmerksamkeit“. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach den Opfern sein Mitgefühl aus.
Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo brachte die Stimmung vieler Bürger auf den Punkt: „Das ist zu viel.“
Auch Andalusiens Regierungschef Juanma Moreno sprach von einer „schwarzen Woche“ für den spanischen Bahnverkehr.
Ein strukturelles Problem?
In der Bevölkerung wächst der Eindruck, dass mangelnde Wartung, witterungsanfällige Infrastruktur und verspätete Reaktionen ein gefährliches Zusammenspiel bilden.
Zwei schwere Bahnunfälle innerhalb weniger Tage haben das Vertrauen vieler Fahrgäste erschüttert.
Die Frage steht nun unausweichlich im Raum:
Wie sicher ist der Bahnverkehr in Spanien wirklich – und wie lange wurde weggeschaut?

