Krankmeldungen aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen in Spanien insbesondere unter jungen Arbeitnehmern deutlich zu. Nach aktuellen Daten haben sich die entsprechenden Arbeitsunfähigkeitsfälle bei den 25- bis 35-Jährigen innerhalb von sieben Jahren mehr als verdoppelt. Gleichzeitig verlängert sich die Dauer der Ausfälle erheblich und erreicht inzwischen durchschnittlich rund 80 Tage pro Fall.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Deutlicher Anstieg seit 2017
Laut jüngsten Analysen ist die Zahl der krankheitsbedingten Fehlzeiten wegen psychischer Probleme und Verhaltensstörungen seit 2017 um mehr als 130 Prozent gestiegen. Im Jahr 2024 wurden über 200.000 entsprechende Fälle registriert. Damit zählen psychische Erkrankungen zu den am stärksten wachsenden Ursachen für Arbeitsunfähigkeit in Spanien.
Junge Erwachsene besonders betroffen
Besonders betroffen sind junge Erwachsene im frühen und mittleren Erwerbsalter. Mit mehr als vier Fällen pro 1.000 Beschäftigte weist diese Altersgruppe die höchste Inzidenz aller Altersklassen auf. Fachleute sehen darin ein Warnsignal für die langfristige Stabilität des Arbeitsmarktes und die psychische Gesundheit einer Generation, die bereits von wirtschaftlicher Unsicherheit, Prekarisierung und den Folgen der Pandemie geprägt ist.
Längere Dauer der Arbeitsunfähigkeit
Neben der steigenden Zahl der Fälle bereitet auch die zunehmende Dauer der Krankmeldungen Sorge. Während psychisch bedingte Arbeitsausfälle vor einigen Jahren im Durchschnitt noch deutlich kürzer waren, liegt die mittlere Dauer inzwischen bei rund zweieinhalb Monaten. Damit verursachen sie deutlich mehr Fehltage als körperliche Erkrankungen wie Atemwegs- oder Muskel-Skelett-Beschwerden.
Ausgeprägte regionale Unterschiede
Auffällig sind zudem starke regionale Unterschiede. Die höchsten Raten psychischer Krankmeldungen verzeichnen Katalonien, die Kanarischen Inseln und Navarra. In anderen Regionen, etwa in Kastilien-La Mancha oder Extremadura, liegen die Werte deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Auch bei der Dauer der Arbeitsunfähigkeit zeigen sich erhebliche Abweichungen zwischen den autonomen Gemeinschaften.
Politische Debatte über Kosten und Kontrolle
Die Entwicklung hat eine politische Debatte ausgelöst. Die Unabhängige Behörde für Haushaltsverantwortung (AIReF) warnt vor den steigenden Kosten für das Sozial- und Gesundheitssystem und fordert effizientere Kontroll- und Präventionsmechanismen. Zugleich betonen Gewerkschaften und Gesundheitsexperten, dass psychische Erkrankungen nicht primär als Kontrollproblem betrachtet werden dürften, sondern als strukturelle Herausforderung für Arbeitsbedingungen, Prävention und Versorgung.
Strukturelle Ursachen im Arbeitsumfeld
Experten verweisen auf mehrere Ursachen für den Anstieg: zunehmender Arbeitsdruck, unsichere Beschäftigungsverhältnisse, hohe Lebenshaltungskosten sowie eine wachsende Sensibilisierung für psychische Gesundheit, die dazu führt, dass Betroffene häufiger medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.
Psychische Gesundheit als zentrale Herausforderung
Die Zahlen zeigen nach Einschätzung von Fachleuten, dass psychische Gesundheit in der Arbeitswelt zu einem zentralen Thema der kommenden Jahre werden dürfte – insbesondere für junge Beschäftigte, deren Belastungsgrenzen zunehmend sichtbar werden.
