Nach Wochen mit anhaltenden Niederschlägen und milden Temperaturen steigen in großen Teilen Spaniens die Pollenbelastungen deutlich an. Experten warnen, dass die Kombination aus Wetterlage und Pflanzenentwicklung zu einer besonders intensiven Allergiesaison führen könnte – und damit Millionen Allergiker im ganzen Land vor Herausforderungen stellt.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Regen, Wärme und Pollen: Ein ungünstiges Trio
Seit Ende Dezember haben atlantische Tiefdruckgebiete wiederholt Regen und milde Luft nach Spanien gebracht. Dass ausgerechnet feuchtes Wetter im Winterhalbjahr die Pollenkonzentrationen steigen lässt, überrascht auf den ersten Blick, ist aber aus aerobiologischer Sicht erklärbar: Regen führt dazu, dass Pflanzen stärker austreiben und blühen, sobald sich die Temperaturen stabilisieren. Zudem tragen mildere Nächte dazu bei, dass Bäume wie Erlen, Birken und andere Frühblüher früher und stärker Pollen freisetzen als üblich.
Die Red Española de Aerobiología (REA) hat in den letzten Tagen signifikant erhöhte Werte vor allem von Erlenpollen (Alnus glutinosa) an verschiedenen Messstationen gemeldet. Diese Blütenstaubart gilt als stark allergen und steht in der Pollensaison oft am Anfang der Belastungskurve, die sich dann im Frühjahr auf andere Arten wie Birken, Zypressen oder Gräser ausweiten kann.
Warum die Belastung stärker wirkt
Allergiker berichten nicht nur von einem früheren Auftreten typischer Symptome wie Niesen, verstopfter Nase oder juckenden Augen – viele geben auch an, dass diese Beschwerden intensiver ausfallen als in den Vorjahren. Dafür gibt es mehrere Gründe:
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Niederschlag und Feuchtigkeit: Regen kann Pollenpartikel aufbrechen und mikroskopisch kleine Fragmente in die Luft freisetzen, die tief in die Atemwege gelangen. Diese kleineren Partikel reizen das Immunsystem stärker als ganze Pollen.
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Wetterverlauf: Die wiederholten Regenphasen wechselten mit Tagen milder Temperaturen, was die Pflanzen in verstärktem Maße zum Blühen anregte.
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Stadtluft: In urbanen Zentren kann die Luftverschmutzung zusätzlich dazu beitragen, dass Pollenpartikel intensiver auf das Immunsystem wirken. Schadstoffe wie Dieselpartikel können sich an Pollen anlagern und dessen allergenes Potenzial erhöhen – ein Phänomen, das Fachleute seit einigen Jahren beobachten.
Regionale Unterschiede – wer ist betroffen?
Die erhöhte Pollenbelastung ist nicht nur auf einzelne Regionen beschränkt. Besonders betroffen sind derzeit:
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Die nördlichen und zentralen Regionen Spaniens, wo Erlen und Birken weit verbreitet sind.
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Städtische Ballungsräume, in denen lokale Emissionen und Mikroklimaeffekte die Belastung zusätzlich verstärken können.
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Viel bewohnte Küstenregionen, in denen mildere Winterbedingungen frühere Blühphasen zur Folge haben.
Allerdings variieren die Belastungsniveaus deutlich von Ort zu Ort – lokale Wetterlagen, Höhenlagen und Pflanzenverbreitung spielen eine große Rolle.
Gesundheitliche Auswirkungen
Medizinische Fachgesellschaften und Allergologen raten Personen, die an Pollenallergien leiden, zu erhöhter Vorsicht. Neben klassischen Symptomen wie Niesen, Augenjucken und verstopfter Nase können auch asthmatische Beschwerden verstärkt auftreten.
Experten empfehlen:
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Regelmäßige Nasenspülungen mit Kochsalzlösung, um Pollen aus den oberen Atemwegen zu entfernen.
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Das Tragen von Schutzmasken an Tagen mit hoher Pollenkonzentration, um die Aufnahme von Allergenen zu reduzieren.
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Sonnenbrillen, um Augenreizungen durch in der Luft befindliche Pollen zu vermeiden.
Ausblick: Frühjahrs-Saison mit Potenzial zur Verlängerung
Meteorologen gehen davon aus, dass die aktuelle Wetterlage die Pollensaison verlängern wird. Während die Erlen- und Birkenphasen oft bereits hinter sich sind, wenn der Frühling voll einsetzt, könnte in diesem Jahr der Übergang zu anderen allergenen Pollen wie Zypressen oder Gräsern fließender und früher ausfallen – ein Faktor, der insbesondere Menschen mit Kreuzallergien zusätzlich belasten könnte.
Eine Saison mit erhöhtem Risiko für Allergiker
Die Kombination aus Regen, milden Temperaturen und einer starken Pflanzenreaktion hat in Spanien zu ungewöhnlich hohen Pollenkonzentrationen geführt. Für Millionen Allergiker bedeutet dies eine potentielle Verschärfung ihrer Beschwerden, die sich über mehrere Wochen hinziehen kann. Ein umsichtiger Umgang mit der Erkrankung, begleitet von präventiven Maßnahmen und medizinischer Beratung, gilt derzeit als der beste Schutz in einer Saison, die viele als besonders herausfordernd erleben werden.
