Mit dem Ende der spanischen „Golden Visa“ im vergangenen April hat sich der Zugang für vermögende Nicht-EU-Bürger drastisch verändert. Was früher ein unkomplizierter Weg war, Kapital im Land zu platzieren, ist heute eine komplizierte Mischung aus steuerlichen Hürden und strengen Aufenthaltsregeln. Dennoch lassen sich die finanzstärksten Interessenten nicht abschrecken: Sie nutzen nun verstärkt das Visum für digitale Nomaden, um dennoch nach Spanien zu gelangen – ein Modell, das ursprünglich gar nicht für Investoren gedacht war
Redaktion Spanien Press
Digitale Nomaden statt privilegierter Investoren
Die Abschaffung der Golden Visa hat ein Vakuum geschaffen. Jahrzehntelang bot dieses System die Möglichkeit, durch Immobilienkäufe oder andere Investitionen eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, ohne dauerhaft in Spanien leben oder steuerpflichtig werden zu müssen.
Nun greifen viele auf das Tele-Arbeitervisum zurück. Es erlaubt einen befristeten Aufenthalt, solange man für ein ausländisches Unternehmen arbeitet, ein Jahresgehalt zwischen 40.000 und 150.000 Euro nachweisen kann und eine qualifizierte Ausbildung besitzt.
Doch das Modell hat Grenzen: Spätestens bei der Verlängerung greift die 183-Tage-Regel, die den Betroffenen automatisch in die spanische Steuerpflicht führt.
Das Beckham-Gesetz, das fünf Jahre lang einen pauschalen Steuersatz von 24 % auf spanische Einkünfte gewährt, lindert diese Belastung nur vorübergehend – im Gegensatz zu den früher unbegrenzt verlängerbaren Golden Visa.
Der neue Umweg: Unternehmer durch die Hintertür
Das Visum für digitale Nomaden hat sich inzwischen zu einem bevorzugten Einreisemodell für Investoren entwickelt.
Obwohl das Unternehmer-Visum theoretisch das geeignete Instrument wäre, gelten die administrativen Anforderungen als so streng und wenig praxisnah, dass viele Antragsteller gar nicht erst in Betracht gezogen werden. Auch das nicht erwerbstätige Visum, das vor allem für vermögende Ruheständler gedacht ist, eignet sich kaum für Personen, die in Spanien aktiv investieren oder unternehmerisch tätig werden möchten.
Daher entscheiden sich viele für den pragmatischsten Weg: Sie kommen zunächst als digitale Nomaden ins Land und gründen ihre Unternehmen erst nach ihrer Ankunft in Spanien.
Die meisten ausländischen Investoren, die heute über das Visum für digitale Nomaden nach Spanien kommen, stammen aus den USA, Lateinamerika und dem Vereinigten Königreich.
