In den 1980er-Jahren führte die Region Andalusien erstmals das Modell der durchgehenden Schulzeit ein. Dabei findet der Unterricht ausschließlich am Vormittag statt – in der Regel von 9:00 bis 14:00 Uhr. Am Nachmittag kehren die Kinder nicht mehr in die Schule zurück. Dieses System verbreitete sich schnell, und heute arbeiten rund 70 % der spanischen Grundschulen nach diesem Modell
Redaktion Spanien Press
Besonders in Madrid wird die Debatte derzeit intensiv geführt. Viele Elternverbände und Bildungsexperten fordern, den geteilten Schultag wieder stärker einzuführen. Sie argumentieren, dass ein längerer Aufenthalt in der Schule nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert, sondern auch mehr Chancengleichheit schafft – da alle Kinder gemeinsam zu Mittag essen und am Nachmittag betreut werden. Erste Schulen in der Region haben deshalb begonnen, wieder auf den traditionellen Stundenplan mit Vormittags- und Nachmittagseinheiten umzustellen.
Der durchgehende Schultag (9:00–14:00 Uhr)
Vorteile:
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Der Unterricht konzentriert sich auf die produktivsten Stunden des Morgens.
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Kinder, Familien und Lehrkräfte haben die Nachmittage frei für Freizeit oder außerschulische Aktivitäten.
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Geringere Kosten für Transport und Schulkantinen.
Nachteile:
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Eltern haben größere Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, da viele Arbeitsplätze in Spanien im geteilten Schichtmodell funktionieren.
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Soziale Unterschiede verschärfen sich: wohlhabendere Familien können private Nachmittagsangebote finanzieren, andere nicht.
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Studien zeigen, dass vor allem Mütter ihre Arbeitszeit reduzieren, um sich am frühen Nachmittag um die Kinder zu kümmern.
Der geteilte Schultag (z. B. 9:00–12:30 und 15:00–17:00 Uhr)
Vorteile:
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Kinder verbringen mehr Zeit in der Schule, was berufstätigen Eltern zugutekommt.
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Die Schulkantine garantiert eine warme Mahlzeit für alle.
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Der Unterricht ist über den Tag verteilt, mit längeren Pausen zur Erholung.
Nachteile:
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Der Schultag ist länger und kann für jüngere Kinder ermüdend sein.
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Höhere Kosten für Kantinen, Personal und Transport.
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Weniger Freizeit am Nachmittag für Familie oder Hobbys.
Eine offene Frage
Obwohl die durchgehende Schulzeit in Spanien dominiert, gibt es mittlerweile Schulen und Regionen, die die geteilte Schulzeit wieder einführen. Befürworter argumentieren, dass sie Chancengleichheit und Familienfreundlichkeit stärkt.
Für deutsche Familien, die nach Spanien ziehen oder ihre Kinder hier einschulen möchten, ist dieses Thema besonders relevant. Der Stundenplan bestimmt nicht nur den Alltag der Kinder, sondern beeinflusst auch die Work-Life-Balanceder ganzen Familie.
