Redaktion Spanien Press
Spanien erlebt einen regelrechten Hypothekenboom: Im ersten Halbjahr 2025 wurden über 201.000 neue Hypotheken abgeschlossen – so viele wie seit 14 Jahren nicht mehr. Im Mai allein stieg die Zahl der neu unterzeichneten Darlehen im Vergleich zum Vorjahr um 54 %. Die spanischen Banken bieten derzeit die niedrigsten Hypothekenzinsen Europas, was viele Familien und Investoren zum Kauf bewegt.
Familien helfen beim Schritt ins Eigenheim
Doch hinter den Zahlen steckt oft ein enormer Kraftakt: Viele junge Menschen können sich die hohen Mietpreise in Städten wie Madrid, Valencia oder Málaga kaum noch leisten – geschweige denn den Kauf einer Wohnung. Die Eltern oder Großeltern greifen deshalb immer häufiger finanziell unter die Arme, sei es durch direkte Beteiligung an der Anzahlung, Bürgschaften oder sogar die Übertragung von Vermögenswerten.
Der Wohnungsmarkt zwingt viele Familien zur Entscheidung: Entweder dauerhaft zur Miete zu wohnen – mit steigenden Preisen und wenig Sicherheit – oder alles auf eine Karte zu setzen und zu kaufen. Und das möglichst früh.
Wohnen zur Miete – investieren im Randgebiet
Gleichzeitig entwickelt sich eine neue Immobilienstrategie unter jungen Berufstätigen und digital arbeitenden Selbstständigen: Sie mieten weiterhin eine Wohnung zur Eigennutzung – oft in zentralen Vierteln – investieren aber in den Kauf von günstigeren Immobilien in einfacheren Stadtteilen oder im Umland.
Dort erwerben sie kleine Wohnungen oder Häuser mit Renovierungsbedarf, sanieren diese Schritt für Schritt und vermieten sie dann – etwa über langfristige Mietverträge oder touristische Plattformen. Damit sichern sie sich ein zweites Einkommen und ein Stück Unabhängigkeit vom Mietmarkt.
Spanien bleibt ein Land der Eigentümer – zumindest im Geiste
Für viele Spanier gehört es zur Lebensplanung dazu, früher oder später Wohneigentum zu erwerben – sei es als Hauptwohnsitz oder als kleine Zweitwohnung für die Familie. Spanien ist traditionell ein Land der Eigentümer, zumindest in der Mentalität. Und die Entwicklung der letzten Jahre scheint ihnen recht zu geben:Für die meisten ist der Traum vom Eigenheim nicht nur eine emotionale, sondern auch eine Frage der Sicherheit.
Mietwahnsinn treibt zum Kauf
Laut einem Bericht von Idealista sind die Mietpreise in Spanien zwischen Dezember 2020 und April 2025 um etwa 30 % gestiegen, während das verfügbare Angebot um 56 % zurückgegangen ist.
In Palma de Mallorca, Málaga, Alicante oder Sevilla sind Wohnungen inzwischen oft teurer zur Miete als im europäischen Durchschnitt.
Gleichzeitig ermöglichen Zinssätze unter 2,5 % günstige Hypothekenkonditionen – ein europaweites Unikum. Viele sehen daher den Kauf als einzige Möglichkeit, der Mietfalle zu entkommen. Doch es ist ein Wettlauf mit der Zeit, denn auch die Kaufpreise steigen weiter – wenn auch langsamer als in der Miete.
