Der Anbau von eigenem Obst und Gemüse erlebt in Spanien eine echte Renaissance. Immer mehr Menschen wollen sich zumindest teilweise selbst versorgen – sei es auf dem Balkon, im Schrebergarten oder in städtischen Gemeinschaftsprojekten. Der Trend ist landesweit spürbar, doch besonders in Galicien nimmt die Bewegung deutlich Fahrt auf: In der nordwestlichen Region ist die Nachfrage nach urbanen Gemüsegärten in den letzten Jahren um fast 30 % gestiegen
Redaktion Spanien Press
Selbstversorgung im Aufwind
In Zeiten hoher Lebensmittelpreise, wachsender Umweltbedenken und eines stärkeren Gesundheitsbewusstseins greifen viele Spanierinnen und Spanier zur Harke. Vom andalusischen Córdoba bis nach Bilbao entstehen neue Huertos Urbanos, die von Stadtverwaltungen oder Bürgerinitiativen betrieben werden. Besonders gefragt: einfache Anleitungen, ökologisches Saatgut und gemeinschaftlich nutzbare Parzellen.
Doch während das Phänomen landesweit wächst, melden Städte wie A Coruña, Vigo oder Lugo einen regelrechten Boom: Die Wartelisten für einen Gartenplatz werden immer länger, neue Flächen sind kaum nachzuschaffen.
Galicien als Vorreiter
In Galicien trifft der Trend auf fruchtbaren Boden – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Die Region mit ihrer milden Feuchtigkeit und der starken landwirtschaftlichen Tradition bietet ideale Bedingungen für den Anbau. Laut Daten lokaler Verwaltungen hat sich die Zahl der Anträge auf städtische Gartenparzellen in einigen Gemeinden in nur drei Jahren fast verdoppelt.
„In vielen Familien war der Garten nie ganz verschwunden, aber jetzt entdecken auch junge Leute und Städter das Gärtnern wieder“, erklärt Maruxa Fernández, Koordinatorin eines Projekts in Pontevedra.
Mehr als nur ein Hobby
Was früher als Zeichen ländlicher Armut galt, wird heute als bewusste Entscheidung für ein nachhaltiges Leben verstanden. Für viele ist der Gemüsegarten nicht nur ein Mittel zur Kostensenkung, sondern auch ein Ort der Erholung, Bildung und Gemeinschaft.
Ein kleiner Garten kann laut Verbraucherverbänden Hunderte Euro pro Jahr einsparen, insbesondere bei saisonalem Gemüse. Doch genauso wichtig ist für viele das Gefühl von Unabhängigkeit – und die Freude über selbst geerntete Tomaten, Salat oder Zucchini.
