Spanien erweitert sein nationales Brustkrebs-Screeningprogramm deutlich und öffnet die Vorsorge künftig für Millionen weitere Frauen. Nach einer Entscheidung der spanischen Gesundheitsbehörden sollen zukünftig Frauen zwischen 45 und 74 Jahren regelmäßig kostenlose Mammographien über das öffentliche Gesundheitssystem erhalten. Bislang richtete sich das staatliche Früherkennungsprogramm überwiegend an Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Mit der neuen Reform werden nun sowohl jüngere als auch ältere Altersgruppen einbezogen. Nach offiziellen Schätzungen erhalten dadurch mehr als drei Millionen zusätzliche Frauen Zugang zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Die Maßnahme gilt als eine der bedeutendsten Reformen des spanischen Gesundheitswesens im Bereich Krebsprävention der vergangenen Jahrzehnte.
Gesundheitsbehörden reagieren auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse
Die Entscheidung wurde von der spanischen Kommission für öffentliche Gesundheit getroffen, in der sowohl das Gesundheitsministerium als auch die autonomen Regionen vertreten sind. Hintergrund der Reform sind neue medizinische Erkenntnisse über die Entwicklung von Brustkrebsfällen bei jüngeren Frauen.
Nach Angaben der Gesundheitsbehörden werden inzwischen rund zehn Prozent aller Brustkrebsdiagnosen in Spanien bei Frauen unter 50 Jahren festgestellt. Experten beobachten zudem weltweit einen deutlichen Anstieg von Brustkrebsfällen bei jüngeren Patientinnen.
Internationale Studien zeigen, dass die Zahl der Erkrankungen bei Frauen zwischen 20 und 54 Jahren in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen hat. Die spanischen Behörden hoffen deshalb, Tumore künftig früher erkennen und die Heilungschancen verbessern zu können.
Mammographien künftig für Frauen zwischen 45 und 74 Jahren
Künftig sollen Frauen im Alter zwischen 45 und 74 Jahren alle zwei Jahre eine kostenlose Mammographie erhalten. Damit erweitert Spanien die bisherigen Altersgrenzen sowohl nach unten als auch nach oben.
Die bisherigen Programme konzentrierten sich vor allem auf Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, da in dieser Altersgruppe das Risiko für Brustkrebs besonders hoch ist. Neue Daten deuten jedoch darauf hin, dass auch jüngere Frauen häufiger betroffen sind als bislang angenommen.
Gleichzeitig spielt die steigende Lebenserwartung in Spanien eine wichtige Rolle. Immer mehr Frauen bleiben auch im höheren Alter gesundheitlich aktiv, wodurch Vorsorgeuntersuchungen über das 70. Lebensjahr hinaus zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Mehrere Regionen testen die Ausweitung bereits
Einige autonome Regionen haben die neuen Altersgruppen bereits vor der landesweiten Reform getestet oder eingeführt. Dazu gehören unter anderem Navarra, Kastilien und León, La Rioja sowie Kastilien-La Mancha, wo Frauen teilweise bereits ab 45 Jahren zu Mammographien eingeladen werden.
Galicien wiederum führt bereits Untersuchungen für Frauen bis zum Alter von 74 Jahren durch. Nach bisherigen Angaben der Gesundheitsbehörden fielen die Ergebnisse positiv aus.
Besonders interessant: In einigen Regionen wurden bei Frauen zwischen 70 und 74 Jahren sogar höhere Entdeckungsraten festgestellt als bei jüngeren Seniorinnen. Auch bei Frauen Ende 40 konnten Tumore in ähnlicher Häufigkeit entdeckt werden wie bei Patientinnen Anfang 50.
Einführung soll schrittweise erfolgen
Die Umsetzung der Reform soll allerdings nicht sofort im gesamten Land erfolgen. Spanien plant eine schrittweise Einführung über mehrere Jahre hinweg. Die autonomen Regionen erhalten zunächst bis zu drei Jahre Zeit, um ihre Gesundheitssysteme entsprechend anzupassen.
Innerhalb von sechs Jahren soll das neue Screeningprogramm dann nahezu vollständig umgesetzt sein.
Nach aktuellen Schätzungen des Gesundheitsministeriums könnten sich die Kosten für die Erweiterung des Programms bis zum Jahr 2029 auf rund 534 Millionen Euro belaufen. Da einige Regionen die neuen Altersgruppen bereits eingeführt haben, könnten die tatsächlichen Kosten jedoch geringer ausfallen.
Experten begrüßen Reform – warnen aber auch vor Risiken
Viele Onkologen und Gesundheitsexperten bewerten die Erweiterung des Screeningprogramms grundsätzlich positiv. Früh erkannter Brustkrebs könne in vielen Fällen deutlich erfolgreicher behandelt werden, wodurch die Überlebenschancen erheblich steigen.
Gleichzeitig weisen Fachleute jedoch darauf hin, dass umfangreichere Screeningprogramme auch Nachteile mit sich bringen können. Dazu gehören falsch-positive Ergebnisse, unnötige Biopsien oder sogenannte Überdiagnosen, bei denen Tumore entdeckt werden, die möglicherweise nie gesundheitliche Probleme verursacht hätten.
Auch psychische Belastungen durch Fehlalarme seien nicht zu unterschätzen.
Dennoch betonen Experten, dass moderne Diagnoseverfahren heute deutlich präziser arbeiten als noch vor einigen Jahren. Die spanische Gesellschaft für medizinische Onkologie unterstützt die Reform daher ausdrücklich und sieht darin einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Krebsprävention in Spanien.
Brustkrebs bleibt häufigste Krebsart bei Frauen
Brustkrebs zählt weiterhin zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen weltweit. Auch in Spanien werden jedes Jahr zehntausende neue Fälle diagnostiziert.
Gesundheitsbehörden hoffen nun, dass die erweiterte Früherkennung langfristig dazu beitragen wird, die Sterblichkeit zu senken und Behandlungschancen deutlich zu verbessern. Gleichzeitig soll die Reform das öffentliche Bewusstsein für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen weiter stärken.
