Am heutigen Montag, dem 12. Oktober, begeht Spanien seinen Nationalfeiertag. Im Mittelpunkt steht die traditionelle Militärparade in Madrid, an der rund 4.400 Angehörige der Streitkräfte und weiterer staatlicher Institutionen teilnehmen. Doch der Día de la Hispanidad ist weit mehr als ein militärisches Zeremoniell: Er erinnert an die gemeinsame Geschichte Spaniens und Lateinamerikas und ist zugleich Anlass für Diskussionen über die koloniale Vergangenheit.
Redaktion Spanien Press
Madrid im Zeichen der spanischen Nationalflagge
In der spanischen Hauptstadt stehen heute die rot-gelben Nationalfarben im Mittelpunkt. Um 11 Uhr beginnt die traditionelle Militärparade, die von König Felipe VI. und Königin Letizia begleitet wird. Auch Kronprinzessin Leonor und Infantin Sofía nehmen an den Feierlichkeiten teil.
Rund 4.400 Teilnehmer aus den Streitkräften, den Sicherheitsbehörden und weiteren staatlichen Institutionen sind für die Parade vorgesehen. Hinzu kommen etwa 50 Flugzeuge, 30 Hubschrauber sowie zahlreiche Militärfahrzeuge.
Die Parade führt vom Bahnhof Atocha über den Paseo del Prado und die Plaza de Cibeles bis zur Plaza de Colón. Zu den Höhepunkten gehören der Fallschirmsprung mit der spanischen Nationalflagge, die Flugvorführungen sowie die Ehrung der für Spanien gefallenen Soldaten.
Auch Ministerpräsident Pedro Sánchez und hochrangige Vertreter des Staates werden bei den Feierlichkeiten erwartet.
Warum feiert Spanien ausgerechnet am 12. Oktober?
Das Datum geht auf den 12. Oktober 1492 zurück. An diesem Tag erreichte Christoph Kolumbus während seiner ersten Atlantikexpedition eine Insel der heutigen Bahamas. Seine Reise leitete eine Epoche tiefgreifender Veränderungen ein, die Europa und den amerikanischen Kontinent dauerhaft miteinander verband.
Aus spanischer Sicht entwickelte sich daraus über Jahrhunderte eine gemeinsame Sprach- und Kulturgeschichte mit großen Teilen Lateinamerikas.
Heute sprechen weltweit Hunderte Millionen Menschen Spanisch. Die Sprache verbindet Länder auf mehreren Kontinenten und ist ein wesentlicher Bestandteil der kulturellen Identität der hispanischen Welt.
Die historische Bedeutung des Datums wird allerdings unterschiedlich bewertet. Während es in Spanien als Nationalfeiertag begangen wird, erinnern zahlreiche Stimmen in Lateinamerika auch an die gewaltsame Eroberung, die Unterdrückung indigener Bevölkerungsgruppen und die Folgen der Kolonialisierung.
Feliz día de la hispanidad https://t.co/HAWA8QKiPH
— Spaniard (@SpaniardBalbo) October 12, 2026
Ein Nationalfeiertag in politisch bewegten Zeiten
Der diesjährige Día de la Hispanidad findet vor dem Hintergrund einer angespannten innenpolitischen Situation statt. Die angekündigten vorgezogenen Wahlen und die anhaltenden politischen Auseinandersetzungen prägen die öffentliche Debatte.
Damit erhält auch der Nationalfeiertag eine politische Dimension. Während die offiziellen Feierlichkeiten die staatlichen Institutionen und die nationale Zusammengehörigkeit in den Vordergrund stellen, wird über die Bedeutung spanischer Identität und den Umgang mit der eigenen Geschichte weiterhin kontrovers diskutiert.
Der Vorsitzende der Partei Vox, Santiago Abascal, hat angekündigt, den offiziellen Feierlichkeiten in Madrid fernzubleiben und stattdessen nach Ceuta zu reisen.
Mehr als eine Militärparade: Hispanidad als Kulturfest
Abseits der militärischen Zeremonien wird die Hispanidad zunehmend auch als internationales Kulturfest gefeiert.
Besonders Madrid hat in diesem Jahr ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Vom 2. bis zum 12. Oktober finden mehr als 200 Veranstaltungen statt, darunter Konzerte, Tanzaufführungen, Theater, Ausstellungen und gastronomische Angebote.
Mehr als 20 Länder sind beteiligt. Ehrengast der diesjährigen Ausgabe sind die Vereinigten Staaten, deren spanischsprachige Bevölkerung einen wichtigen Teil der kulturellen Vielfalt des Landes ausmacht.
Auch Andalusien beteiligt sich an den Feierlichkeiten. In Sevilla erinnert beispielsweise ein historischer Umzug an die Epoche der spanischen Seefahrt und die jahrhundertelangen Verbindungen zwischen der Stadt und Amerika.
¡Feliz Día de la Hispanidad a todos!
Desde Andalucía, nos sentimos orgullosos de ser españoles y celebrar todo lo que nos une.
De compartir, construir y seguir soñando juntos.
🇪🇸 ¡VIVA ESPAÑA!
#12deOctubre https://t.co/WV59569aWP
— Juanma Moreno (@JuanMa_Moreno) October 12, 2026
Was bedeutet der 12. Oktober für den Alltag in Spanien?
Für die meisten Einwohner Spaniens ist der heutige Montag arbeitsfrei. Der 12. Oktober ist ein landesweiter gesetzlicher Feiertag, der in diesem Jahr für viele Menschen ein verlängertes Wochenende ermöglicht.
Schulen, Behörden und zahlreiche Unternehmen bleiben geschlossen. In touristischen Regionen wie der Costa del Sol können Restaurants, Hotels und viele Geschäfte dagegen weiterhin geöffnet sein.
Für die zahlreichen ausländischen Einwohner Spaniens bietet der Feiertag auch die Gelegenheit, ein Stück spanischer Geschichte und Gegenwart besser kennenzulernen.
Denn der Día de la Hispanidad steht nicht nur für Fahnen, Militärmusik und königliche Zeremonien. Er verdeutlicht auch, wie eng Spaniens Geschichte mit der anderer Kontinente verbunden ist – und wie unterschiedlich dieses gemeinsame Erbe bis heute betrachtet wird.
Die Feierlichkeiten in Madrid werden ab 11 Uhr live auf La 1 und über RTVE Play übertragen.
