Spanien ist nach Italien das Land mit der höchsten Wohneigentumsquote in Europa. Rund drei Viertel der Bevölkerung wohnen im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung. Doch während das Eigenheim früher für viele erschwinglich war, ist es heute für einen Großteil der Bevölkerung – vor allem für junge Menschen – ein kaum erreichbarer Luxus
Redaktion Spanien Press
Ein Land der Eigentümer – aber nicht mehr für alle
Der Besitz einer eigenen Immobilie ist in Spanien traditionell tief verankert. Seit den 1980er-Jahren galt das Eigenheim als Symbol für Stabilität, Unabhängigkeit und sozialen Aufstieg. Staatliche Förderungen, günstige Kredite und die Unterstützung innerhalb der Familie machten es möglich, dass sich viele Spanier Wohneigentum leisten konnten.
Heute liegt die Eigentumsquote in Spanien bei etwa 75 bis 77 %, womit das Land europaweit direkt hinter Italien (rund 80 %) steht. In vielen anderen europäischen Staaten, wie Deutschland oder Österreich, liegt der Anteil der Eigentümer deutlich niedriger.
Doch dieser historische Trend beginnt zu kippen – und das aus mehreren Gründen.
Junge Menschen: Eingeklemmt zwischen Kredit und Miete
Junge Spanierinnen und Spanier haben heute kaum noch Zugang zu Wohnraum. Die Immobilienpreise sind in den letzten Jahren stark gestiegen, während Löhne stagnieren und Arbeitsverhältnisse häufig prekär sind. Hypotheken sind teuer und die Einstiegshürden hoch. Gleichzeitig explodieren die Mietpreise – in Großstädten wie Barcelona, Madrid, Sevilla oder Málaga geben viele mehr als 40 % ihres Einkommens allein für die Miete aus.
Wohnen ist für viele zur Belastung geworden. Eigentum ist kaum finanzierbar, Miete ist unbezahlbar – viele junge Menschen bleiben daher lange bei den Eltern oder leben unter unsicheren Bedingungen.
Die Pandemie hat das Bedürfnis nach Eigentum verstärkt
Seit der Corona-Krise hat sich das Bewusstsein für das eigene Zuhause verändert. Das Eigenheim gilt seither nicht nur als Wohnraum, sondern auch als Schutzraum, Homeoffice, Rückzugsort und Altersvorsorge. Besonders in Krisenzeiten – geprägt von wirtschaftlicher Unsicherheit, Inflation und geopolitischen Spannungen – erscheint das eigene Zuhause als einziger sicherer Anker.
Doch was früher für breite Teile der Mittelschicht realistisch war, ist heute für viele unerreichbar. Was früher “normal” war, ist heute “Luxus”.
Eigentum als unerreichbarer Traum für viele Spanier
In einer Zeit, in der die Mieten weiter steigen und die Renten nicht mehr zum Leben reichen, wird Wohneigentum zunehmend zu einem sozialen Spaltfaktor. Für die Mehrheit der Spanier ist der Traum vom Eigenheim nur noch schwer erfüllbar. Besonders in Städten ist es ohne Erbschaften oder familiäre Hilfe nahezu unmöglich, Wohneigentum zu erwerben.
Das, was für frühere Generationen noch eine realistische Option war, ist für heutige junge Erwachsene fast unmöglich geworden. Wohnen entwickelt sich immer mehr zu einer sozialen Herausforderung – mit langfristigen Folgen für Lebensqualität, Familienplanung und soziale Gerechtigkeit.
