Im Herzen von Logroño gibt es eine Straße, die unter Feinschmeckern längst Kultstatus hat. Die Calle Laurel, mitten in der Altstadt der Hauptstadt La Riojas, ist weit mehr als eine Tapasroute. Sie ist ein lebendiges Ritual, erfüllt von Düften, Stimmen und Rioja-Wein – und einer der außergewöhnlichsten gastronomischen Schätze Europas
Redaktion Spanien Press
Bescheidene Anfänge, die zu einer Legende wurden
Ihre Geschichte beginnt Ende des 19. Jahrhunderts, als erste Weinschänken ihre Türen für Händler und Reisende öffneten, die durch den Marktbereich zogen. Aus diesem unscheinbaren Durchgang entwickelte sich schnell der Treffpunkt der Logroñeses, ein Ort zum Reden, Anstoßen und zum gemeinsamen Genießen kleiner Köstlichkeiten.
Mit den Jahren floss Rioja-Wein durch jede Bar, die Lokale vervielfachten sich, und die Straße entwickelte jene einzigartige Identität, die sie heute prägt. Auf nur 300 Metern drängen sich über sechzig Bars und Tavernen, jede mit eigener Spezialität, eigenem Stil und eigenem Verständnis vom Tapas-Erlebnis. Hier sitzt man nicht – man isst im Stehen, mitten im Trubel, mit einem Glas in der einen und einem Pincho in der anderen Hand.
Der Duft der Laurel: Grillpfannen, Wein und offene Türen
Am späten Nachmittag, wenn die Küchen zu leben beginnen, erfüllt ein unverkennbarer Duft die Luft. Im traditionsreichen Bar Soriano, das seit 1972 besteht, brutzeln Champignons mit Garnele auf der Plancha. Im Blanco y Negro werden die berühmten zorropitos – kleine Brötchen mit Schinken und Paprika – wie kleine Schätze serviert. Und nur wenige Schritte weiter laden El Muro, El Ángel oder Sebas mit ihrem Stimmengewirr, klirrenden Gläsern und ausgelassener Atmosphäre zum Eintreten ein.
Jede Bar hat ihr Lieblingsgericht: Gambas-Spieße, perfekte Kroketten, traditionelle Eintöpfe, gefüllte Piquillo-Paprika. Die Calle Laurel ist ein sinnlicher Rundgang, bei dem jeder Stopp eine eigene Geschichte erzählt.
Vom lokalen Geheimtipp zur europäischen Ikone
Lange Zeit war Laurel ein Schatz, den die Einwohner von Logroño nur mit den Pilgern des Jakobswegs teilten, der durch die Altstadt führt. Doch das Geheimnis blieb nicht verborgen. Heute reisen Menschen aus ganz Europa an – angezogen von dieser seltenen Mischung aus Geschmack, Einfachheit und echter Lebensfreude.
Die Straße nährt nicht nur; sie verbindet. Die Einheimischen gehen von Bar zu Bar, als würden sie Nachbarn begrüßen. Und obwohl mittlerweile viele Touristen ankommen, hat Laurel seinen ursprünglichen Charakter bewahrt.
Calle Laurel.
LOGROÑO.♥️ pic.twitter.com/hyz1OJJFHs— ❀𝓓𝓾𝓵𝔃𝓾𝓻𝓪❀ (@Ojos_De_Gata_) August 29, 2024
Das heilige Dreieck des Tapeo
Zusammen mit den Nebenstraßen San Agustín und Travesía del Laurel bildet sie ein kulinarisches Dreieck mit über 80 Lokalen. Das Angebot reicht von klassischen Pinchos bis zu modernen Kreationen mit riojanischer Handschrift – stets begleitet von einem Glas Rioja D.O.Ca., das man hier nicht einfach trinkt, sondern feiert.
Eine Straße, die man erlebt – nicht besucht
Ob bei Regen oder Sonne, tagsüber oder spät in der Nacht – Laurel bleibt, wie sie immer war: lebendig, herzlich, unwiderstehlich. Ihre Pflastersteine tragen die Spuren unzähliger Schritte, ihre Bars die Wärme vieler Generationen, und in der Luft liegt der Duft von Wein und Freude.
Wer Laurel zum ersten Mal betritt, verspricht meist zurückzukehren. Denn manche Straßen merkt man sich wegen ihres Anblicks – aber Laurel erinnert man sich wegen dessen, was man fühlt.
