In einer von Unsicherheit und Protektionismus geprägten Weltwirtschaft erweist sich Spanien als erfreuliche Ausnahme.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft im Jahr 2025 gesenkt. Grund dafür ist der zunehmende Handelsprotektionismus, insbesondere durch die von Donald Trump angestoßene Zollpolitik. Die neue Prognose sieht nur noch ein globales Wachstum von 2,8 % vor – ein Rückgang um einen halben Prozentpunkt.
Und doch: Spanien sticht heraus. Der IWF hat die Prognose für das spanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 2,5 % im Jahr 2025 angehoben – zwei Zehntel mehr als noch im Januar. Damit ist Spanien die einzige große Volkswirtschaft, deren Aussichten sich verbessert haben. Für 2026 bleibt die Prognose bei 1,8 %.
Dienstleistungssektor und Wiederaufbau als Wachstumstreiber
Ein entscheidender Faktor ist das starke Wirtschaftsjahr 2024, in dem Spaniens BIP um 3,2 % gewachsen ist. Hinzu kommt die wirtschaftliche Belebung durch den Wiederaufbau nach den schweren Überschwemmungen infolge des DANA-Sturms.
Darüber hinaus ist die spanische Wirtschaft stark dienstleistungsorientiert: Etwa 70 % des BIP stammen aus dem Dienstleistungssektor. Branchen wie Tourismus, Gastronomie, Einzelhandel und unternehmensnahe Dienstleistungen haben sich nach der Pandemie rasch erholt und tragen maßgeblich zur aktuellen Stabilität bei.
Weltweit gebremstes Wachstum
Während Spanien wächst, sieht es in anderen Teilen der Welt weniger optimistisch aus. Die USA, als Hauptverursacher der neuen Zollspirale, verzeichnen laut IWF einen Rückgang der Wachstumsprognose um 0,9 Prozentpunkte. Auch China (–0,6 Punkte) und Mexiko (–0,3 Punkte) sind betroffen.
Die Eurozone kommt etwas glimpflicher davon, doch auch hier korrigiert der IWF seine Erwartungen leicht nach unten: 0,8 % Wachstum für 2025 und 1,2 % für 2026.
Der Appell des IWF: Weniger Zölle, mehr Zusammenarbeit
In seinem Bericht warnt der IWF, dass Handelskonflikte und politische Unsicherheiten das mittelfristige Wachstumspotenzial untergraben. Gleichzeitig schwächen der Abbau wirtschaftlicher Puffermaßnahmen die Widerstandsfähigkeit gegen künftige Krisen.
„Zölle sind ein negativer Nachfrageschock“, erklärt Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas. „Sie führen zu Produktionsverlagerungen in ineffiziente Sektoren, senken die Produktivität, treiben die Kosten und dämpfen das Wirtschaftswachstum.“
Der IWF fordert daher eine Rückkehr zu stabilen und vorhersehbaren Handelsbeziehungen sowie verstärkte internationale Kooperation.
Spanien, mit seiner dienstleistungsbasierten Wirtschaft, widerstandsfähig und wirtschaftlich im Aufschwung, wird zum Hoffnungsträger in einer Weltwirtschaft, die vielerorts ins Stocken gerät.
