10 de August de 2025
Lesezeit 1 Minute

Spanien und seine uniformierten Hausangestellten – Kindermädchen, Hundesitter und Altenpflegerinnen unter einem Dach

Credit Domestic.es

In Spanien gehört es zum vertrauten Stadt- und Urlaubsbild: Eine erwachsene Frau in makelloser Uniform schiebt einen Kinderwagen, wartet vor einer Schule – oder geht am Strand spazieren, während sie gleichzeitig den Hund der Familie an der Leine führt. Nicht selten lebt sie im selben Haus wie die Familie, für die sie arbeitet – ein Konzept, das in Nordeuropa fast ausschließlich Superreichen vorbehalten ist

Redaktion Spanien Press

Mehr als nur Kinderbetreuung

Die „interna“ kümmert sich nicht nur um Kinder. Häufig ist sie auch für die Pflege älterer Familienmitglieder zuständig. Viele Spanier ziehen es vor, dass ihre Eltern im eigenen Zuhause bleiben, statt in ein Pflegeheim zu ziehen. Die Lösung: Eine Angestellte, die im Haus des Seniors lebt, sich um Haushalt, Einkäufe, Mahlzeiten und persönliche Betreuung kümmert – Tag und Nacht verfügbar.

Ob in den wohlhabenden Vierteln Madrids, auf den Promenaden von Marbella oder an den Stränden von Cádiz – die „interna“ ist allgegenwärtig. Sie holt Kinder von der Schule ab, begleitet sie zu Sportkursen, führt den Familienhund aus oder sitzt am Abend im Wohnzimmer einer älteren Dame, um ihr Gesellschaft zu leisten.

Historische Wurzeln

Die Tradition reicht weit zurück. Im frühen 20. Jahrhundert – und besonders während der Franco-Diktatur – war es üblich, dass Frauen aus ländlichen Regionen „in den Dienst“ gingen. Sie wohnten bei der Familie, arbeiteten rund um die Uhr und übernahmen alles: Putzen, Kochen, Kinderbetreuung.

In den 1990er- und 2000er-Jahren waren es vor allem Frauen aus Lateinamerika, den Philippinen, Osteuropa oder Marokko, die diese Rolle übernahmen. Günstige Löhne und eine geringere staatliche Versorgung mit Kinder-, Kranken- und Altenpflege machten das Modell für viele spanische Familien attraktiv.

Uniform: Praktisch oder Statussymbol?

Für manche Familien ist die Uniform schlicht praktisch: Sie sorgt für Wiedererkennung in Schule oder Freizeit, schützt private Kleidung und vermittelt ein „geordnetes“ Erscheinungsbild. Kritiker sehen darin jedoch ein sichtbares Symbol gesellschaftlicher Hierarchien, das in vielen anderen europäischen Ländern aus dem Alltag verschwunden ist.

Der Preisunterschied

In Deutschland oder Großbritannien kostet eine im Haushalt lebende Betreuerin mit allen Sozialleistungen oft 3.500 bis 4.000 Euro pro Monat. In Spanien zahlen viele Familien 1.200 bis 1.600 Euro – plus Unterkunft und Verpflegung. Diese Differenz erklärt, warum das Modell hier deutlich verbreiteter ist.

Ein Alltag im Wandel

Das klassische Bild der „interna“ beginnt zu verschwinden: Strengere Gesetze, steigende Löhne und der Wunsch vieler Frauen, nicht mehr im Haushalt ihrer Arbeitgeber zu wohnen, verändern den Markt. Doch noch immer sieht man sie – am Strand, im Park, vor den Schulen oder im Wohnzimmer einer älteren Dame – oft gleichzeitig Kinder betreuend, den Hund ausführend und Seniorinnen oder Senioren versorgend. Für viele Besucher aus Nordeuropa ist das eine Szene, die eher zu den 1960er-Jahren passt als zum Spanien von heute.



Eine Antwort hinterlassen

Your email address will not be published.

Vorherige Geschichte

Spanischer Sommer: Warum die Terrassen der Kneipen die Königinnen der Begegnungen sind

Nächste Geschichte

Die letzten Nächte in Ceuta: Jugendliche riskieren ihr Leben im Meer – Bilder, die die spanische Gesellschaft zunehmend beunruhigen

Neues von Blog

error: Der Inhalt ist geschützt !!
Gehe zuTop