Madrid feiert den spanischen Nationalfeiertag mit einer Militärparade unter den Augen der Königsfamilie. Während Ministerpräsident Pedro Sánchez aus Teilen des Publikums ausgebuht wird, sorgen eine besondere Geste gegenüber Ceuta und Melilla sowie das Debüt des neuen Maskottchens der Legion für Aufmerksamkeit.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Am heutigen Montag, dem 12. Oktober, hat Spanien seinen Nationalfeiertag mit einer großen Militärparade in Madrid begangen. König Felipe VI., Königin Letizia, Kronprinzessin Leonor und Infantin Sofía verfolgten die Veranstaltung, die in diesem Jahr auch von politischen Spannungen und der bevorstehenden vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November geprägt war.
Buhrufe gegen Pedro Sánchez
Ministerpräsident Pedro Sánchez wurde bei seiner Ankunft und seinem Weggang von Teilen des Publikums ausgebuht. Einige Zuschauer beschimpften ihn als „Verräter“. Die Königsfamilie erhielt dagegen Beifall und Zurufe wie „¡Viva el Rey!“.
Die angespannte politische Stimmung war auch bei den Reaktionen anderer Politiker spürbar. Die Präsidentin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, äußerte die Hoffnung, dass es sich um Sánchez’ letzte Nationalfeiertagsparade als Ministerpräsident handeln könnte. Zugleich bekundete sie ihre Unterstützung für Ceuta. Der Vorsitzende der konservativen Partido Popular (PP), Alberto Núñez Feijóo, nahm ebenfalls an der Veranstaltung teil.
Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Vox, Santiago Abascal, blieb der Parade in Madrid hingegen zum zweiten Mal in Folge fern. Stattdessen reiste er nach Ceuta, wo er sich mit Jordan Bardella, dem Vorsitzenden der französischen Partei Rassemblement National, zeigte. Abascal begründete seine Entscheidung unter anderem mit seiner Ablehnung, gemeinsam mit der Regierung Sánchez auf einer Tribüne zu stehen.
Königspaar setzt Zeichen für Ceuta und Melilla
Eine besondere Rolle spielten in diesem Jahr die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla. Die Königsfamilie lud erstmals Vertreter der Zivilgesellschaft aus beiden Städten zum Empfang im Königspalast ein. Die Einladung wurde als Zeichen der Solidarität mit den beiden spanischen Gebieten an der nordafrikanischen Küste verstanden.
Die Situation in Ceuta beschäftigt die spanische Politik bereits seit Ende Juli. Aufgrund der dortigen Lage nahmen in diesem Jahr keine Militäreinheiten aus Ceuta an der Parade in Madrid teil. Die betreffenden Kräfte blieben vor Ort im Einsatz.
Für den 13. und 14. Oktober sind Besuche von König Felipe VI. und Königin Letizia in Ceuta und Melilla vorgesehen. Damit rücken die beiden Städte auch über den Nationalfeiertag hinaus in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit.
Prinzessin Leonor verliert kurzzeitig ihre Auszeichnung
Auch innerhalb der Königsfamilie kam es während der Zeremonie zu einem kleinen Zwischenfall. Die Auszeichnung des Ordens vom Goldenen Vlies, die Kronprinzessin Leonor trug, löste sich während der Ehrungen und fiel herunter. Die Prinzessin hob das Abzeichen auf und steckte es zunächst in ihre Tasche. König Felipe VI. befestigte es später erneut an ihrer Uniform.
Leonor nahm in Galauniform des Heeres an der Veranstaltung teil, nachdem sie ihre militärische Ausbildung absolviert hatte. Ihr Vater trug die Uniform eines Generalkapitäns der Luftwaffe.
Neue Ziege wird zum Blickfang der Legion
Für Aufmerksamkeit sorgte außerdem Babieca, das neue Maskottchen der spanischen Legion. Die zweijährige, hellbraune Ziege nahm erstmals öffentlich an der Nationalfeiertagsparade teil. Sie trug einen rot-weißen Umhang mit den Abzeichen der Legion und des VIII. Bataillons.
Der Name ist eine Anspielung auf Babieca, das berühmte Pferd des mittelalterlichen kastilischen Heerführers El Cid. Die Ziege löst den Widder Baraka ab, der 2025 als Maskottchen der Einheit aufgetreten war. Tiere haben bei der Legion eine lange Tradition und gehören seit vielen Jahren zum Erscheinungsbild der Truppe.
Militärparade mit Tausenden Teilnehmern
An der diesjährigen Parade beteiligten sich rund 4.400 Angehörige der Streitkräfte und anderer Sicherheitsorgane. Zum Aufgebot gehörten außerdem 144 Fahrzeuge, 39 Motorräder, 50 Flugzeuge, 32 Hubschrauber, 286 Pferde und fünf Hunde.
Zu den Neuerungen zählten die erstmals bei der Parade eingesetzten gepanzerten Kampffahrzeuge des Typs 8×8 Dragón. Bei der Flugschau ersetzten Eurofighter ältere C-101-Maschinen der Kunstflugstaffel Patrulla Águila. Die Flugzeuge zeichneten die Farben der spanischen Flagge an den Himmel.
Die spanische Flagge wurde von dem Fallschirmjäger José Antonio Lago Rubio entfaltet, der nach eigenen Angaben beziehungsweise den Angaben zur Veranstaltung bereits mehr als 12.500 Sprünge absolviert hat. Er hatte diese Aufgabe bereits 2011 übernommen. Während des Gedenkens an die Gefallenen flog zudem ein Flugzeug vom Typ Pilatus C-21 der Formation Mirlo.
Nationalfeiertag im Zeichen des Wahlkampfs
Der Nationalfeiertag fand in einer politisch angespannten Phase statt. Mit der vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November vor Augen nutzten mehrere Politiker den Tag, um ihre Positionen öffentlich zu unterstreichen. Die Buhrufe gegen Sánchez, Abascals Auftritt in Ceuta und die demonstrative Einladung von Vertretern aus Ceuta und Melilla verliehen der Veranstaltung eine zusätzliche politische Dimension.
Der Empfang im Königspalast sollte die Feierlichkeiten abrunden. Dort wurden mehr als 1.000 Gäste erwartet. Von den 22 Mitgliedern der Regierung nahmen 18 an der Parade teil. Unter den Abwesenden waren Verkehrsminister Óscar Puente, Gesundheitsministerin Mónica García, der Minister für soziale Rechte, Pablo Bustinduy, sowie die Ministerin für Kinder und Jugend, Sira Rego.
Die Parade fand erneut entlang des Paseo del Prado und des Paseo de Recoletos statt. Wegen Bauarbeiten im Bereich des Paseo de la Castellana war die traditionelle Streckenführung angepasst worden.
Der spanische Nationalfeiertag erinnerte damit nicht nur an die Streitkräfte und die staatliche Einheit, sondern spiegelte auch die aktuellen politischen Konflikte wider. Neben dem Auftritt der Königsfamilie und der militärischen Schau prägten vor allem die Reaktionen auf Sánchez und das Signal der Monarchie an Ceuta und Melilla die diesjährigen Feierlichkeiten.
