MADRID – Redaktion Spanien Press
Wenn Sie am vergangenen Wochenende auf der Strecke zwischen Madrid und Andalusien in einem Zug festsaßen, waren Sie nicht allein. Ein großflächiger Stromausfall legte den Hochgeschwindigkeitsverkehr lahm – und nun beschuldigt die spanische Regierung das private Bahnunternehmen Iryo, die Situation noch verschlimmert zu haben.
Auslöser war ein Kabeldiebstahl im Gebiet La Sagra (Provinz Toledo), der zu einem Spannungsverlust in der Oberleitung – dem Stromversorgungssystem für Züge – führte. Doch laut dem Verkehrsminister Óscar Puente war es ein Zug von Iryo, der durch ein sogenanntes „Enganchón“ (eine Art Kabelverhakung) den Schaden an der Leitung zusätzlich verschärfte.
„Das Problem war nicht nur der Diebstahl – ein Zug von Iryo beschädigte die Oberleitung erheblich“, erklärte der Minister.
Iryo, ein neuer privater Anbieter im Hochgeschwindigkeitsmarkt, weist diese Vorwürfe zurück. Das betroffene Fahrzeug sei aufgrund des Stromausfalls bereits stehen geblieben und habe die Leitung nicht beschädigt. Erst beim Versuch, weiterzufahren, habe man den technischen Defekt festgestellt.
🛤️ Was ist der Unterschied zwischen Iryo und Renfe?
Renfe ist das staatliche Bahnunternehmen Spaniens und betreibt seit Jahrzehnten Hochgeschwindigkeitszüge (AVE), Regionalzüge und S-Bahnen. Es deckt das ganze Land ab und bietet verschiedene Preisklassen.
Iryo ist ein privates Bahnunternehmen, das 2022 in den Markt eingetreten ist. Es konzentriert sich ausschließlich auf Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen großen Städten wie Madrid, Barcelona, Sevilla oder Valencia. Iryo gehört zu einem Konsortium aus Trenitalia, Air Nostrum und einem Investmentfonds. Die modernen Züge bieten WLAN, Komfortsitze und einen serviceorientierten Ansatz, ähnlich wie bei Business-Class-Flügen – oft zu sehr konkurrenzfähigen Preisen.
Dieser öffentliche Streit zwischen dem Ministerium und einem privaten Betreiber kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Der spanische Bahnmarkt ist seit Kurzem für den Wettbewerb geöffnet, und neue Anbieter wie Iryo versuchen, sich gegen den Platzhirsch Renfe zu behaupten.
Das Ministerium kündigte eine technische Untersuchung an, um den Vorfall aufzuklären und gegebenenfalls Verantwortlichkeiten festzulegen. Währenddessen fordern betroffene Fahrgäste Kompensation und klare Informationen.
