23. Februar 2026
Lesezeit 2 Minuten

Therian“-Treffen in Spanien sorgen für Unruhe in mehreren Städten

Was in sozialen Netzwerken wie ein großes Jugendphänomen wirkt, entpuppte sich am Wochenende in mehreren spanischen Städten als Mischung aus Internet-Hype, Schaulust und teils gefährlicher Dynamik. Geplante Treffen von sogenannten „Therians“ – jungen Menschen, die sich innerlich mit einem nicht-menschlichen Tier identifizieren – endeten vielerorts nicht als Community-Event, sondern als Massenauflauf von Neugierigen

Redaktion Spanien Press

Barcelona: Von der Erwartung zur Eskalation

Am Arc de Triomf versammelten sich am Samstag mehrere Tausend Menschen. Doch statt einer sichtbaren Therian-Community dominierte eine andere Szene: Jugendliche mit Smartphones, Schaulustige, einzelne Verkleidete – und schließlich Unruhe.

Die Situation kippte am Abend. Es kam zu Rangeleien, Sachbeschädigungen und Auseinandersetzungen. Die Polizei griff ein, mehrere Personen wurden festgenommen. Was als digitales Trendtreffen begann, entwickelte sich zu einem sicherheitsrelevanten Einsatz.

Madrid: Spektakel statt Subkultur

Auf der Puerta del Sol in Madrid bot sich ein fast surreal wirkendes Bild: Hunderte Umstehende bildeten einen Kreis um wenige maskierte Jugendliche, die sich auf allen Vieren bewegten – während nahezu alle Anwesenden filmten.

Beobachter beschrieben die Szene eher als viralen TikTok-Moment denn als echtes Community-Treffen. Viel Aufmerksamkeit, wenig Substanz.

Málaga, Zaragoza, Pamplona, A Coruña: Viel Publikum, wenige Beteiligte

In Málaga stand zeitweise eine einzelne maskierte Person im Mittelpunkt eines dichten Kreises aus Smartphone-Kameras. Ähnliche Situationen wurden aus Zaragoza, Pamplona und A Coruña gemeldet: großes Interesse, aber kaum tatsächliche Vertreter der Szene.

Bilbao und Córdoba: Absagen aus Angst

In Bilbao war das Treffen offiziell abgesagt worden – dennoch erschienen Neugierige. Zwei junge Frauen, die sich selbst als Therian identifizierten, erklärten gegenüber lokalen Medien, ihr Alltag sei völlig normal: Schule, Familie, Freunde. Die kursierenden Gerüchte – etwa absurde Behauptungen über tierisches Verhalten im Alltag – seien verletzend und falsch.

In Córdoba wurde ein geplantes Treffen aus Sicherheitsgründen gestrichen. In sozialen Netzwerken kursierten zuvor Drohungen und aggressive Kommentare.

Was steckt hinter dem Phänomen?

Der Begriff „Therian“ beschreibt eine Online-Subkultur, die ihren Ursprung in internationalen Internetforen hat. Viele Beteiligte sind Jugendliche, die ihre Identität erforschen und dabei eine symbolische oder emotionale Verbindung zu einem Tier empfinden.

Psychologen weisen darauf hin, dass nicht pauschal von einer psychischen Störung gesprochen werden kann. Vielmehr handelt es sich häufig um eine Form der Identitätssuche in einer digital geprägten Generation.

Zwischen digitalem Hype und gesellschaftlicher Reaktion

Die Ereignisse des Wochenendes zeigen vor allem eines:
Das Internet erzeugt Größenordnungen, die sich offline oft relativieren. Was online wie eine Massenbewegung erscheint, kann in der Realität aus wenigen Beteiligten und sehr viel Publikum bestehen.

Für Spanien stellt sich weniger die Frage nach der Subkultur selbst – sondern nach dem Umgang damit. Zwischen Neugier, Spott und Aggression verläuft eine feine Linie.

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