Tomares Special Ausgabe! Nina: Mein Leben zwischen Casetas, Copla und der Feria von Tomares

Nina: Mein Leben zwischen Casetas, Copla und der Feria von Tomares

 

Es gibt Ferias – und es gibt die Feria von Tomares. Letztere ist nicht nur ein Fest, sondern ein Statement. Während Sevilla selbst zur Feria de Abril im Ausnahmezustand schwebt, inszeniert Tomares sein eigenes kleines Universum: ein Ort, in dem alles ein bisschen feiner, eleganter und exklusiver wirkt.

Schon beim Betreten der 28 Casetas hat man das Gefühl, in eine Parallelwelt einzutreten – halb Bühne, halb Wohnzimmer. Manche sind so familiär, dass einem gleich ein Teller Tortilla in die Hand gedrückt wird, andere wirken wie kleine Privatclubs, in denen schon die Kinder mit mehr Stil tanzen als so mancher Erwachsener auf Hochzeiten.

 

Die Frauen – Königinnen im Volantmeer

 

Ich erinnere mich noch an letztes Jahr: Eine Señora in smaragdgrünem Kleid, mit zehn Lagen Volants, die den kompletten Eingang einer Caseta blockierte. Ihr Kommentar, als man sie bat, ein Stückchen zur Seite zu gehen: „Cariño, der Eingang ist nicht zu klein, die Welt ist einfach nicht groß genug für mein Kleid.“ Touché.

Und es stimmt: In Tomares tragen die Frauen ihre trajes de flamenca nicht – sie führen sie aus. Jede Drehung ein Drama, jeder Haarkamm eine Krönung. Manchmal habe ich den Verdacht, die Kleider hätten einen eigenen Instagram-Account.

Die Männer – lässige Hauptdarsteller

Auch die Herren sind nicht zu unterschätzen. Letztes Jahr stand ein Bankdirektor aus Sevilla stundenlang mit einem Glas Manzanilla am Tresen und erklärte jedem, der vorbeikam, dass sein Anzug aus reinem Leinen von Cádiz sei – als hätte das Material eine eigene Denomination de Origen. Seine Frau verdrehte nur die Augen und murmelte: „Das Einzige, was rein ist, ist sein Ego.“

Kulinarische Versuchungen

Die Feria ist ein Fest für die Sinne. Vom pescaíto frito, der knuspert wie Sommermusik, bis zum legendären Concurso de Arroces – der übrigens im letzten Jahr einen kleinen Skandal bot: Zwei Köche stritten sich so leidenschaftlich um die richtige Reissorte, dass am Ende die Jury eingreifen musste. Das Publikum applaudierte wie beim Finale eines Boxkampfs.

Natürlich darf die Manzanilla nicht fehlen. Letztes Jahr stolperte ein Madrilene an meinen Tisch, nahm einen Schluck und rief: „¡Dios mío, das schmeckt ja wie ein Nachmittag in Cádiz!“ – und bestellte sofort die nächste Runde.

 

Musik, Magie & kleine Dramen

 

Die Nächte gehören den Orquestas. Ein Höhepunkt war im letzten Jahr Orquesta Sugar, die nach Mitternacht mit so viel Energie spielten, dass selbst die Sicherheitskräfte kurz mitschunkelten.

Mein persönliches Highlight: Eine ältere Dame, die nach drei Coplas plötzlich mitten auf der Tanzfläche verkündete: „Mit 80 tanzt man nicht mehr für Männer, sondern nur noch für sich selbst!“ – und sich dann im Kreis drehte, als hätte sie die Feria erfunden.

Tomares – Luxus im Fiestaformat

Tomares ist nicht irgendein Ort. Hier wohnen Unternehmer, Fußballer, Künstler – Menschen, die bewusst die Nähe zu Sevilla suchen, aber das Private schätzen. Die Straßen sind gesäumt von eleganten Villen, und die Feria wird zu ihrem Schaufenster. Wer dazugehört, zeigt sich hier – ob mit dem perfekten Kleid, der besten Caseta oder einfach mit einem Lächeln, das heller strahlt als jede Lichterkette.

 

Fazit

Die Feria von Tomares ist kein Fest, das man besucht – sie ist ein Erlebnis, das man lebt. Mein Leben zwischen Casetas, Copla und

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