Die spanische Politik wird erneut von einem internen Streit erschüttert: Diesmal geht es um durchgesickerte WhatsApp-Nachrichten zwischen dem spanischen Premierminister Pedro Sánchez und seinem ehemaligen Verkehrsminister José Luis Ábalos. Die Nachrichten, die von der Zeitung El Mundo veröffentlicht wurden, stammen aus den Jahren 2020 bis 2023 und zeigen eine deutlich engere und kontinuierlichere Beziehung zwischen den beiden Politikern, als bisher öffentlich bekannt war – selbst nach Ábalos’ Entlassung aus dem Kabinett im Jahr 2021.
Die Chats belegen, dass Sánchez Ábalos als eine Art internen „Feuerlöscher“ innerhalb der PSOE einsetzte. In einer der Nachrichten bedankt sich der Premierminister für Ábalos’ Vermittlungsrolle bei parteiinternen Konflikten und schreibt: „Ich bekunde dir meine Solidarität angesichts der haltlosen Anschuldigungen, die ich in den Medien sehe“ – ein direkter Verweis auf die ersten Enthüllungen im sogenannten Fall Koldo. Dabei geht es um mutmaßlich unregelmäßige Verträge während der Pandemie, in die Koldo García, ein ehemaliger Berater von Ábalos, verwickelt sein soll.
Besonders Aufmerksamkeit erregte der Ton, den Sánchez gegenüber führenden Regionalpolitikern seiner Partei anschlägt. So bezeichnet er einige als „Heuchler“ und „Knaller“. Auch Emiliano García-Page, der Präsident von Kastilien-La Mancha und einer der offensten Kritiker der Parteilinie, wird direkt genannt.
Die konservative Volkspartei (PP) hat die Veröffentlichung genutzt, um den Druck auf Sánchez zu erhöhen. Laut Parteisprecherin Cuca Gamarra zeigen die Nachrichten, dass Sánchez „alles wusste und es vertuscht hat“. Die PP fordert Neuwahlen.
Die Reaktion der PSOE fällt hingegen zurückhaltend aus. Man wolle keine rechtlichen Schritte gegen die Veröffentlichung der Nachrichten einleiten und spricht von einem politisch motivierten Angriff. Dennoch hat der Ton der Nachrichten auch innerhalb der Partei für Unruhe gesorgt, wenn auch vorerst ohne öffentliche Kritik.
Seit Tagen dominieren die Enthüllungen die spanischen Schlagzeilen. Die Affäre wirft nicht nur Fragen zur Kommunikation und internen Kultur innerhalb der PSOE auf, sondern verschärft auch den Eindruck eines Regierungschefs, der zunehmend unter Druck steht.
