Die Behörden warnen: Cyberbetrug im Zusammenhang mit Ferienwohnungen ist um 40 % gestiegen und betrifft jedes Jahr Tausende Menschen. Wie können sich Ausländer in Spanien schützen?
Redaktion Spanien Press
Eine sonnige Wohnung in Strandnähe, attraktive Fotos, ein Preis, der zu gut ist, um wahr zu sein. Die Anzeige wirkt vertrauenswürdig. Der Vermieter drängt auf eine schnelle Entscheidung. Eine Anzahlung wird geleistet, der Personalausweis geschickt … Doch bei Ankunft die Enttäuschung: Die Wohnung existiert gar nicht.
Diese Situation kommt in Spanien immer häufiger vor, besonders im Sommer. Die spanische Polizei warnt vor einem Anstieg von Cyber-Betrügereien bei Ferienwohnungen, die oft auf Ausländer abzielen, die neu im Land sind oder das Mietsystem nicht gut kennen.
Betrug nimmt zu: immer ausgeklügelter und organisiert
Laut der Nationalpolizei hängt jeder dritte digitale Betrug im Sommer mit gefälschten Wohnungsanzeigen zusammen. Die Cyberkriminellen agieren nicht mehr allein, sondern als organisierte Netzwerke, die Webseiten klonen, echte Fotos kopieren und sogar Identitäten legitimer Vermieter missbrauchen.
Man schätzt, dass die tatsächliche Zahl der Betrugsfälle noch viel höher ist, aber viele Betroffene anzeigen den Betrug nicht aus Scham, Angst vor rechtlichen Problemen oder weil sie als Ausländer die Sprache nicht gut sprechen und keine Schwierigkeiten wollen.
„Die Betrügerei mit der Wohnung ist oft nur der Anfang. Danach nutzen sie deine Daten für weitere Straftaten, wie die Eröffnung von Konten oder die Beantragung von Krediten in deinem Namen“, heißt es von der Online-Handelsbetrugsgruppe.
Wer fällt darauf rein? Alle
Es gibt kein klares Opferprofil. Junge, ältere Menschen, Spanier und Ausländer – alle können betroffen sein, auch digitale Profis. Gemeinsamer Nenner ist Vertrauen und mangelnde Überprüfung. Viele Expats kennen zum Beispiel die offiziellen Plattformen oder die rechtlichen Anforderungen für Ferienwohnungen in Spanien nicht.
Seit 2016 sind digitale Straftaten um 508 % gestiegen, und 90 % davon sind Betrugsfälle. Der Sommer ist wegen der hohen Nachfrage nach temporären Unterkünften die bevorzugte Zeit der Täter.
So schützt man sich: praktische Tipps
Die Nationalpolizei und Verbraucherverbände empfehlen einfache Maßnahmen, um nicht Opfer zu werden:
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Keine Vorauszahlung außerhalb offizieller Plattformen wie Airbnb, Booking oder Vrbo leisten.
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Keine Fotos des Reisepasses oder Personalausweises per WhatsApp oder E-Mail schicken.
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Prüfen, ob die Unterkunft eine gültige Touristenregistrierungsnummer hat (in vielen Regionen Pflicht).
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Umgekehrte Bildersuche bei Google nutzen, um zu prüfen, ob Fotos kopiert wurden.
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Standort in Google Maps oder Street View kontrollieren.
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Um ein aktuelles Video oder einen Videoanruf bitten, um die Existenz der Wohnung zu bestätigen.
„Auch wenn eine Webseite ein grünes Schloss hat oder professionell aussieht, garantiert das nicht ihre Echtheit“, wird betont.
Anzeigen hilft, den Betrug zu stoppen
Viele Ausländer zeigen aus Sprachbarrieren, Angst oder Scham keine Anzeige. Doch Anzeigen sind entscheidend, damit die Polizei Betrüger identifizieren kann. Oft ist es sogar möglich, Geld zurückzuerhalten, wenn schnell gehandelt wird.
In den letzten Monaten hat die Polizei Netzwerke in Madrid, Valencia und Valladolid zerschlagen, in denen Betrüger mit falschen Bizum-Konten zwischen 200 und 500 Euro pro Opfer erbeuteten.
Spanien verstärkt die Prävention
Angesichts der steigenden Fälle arbeitet die Polizei mit Online-Plattformen, Verbraucherorganisationen und Institutionen wie Confianza Online zusammen, um Aufklärungskampagnen zu starten. Auch mit Konsulaten und Expats-Communities wird kooperiert, damit die Warnungen besonders bei ausländischen Bewohnern ankommen.
„Misstrauen, überprüfen, nachfragen – das ist der Schlüssel. Wenn etwas zu perfekt wirkt, ist es das wahrscheinlich nicht“, heißt es abschließend.
