5 de August de 2025
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Warum lernen so viele Europäer an Spaniens Küsten günstig Autofahren – und was bedeutet das für Spanien?

Credit Jan Baborak (Unsplash)

Während halb Europa über hohe Kosten klagt, lernen immer mehr junge Europäer an verschiedenen spanischen Küstenorten Autofahren – zwischen Strandtagen und Theorieunterricht auf Englisch


von Elsa Ibanez

Heute Morgen begleitete ich meinen Sohn zur Fahrschule – und war ehrlich überrascht. Der Theorieraum war voll, aber nicht nur mit spanischen Jugendlichen, sondern mit jungen Ausländern aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich und anderen Ländern. Sie nahmen an einem intensiven Vorbereitungskurs auf Englisch teil. Diese Kurse gibt es nicht nur in Marbella, sondern offenbar entlang der gesamten Küste.

Im Gespräch mit dem Personal erfuhr ich, dass hier auch Praxisstunden für nur 45 Euro die Stunde angeboten werden. Ein Preis, der aus spanischer Sicht normal erscheint, im Vergleich mit dem europäischen Norden jedoch fast schon unglaublich wirkt: In der Schweiz oder Deutschland kostet eine Fahrstunde oft zwischen 80 und 100 Euro. Die Vorbereitung auf die theoretische Prüfung kostet etwa 300 Euro – deutlich günstiger als in vielen anderen europäischen Ländern. Kein Wunder also, dass viele ihre Zeit in Marbella, Torremolinos, Alicante oder anderen Küstenorten nutzen, um das Fahren zu lernen – neben Sonne, Tapas und Strand.

Nicht alle legen ihre Fahrprüfung hier ab. Viele nutzen ihren Aufenthalt einfach, um sich theoretisch und praktisch gut vorzubereiten: Sie gewinnen Sicherheit, sparen Geld und kehren mit einem großen Lernvorsprung nach Hause zurück. Der Trend wächst – und manche sprechen bereits von „Bildungstourismus“ oder „funktionalem Urlaub“. Warum nicht?

Doch jenseits der Anekdote wirft dieser Trend auch Fragen auf. Doch was passiert, wenn immer mehr Menschen, die nicht in Spanien leben, hierher kommen, um den Führerschein zu machen? Wird dieser Boom auch für Einheimische Folgen haben? Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Dienstleistung durch ausländische Nachfrage plötzlich teurer wird. Was heute ein Wettbewerbsvorteil ist, könnte morgen zu einem überhitzten Markt führen – auf Kosten derer, die hier leben.

Einerseits ist es schön zu sehen, dass Spanien Effizienz, Menschlichkeit und faire Preise „exportiert“. Unser Land ist längst mehr als Sonne und Meer – es ist auch ein Ort zum Lernen und Wachsen. Andererseits sollten wir wachsam bleiben. Wenn Lernen zur Ware wird, darf die soziale Gerechtigkeit nicht auf der Strecke bleiben.

Denn bevor der Tourist kommt, ist immer noch der Nachbar da.


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