Das indonesische Paradies konkurriert preislich mit den touristischen Juwelen Spaniens – und gewinnt überraschend oft
Redaktion Spanien Press
Der bröckelnde Mythos
Jahrzehntelang galt in Spanien ein unumstößlicher Trost: Trotz Politik, Arbeitslosigkeit oder Inflation – „wie in Spanien lebt es sich nirgends“. Doch der Sommer 2025 stellt diese Gewissheit in Frage. Heute stellen viele fest: Eine Woche auf Bali kann günstiger sein als Ferien in Ibiza, Mallorca oder Marbella – Ikonen des spanischen Tourismus.
Flüge: die erste Überraschung
Natürlich: Der Flug nach Indonesien ist teuer. Ein Hin- und Rückflug Madrid–Denpasar kostet im August zwischen 850 und 1.200 Euro, meist mit Zwischenstopp in Doha, Istanbul oder Dubai.
Dagegen liegt ein Ticket Madrid–Ibiza oder Madrid–Palma bei 150 bis 400 Euro, und nach Málaga (für Marbella) kommt man schon für 60 bis 120 Euro mit Flug oder AVE.
Doch der Schein trügt: Was man beim Ticketpreis spart, gibt man vor Ort doppelt und dreifach aus.
Übernachten: Villa gegen überfülltes Hotel
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Ibiza & Mallorca: Ein Drei-Sterne-Hotel im August kostet 300–450 € pro Nacht. Eine Woche für zwei Personen summiert sich schnell auf über 2.500 € – für Standardunterkünfte.
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Marbella: Vier-Sterne-Hotels verlangen in der Hochsaison 250–400 € pro Nacht.
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Bali: Eine private Villa mit Pool in Ubud oder Canggu gibt es schon für 70–120 € pro Nacht, inklusive Frühstück und täglichem Service. Selbst mit teurem Flug bleibt die Gesamtrechnung oft niedriger als auf Ibiza oder an der Costa del Sol.
Essen & Trinken: der Preisabgrund
In Puerto Banús kostet ein Gin Tonic 12–18 €, auf Ibiza in den Beachclubs von Formentera oder Cala Saladeta 15–20 €.
Auf Bali hingegen gibt es einen Es Kuwut – ein erfrischendes Getränk aus Kokoswasser, Melone und Limette – für 1–2 € am Strand.
Ein Abendessen für zwei in einem lokalen Restaurant kostet 18–24 €, während man auf den Balearen oder an der Costa del Sol dafür kaum ein einzelnes Fischgericht bekommt.
Die Urlaubswoche im Kassensturz
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Ibiza/Mallorca: 1.000 € Flüge & Extras für zwei + 2.500 € Hotel + 1.200 € Verpflegung ≈ 4.700 €.
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Marbella: 200 € Anreise + 2.100 € Hotel + 1.200 € Verpflegung ≈ 3.500 €.
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Bali: 2.000 € Flüge für zwei + 800 € Villa + 500 € Verpflegung ≈ 3.300 €.
Das Ergebnis überrascht: Bali kann günstiger sein als Marbella – und bis zu 1.500 € preiswerter als Ibiza oder Mallorca im Hochsommer.
Der unbequeme Spiegel
Und hier liegt die eigentliche Pointe: Wir sprechen nicht von einem abgelegenen Dorf in Südostasien, sondern von Bali, dem bekanntesten und teuersten Reiseziel Indonesiens, einem Hotspot für internationale Touristen. Trotz seiner Beliebtheit ist Bali noch immer günstiger als Spaniens eigene Luxusdestinationen.
Wer dann noch andere Regionen Südostasiens, Lateinamerikas oder selbst weniger bekannte Inseln Indonesiens betrachtet, erkennt: die Preisschere klafft noch viel weiter auseinander. Orte wie Vietnam, die Philippinen oder Kolumbien bieten ähnliche Traumkulissen für einen Bruchteil dessen, was eine Woche im Mittelmeer kostet.
Spanien bleibt einzigartig – mit mediterranen Buchten, Tapas und Flamenco. Doch 2025 hat sich der Leitspruch verschoben. Es heißt nicht mehr nur „wie in Spanien lebt es sich nirgends“. Viele fügen nun leise hinzu: „…aber fast überall sonst zahlt man viel weniger“.
