Nach der großen Sommerhitze zeigt sich Spanien zum Ende des Augusts plötzlich von einer ganz anderen Seite. Mehrere atlantische Fronten bringen Gewitter, Starkregen und kräftige Windböen. In einigen Regionen droht großer Hagel, auf Menorca wird sogar vor sogenannten „Rissagas“ gewarnt. Gleichzeitig sinken die Temperaturen deutlich. Doch die Wetterberuhigung am Dienstag dürfte nur von kurzer Dauer sein.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Der Sommer gibt in Spanien noch einmal alles – allerdings nicht mehr mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von weit über 35 Grad. Stattdessen sorgt ein markanter Wetterumschwung zum Beginn der letzten Augustwoche für Unruhe. Nach mehreren heißen Tagen erreichen nun atlantische Fronten die Iberische Halbinsel und bringen eine deutlich instabilere Wetterlage mit sich.
Besonders betroffen sind der Norden und Nordosten des Landes. Dort können kräftige Schauer und Gewitter auftreten, begleitet von starken Windböen und teilweise großem Hagel. Nach Angaben der spanischen Wetterbehörde AEMET gelten aktuell in mehreren autonomen Gemeinschaften Wetterwarnungen.
Acht Regionen unter Wetterwarnung
Die aktuelle Wetterlage betrifft zahlreiche Teile Spaniens. AEMET hat Warnungen wegen Regen und Gewittern für Aragón, Cantabria, Castilla y León, Castilla-La Mancha, Katalonien, Extremadura, Galicien und Navarra aktiviert.
Besonders aufmerksam sollte man derzeit in Aragón und Katalonien sein. Für diese beiden Regionen gilt die höhere orange Warnstufe. In den übrigen genannten Gebieten ist die Warnstufe gelb.
Damit ist die Wetterlage zwar nicht im gesamten Land außergewöhnlich, sie kann regional jedoch erhebliche Auswirkungen haben. Vor allem bei Gewittern können sich die Bedingungen innerhalb kurzer Zeit verändern.
Besonders gefährlich: großer Hagel und schwere Gewitter
In mehreren Provinzen besteht ein erhöhtes Risiko für kräftige Gewitter. Genannt werden unter anderem Tarragona, Girona, Barcelona, Zaragoza, Teruel, Ourense, Lleida und Huesca.
Dort können die Gewitter nicht nur viel Regen bringen. Auch sehr große Hagelkörner sind möglich. Nach den vorliegenden Prognosen kann der Hagel örtlich einen Durchmesser von mehr als fünf Zentimetern erreichen. Dazu kommen teilweise sehr starke Windböen.
Für Autofahrer bedeutet das eine zusätzliche Gefahr: Bei starkem Hagel können Fahrzeuge beschädigt werden, während kräftige Böen Äste, Gegenstände oder andere lose Teile auf Straßen und Gehwege wehen können.
Auch die AEMET führt für verschiedene Gebiete aktuell Gewitter- und Niederschlagswarnungen. Die genaue Gefahrenlage unterscheidet sich dabei je nach Provinz und Zeitraum.
Die Temperaturen fallen – aber nicht überall
Der Wetterwechsel macht sich auch bei den Temperaturen bemerkbar. In weiten Teilen Spaniens gehen die Höchstwerte zurück. Besonders deutlich ist die Abkühlung im Norden, im Landesinneren und in Teilen des Südostens.
Von einem Ende des Sommers kann allerdings keine Rede sein. Entlang der Mittelmeerküste und auf den Balearen bleiben die Temperaturen vielerorts hoch. In Regionen wie Murcia, Granada oder Alicante können weiterhin Werte von mehr als 33 Grad erreicht werden.
Im Zentrum der Halbinsel bewegen sich die Höchsttemperaturen dagegen teilweise nur noch um die 30-Grad-Marke. Der Kontrast ist typisch für Spanien: Während in einer Region kräftige Gewitter niedergehen, kann wenige hundert Kilometer entfernt weiterhin Hochsommer herrschen.
Auf Menorca sorgt ein ungewöhnliches Phänomen für Aufsehen
Eine besondere Situation gibt es auf Menorca. Dort gilt eine orange Warnung wegen sogenannter Rissagas. Dabei handelt es sich um außergewöhnlich starke und schnelle Schwankungen des Meeresspiegels in Küstenbereichen und insbesondere in Häfen. Für Menorca wird eine Schwankung von rund 1,2 Metern erwartet.
Das Phänomen ist nicht mit einer normalen Gezeitenbewegung zu vergleichen. Der Wasserspiegel kann sich innerhalb relativ kurzer Zeit deutlich verändern. Gerade in Häfen, Buchten und unmittelbar an der Küste kann dies problematisch werden.
Für Urlauber bedeutet das: Bei einer entsprechenden Warnung sollte man sich von Hafenanlagen und besonders tief gelegenen Küstenbereichen fernhalten und die örtlichen Hinweise beachten.
Dienstag bringt eine kurze Wetterberuhigung
Wer nun glaubt, dass Spanien mehrere Tage lang von Unwettern heimgesucht wird, kann zunächst aufatmen. Am Dienstag soll die allgemeine Instabilität vorübergehend nachlassen. Die Niederschläge werden schwächer und treten weniger verbreitet auf.
Eine Ausnahme bildet Galicien. Dort bleiben Schauer und Gewitter möglich, teilweise auch kräftig. Auch im Nordwesten, am Kantabrischen Meer und westlich des Sistema Central können sich Wolken, Schauer und örtlich Nebel halten.
Die Wetterlage beruhigt sich also – allerdings nur vorübergehend.
Am Mittwoch kommt die nächste Front
Bereits am Mittwoch zeichnet sich die nächste Veränderung ab. Eine neue atlantische Front nähert sich von Westen und bringt erneut feuchtere und instabilere Luft nach Spanien. Besonders Galicien und weitere Gebiete im Nordwesten dürften davon betroffen sein.
Im Mittelmeerraum bleibt die Lage dagegen zunächst vergleichsweise stabil. Dort sorgt der Einfluss höheren Luftdrucks für überwiegend ruhigeres Wetter. Einzelne schwache Schauer an den Mittelmeerküsten können jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Donnerstag und Freitag: Regen breitet sich erneut aus
Zum Ende der Woche könnte sich die Wetterlage wieder deutlich verschärfen. Für Donnerstag und Freitag werden erneut Niederschläge im Norden Spaniens erwartet. Die Instabilität könnte sich anschließend auch auf den Südwesten sowie Teile der nordöstlichen Küste und die Balearen ausweiten.
Das Entscheidende ist dabei nicht unbedingt ein einzelner Starkregen, sondern die mögliche Dauer der Wetterlage. Wenn es über mehrere Tage hinweg immer wieder regnet, können sich die Niederschlagsmengen deutlich summieren.
In Galicien könnten mehr als 100 Liter Regen fallen
Besonders Galicien rückt deshalb in den Mittelpunkt der Wetterprognosen. Nach den derzeitigen Vorhersagen können bis zum Ende der Woche in einzelnen Regionen mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter zusammenkommen. Für Teile der westlichen Provinzen A Coruña und Pontevedra wurden sogar Mengen um oder über 150 Liter pro Quadratmeter in den Prognosen genannt.
Dabei handelt es sich um aufsummierte Niederschlagsmengen über mehrere Tage und nicht darum, dass diese Wassermenge innerhalb weniger Stunden fällt. Trotzdem können derartige Regenmengen – insbesondere bei kräftigen Gewittern – lokal zu erheblichen Problemen führen.
Was steckt hinter dem Wetterwechsel?
Der Grund für den Umschwung liegt vor allem in der veränderten Großwetterlage. Mehrere atlantische Fronten erreichen die Iberische Halbinsel. Gleichzeitig befindet sich westlich von Portugal ein Tiefdruckgebiet, das sich der Halbinsel nähert. Hinzu kommt ein sogenannter Höhentrog, also ein Bereich kälterer und instabilerer Luft in höheren Schichten der Atmosphäre.
Treffen solche Bedingungen auf feuchte Luft, kann die Atmosphäre deutlich instabiler werden. Die Folge sind Schauer und Gewitter, die örtlich sehr kräftig ausfallen können. Genau diese Kombination sorgt derzeit dafür, dass Spanien innerhalb weniger Tage vom klassischen Hochsommer in eine deutlich wechselhaftere Wetterphase gerät.
Für Urlauber heißt es: Wetterbericht genauer beobachten
Für Millionen Menschen, die Ende August noch in Spanien unterwegs sind, kommt der Wetterumschwung überraschend. Wer an der Mittelmeerküste Urlaub macht, muss dabei nicht automatisch mit tagelangem Regen rechnen. Die aktuelle Wetterlage ist regional sehr unterschiedlich. Besonders aufmerksam sollten Urlauber jedoch sein, wenn sie sich in Gebieten mit Gewitterwarnung aufhalten.
Bei starkem Gewitter sollten Wanderungen in Schluchten, Barrancos oder trockenen Flussbetten vermieden werden. Autofahrer sollten überflutete Straßen niemals einfach durchfahren. Bei angekündigtem großem Hagel ist es außerdem sinnvoll, Fahrzeuge möglichst geschützt abzustellen. An den Küsten und insbesondere auf Menorca gelten bei entsprechenden Warnungen zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen.
Der Sommer ist noch nicht vorbei
Trotz des deutlichen Wetterwechsels wäre es falsch, nun vom Ende des Sommers in Spanien zu sprechen. Das Land bleibt meteorologisch zweigeteilt. Während Atlantikfronten im Norden und Westen für Regen und Gewitter sorgen, bleiben Teile des Mittelmeerraums weiterhin warm und vergleichsweise stabil. Gerade diese Gegensätze werden die Wetterlage in den kommenden Tagen prägen.
Fest steht jedoch: Die letzte Augustwoche beginnt in Spanien deutlich unruhiger, als es nach den vergangenen Hitzetagen zu erwarten gewesen wäre. Gewitter, Starkregen, großer Hagel und kräftiger Wind sorgen regional für erhöhte Aufmerksamkeit. Und die kurze Wetterberuhigung am Dienstag dürfte nach aktueller Prognose nicht von langer Dauer sein.
Die spanische Wetterbehörde AEMET aktualisiert ihre Warnungen fortlaufend. Wer in den kommenden Tagen in Spanien unterwegs ist, sollte deshalb nicht nur auf die allgemeine Wettervorhersage für das Land schauen, sondern die Warnlage für die jeweilige Provinz oder Gemeinde prüfen.
