24. August 2026
Lesezeit 5 Minuten

WG-Zimmer in Spanien werden immer teurer: In Barcelona kostet ein Zimmer 600 Euro

Barcelona gehört zu den teuersten Städten Spaniens für WG-Zimmer: Rund 600 Euro kostet ein Zimmer hier inzwischen durchschnittlich pro Monat (Credit: Erwan Hesry/Unsplash)

Der Markt für WG-Zimmer in Spanien wächst weiter. Im zweiten Quartal 2026 stieg das Angebot landesweit um zwölf Prozent. Gleichzeitig nimmt auch die Nachfrage zu. Besonders teuer ist ein Zimmer in Barcelona, während Jaén und Badajoz mit durchschnittlich 250 Euro am anderen Ende der Preisskala liegen. Für viele Mieter wird die Wohngemeinschaft damit zur Alternative zur kaum noch bezahlbaren eigenen Wohnung.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Die Wohnungsprobleme in Spanien zeigen sich inzwischen immer deutlicher auch auf dem Markt für WG-Zimmer. Während immer mehr Menschen auf ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft ausweichen, steigen in vielen Städten die Preise weiter. Nach aktuellen Daten des Immobilienportals Idealista ist das Angebot an Zimmern in Wohngemeinschaften im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent gewachsen. Gleichzeitig stieg auch das Interesse an dieser Wohnform um zwölf Prozent.

Damit stehen sich zwei Entwicklungen gegenüber: Es gibt zwar mehr Zimmer auf dem Markt, doch gleichzeitig suchen immer mehr Menschen nach einer bezahlbaren Unterkunft.

425 Euro kostet ein WG-Zimmer im Durchschnitt

Im spanischen Landesdurchschnitt müssen Mieter inzwischen rund 425 Euro pro Monat für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft bezahlen. Damit ist der Preis innerhalb eines Jahres um etwa ein Prozent gestiegen.

Auf den ersten Blick erscheint ein WG-Zimmer noch deutlich günstiger als eine komplette Wohnung. Für viele Menschen ist das Teilen einer Wohnung deshalb inzwischen keine reine Lifestyle-Entscheidung mehr, sondern eine finanzielle Notwendigkeit.

Besonders Studenten, junge Berufstätige und Menschen, die wegen Ausbildung oder Arbeit in eine andere Stadt ziehen, sind auf diese Wohnform angewiesen. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die einzelnen Städte, wie groß die Unterschiede innerhalb Spaniens inzwischen sind.

Barcelona ist mit Abstand am teuersten

An der Spitze steht Barcelona. Dort kostet ein WG-Zimmer durchschnittlich 600 Euro im Monat. Damit liegt die katalanische Hauptstadt deutlich über dem spanischen Durchschnitt. Im Vergleich zu den günstigsten Städten Spaniens müssen Mieter dort rund 350 Euro mehr pro Monat bezahlen.

Auch andere beliebte Städte sind inzwischen teuer. In Palma und Madrid liegt der Durchschnitt bei jeweils etwa 550 Euro. In San Sebastián werden rund 500 Euro fällig, während Bilbao und Málaga bei etwa 450 Euro liegen.

Weitere Städte mit vergleichsweise hohen Preisen sind Pamplona mit rund 440 Euro sowie Santa Cruz de Tenerife mit 430 Euro. In Vitoria werden durchschnittlich 420 Euro verlangt, während Ceuta bei 415 Euro liegt. Las Palmas de Gran Canaria und Girona kommen auf jeweils rund 407 Euro.

Für Menschen mit einem normalen Einkommen bedeutet das: Auch ein einzelnes Zimmer kann in den großen und besonders beliebten Städten inzwischen einen erheblichen Teil des monatlichen Budgets verschlingen.

Jaén und Badajoz sind deutlich günstiger

Ganz anders sieht die Situation in einigen kleineren Städten aus. Jaén und Badajoz gehören mit durchschnittlich 250 Euro pro Monat zu den günstigsten Städten Spaniens. Danach folgen Cáceres mit etwa 260 Euro und Ciudad Real mit rund 270 Euro.

Der Unterschied zu Barcelona ist enorm. Zwischen den durchschnittlichen 250 Euro in Jaén und den 600 Euro in Barcelona liegen 350 Euro pro Monat. Auf ein Jahr gerechnet entspricht das einem Unterschied von rund 4.200 Euro – und zwar allein bei den Kosten für ein Zimmer.

Auch aktuelle Inserate zeigen, dass in Jaén Zimmer teilweise noch günstiger angeboten werden. Auf Idealista finden sich derzeit beispielsweise Angebote ab etwa 175 bis 200 Euro monatlich, wobei Ausstattung, Lage, Mietdauer und Bedingungen jeweils unterschiedlich sind.

Angebot wächst – doch die Konkurrenz bleibt hoch

Mehr Zimmer bedeuten allerdings nicht automatisch, dass Wohnungssuchende leichter eine Unterkunft finden. Denn auch die Nachfrage steigt. Im zweiten Quartal 2026 nahm die Zahl der Interessenten pro angebotenem Zimmer landesweit ebenfalls um zwölf Prozent zu. In einigen Städten ist der Wettbewerb sogar deutlich stärker geworden.

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Ceuta. Dort stieg die Zahl der Interessenten pro Zimmer innerhalb eines Jahres um ganze 123 Prozent. In Girona nahm die Konkurrenz um 102 Prozent zu. Dahinter folgen Zaragoza mit 96 Prozent, Soria mit 89 Prozent und Huelva mit 80 Prozent.

Auch Barcelona verzeichnete einen deutlichen Anstieg der Konkurrenz: Dort stieg die Zahl der Interessenten pro Zimmer um 22 Prozent.

Die Hälfte des Angebots konzentriert sich auf vier Städte

Ein weiteres Problem ist die starke regionale Konzentration des Marktes. Rund die Hälfte aller angebotenen WG-Zimmer in Spanien befindet sich in lediglich vier Städten beziehungsweise Märkten: Madrid, Valencia, Barcelona und Sevilla. Madrid kommt auf 23 Prozent des gesamten Angebots, Valencia auf 15 Prozent, Barcelona auf elf Prozent und Sevilla auf drei Prozent.

Dort, wo besonders viele Menschen studieren, arbeiten oder auf bessere berufliche Möglichkeiten hoffen, ist also auch das Angebot an WG-Zimmern besonders groß. Gleichzeitig ist die Nachfrage enorm. Das erklärt teilweise, warum die Preise trotz des wachsenden Angebots weiter hoch bleiben.

Warum werden Wohnungen zunehmend in einzelne Zimmer aufgeteilt?

Hinter der Entwicklung steckt nicht nur die Wohnungsnot der Mieter. Auch für Eigentümer kann die Vermietung einzelner Zimmer finanziell attraktiv sein. Statt eine komplette Wohnung an einen einzigen Mieter zu vermieten, kann eine Immobilie in mehrere Zimmer aufgeteilt werden. Jedes Zimmer wird anschließend separat vermietet. Dadurch können die Gesamteinnahmen unter Umständen höher ausfallen.

Nach Angaben von Fotocasa liegt die durchschnittliche Rendite bei der Vermietung einzelner Zimmer bei etwa 7,6 Prozent, während eine klassische Wohnungsvermietung auf rund 5,9 Prozent kommt. Der Trend ist deshalb auch aus Sicht der Eigentümer interessant.

Regierung will Zimmervermietung stärker regulieren

Der zunehmende Trend zur Zimmervermietung sorgt inzwischen auch politisch für Diskussionen. Ein wesentlicher Streitpunkt ist die Frage, ob Wohnungen durch die Aufteilung in mehrere Zimmer den Regeln für reguläre Mietwohnungen entzogen werden können. Kritiker befürchten, dass Vermieter dadurch bestehende Mietpreisbegrenzungen umgehen könnten.

Die spanische Regierung arbeitet deshalb an einer stärkeren Regulierung der Zimmervermietung. Ziel ist unter anderem, eine Umgehung von Mietpreisregeln durch die Aufteilung von Wohnungen in zahlreiche einzelne Zimmer zu verhindern. Damit könnte die bisherige Praxis künftig stärker an die Regeln für klassische Mietwohnungen angepasst werden.

Besonders für Studenten wird die Wohnungssuche zum Problem

Der Zeitpunkt der aktuellen Entwicklung ist ebenfalls relevant. Mit dem bevorstehenden Beginn des neuen Studienjahres steigt traditionell die Nachfrage nach Zimmern in Universitätsstädten. Gerade Studenten stehen dabei vor einer schwierigen Situation: Eine eigene Wohnung ist in vielen Städten kaum bezahlbar, gleichzeitig werden auch WG-Zimmer zunehmend teuer.

In Barcelona beispielsweise können 600 Euro für ein einzelnes Zimmer bereits einen erheblichen monatlichen Kostenfaktor darstellen. Wer zusätzlich Lebensmittel, Transport, Studienkosten und weitere Ausgaben bezahlen muss, kommt schnell an die Grenzen des eigenen Budgets.

In Städten wie Jaén sieht die Situation dagegen deutlich entspannter aus.

Spanien erlebt einen immer größeren Preisunterschied

Die aktuellen Zahlen zeigen damit ein deutliches Gefälle auf dem spanischen Wohnungsmarkt. 600 Euro in Barcelona stehen durchschnittlich 250 Euro in Jaén oder Badajoz gegenüber. Damit kostet ein WG-Zimmer in Barcelona im Durchschnitt mehr als doppelt so viel wie in den günstigsten Städten des Landes.

Für Wohnungssuchende kann die Wahl des Wohnortes deshalb einen enormen Unterschied machen. Wer nicht an eine bestimmte Großstadt gebunden ist, kann durch einen Umzug in eine günstigere Region mehrere tausend Euro im Jahr sparen.

Allerdings sind auch die günstigeren Städte nicht vollständig vom Preisdruck verschont. Das Interesse an WG-Zimmern nimmt landesweit zu und in einigen Städten wird die Konkurrenz um die verfügbaren Zimmer immer größer.

Die Wohnungsnot erreicht die nächste Stufe

Die Entwicklung auf dem WG-Markt zeigt letztlich, wie stark sich die spanische Wohnungsfrage verändert hat. Was früher für viele Menschen eine Übergangslösung war, wird zunehmend zu einer dauerhaften Alternative zur eigenen Wohnung.

Das Angebot wächst zwar, doch die Nachfrage wächst ebenfalls. Gleichzeitig erkennen immer mehr Eigentümer die wirtschaftlichen Vorteile der Zimmervermietung. Für Mieter bedeutet das eine paradoxe Situation: Es gibt mehr WG-Zimmer als vor einem Jahr – aber die Wohnungssuche wird dadurch nicht automatisch einfacher.

Besonders in Barcelona, Madrid und anderen beliebten Städten bleibt der finanzielle Druck hoch. Und solange bezahlbarer regulärer Wohnraum knapp bleibt, dürfte die Nachfrage nach geteilten Wohnungen weiter steigen.

Der spanische Wohnungsmarkt steht damit vor einer neuen Herausforderung: Nicht mehr nur ganze Wohnungen werden knapp und teuer – zunehmend wird auch das einzelne Zimmer zum begehrten und kostspieligen Wohnraum.

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