Das Jahr 2026 könnte für Spanien ein Moment wirtschaftlicher Neuordnung werden. Inmitten einer sich verändernden Zinslandschaft und steigenden Preisen lenkt eine Stimme den Blick auf das, was im Alltag oft früher spürbar ist als in offiziellen Makrodaten
Redaktion Spanien Press
Die Bank- und Hypothekenconsultorin Montse Cespedosa sieht die Entwicklung nicht als klassischen Crash, sondern als kumulative Verschleißphase wirtschaftlicher Zugänge. In Interviews und Marktanalysen erklärt sie, welche Faktoren aus ihrer Erfahrung besondere Aufmerksamkeit verdienen.
Ihre wichtigsten Beobachtungen und Argumente
Inflation: Spaniens Preise steigen spürbar stärker als in vielen Ländern Europas
Montse Cespedosa betont, dass die Inflation in Spanien eine eigene Dynamik entwickelt habe: „Während andere Länder eine Preisdämpfung erleben, bleibt Spanien im Modus der Beschleunigung. Das belastet besonders Haushalte, deren Löhne nicht im gleichen Tempo steigen.“
Schuldenanstieg im Privatsektor keine Euphorie sondern Notwendigkeit
Sie beobachtet eine wachsende Verschuldung im privaten Sektor, die laut ihr weniger mit Investitionsoptimismus zu tun habe, sondern mit der Überbrückung steigender Lebens- und Finanzierungskosten. „Es ist ein defensiver Schuldenaufbau, kein expansiver“, sagt sie.
Euribor auf dem Weg zu einem möglichen Zins-Hoch 2026
Der Euribor bleibe 2026 im Aufwärtstrend. Die Expertin spricht von einem wahrscheinlichen temporären Zins-Maximalpunkt im Jahr 2026, bevor sich eine Wende abzeichnen könnte. „Noch bevor der Index fällt, macht er die Finanzierung härter. Hypotheken mit variablem Zins reagieren sofort“, erklärt sie.
Abnahme des realen Volumens an Immobilienkäufen
Cespedosa weist auf eine spürbare Abkühlung des Immobilien-Kaufmarktes hin. Nicht, weil das Interesse fehle, sondern weil die Zins- und Kreditbedingungen viele Operationen erschweren oder verzögern. „Die Leute wollen kaufen, aber sie können nicht zu diesen Bedingungen. Und die Banken prüfen härter als zuvor.“
Banken verleihen vorsichtiger und lehnen zunehmend Kreditoperationen ab
Sie beschreibt ein Kreditklima, das 2026 merklich restriktiver sei – besonders im Immobilienbereich. „Nicht die Nachfrage versiegt, sondern die Genehmigungen. Risiko Bonität und Tragfähigkeitsprüfung bestimmen heute das Tempo des Marktes.“
Miet- und Gewerbeverträge nähern sich 2026 ihrem Fälligkeitsjahr
Neben den Zinsen rückt für sie eine weitere Zeitfront dazu: das Auslaufen zahlreicher Miet- und Gewerbeverträge im kommenden Jahr. „2026 wird zum Fristenjahr. In einer Zeit, in der alles teurer wird, wird die Verlängerung vieler Verträge zu einem weiteren Unsicherheitsfaktor.“
Der Arbeitsmarkt spürt die Wetterkühle des Privatsektors
Die Expertin verknüpft diese Entwicklungen mit dem Privatsektor, der zunehmend Stellenkürzungen in Spanien ankündigt. So ordnet sie Meldungen über Stellenabbau bei großen Arbeitgebern ein:
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Telefónica – 5.000 Stellenabbau angekündigt
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Amazon España – 1.200 Stellenabbau angekündigt
Für Céspedes ist das ein Faktor, der Einkommen Sparfähigkeit und Kreditwürdigkeit vieler Betroffener weiter beeinflussen könnte.
