15 de Juli de 2025
Lesezeit 1 Minute

Zwei rechtsextreme Parteien in Spanien? Der Aufstieg von Aliança Catalana als Herausforderung für Vox

Katalanische Unabhängigkeitsdemonstrationen Credit Urtak Hoti (Unsplash)

In Spanien galt die rechtsextreme Partei Vox bislang als klarer Platzhirsch: nationalistisch, zentralistisch und stark gegen Einwanderung positioniert. Doch nun formiert sich in Katalonien eine neue Kraft – Aliança Catalana –, die das politische Gleichgewicht auf der extremen Rechten herausfordert. Unter der Führung der radikalen Sílvia Orriols vertritt die Partei eine ungewöhnliche Kombination: katalanischer Separatismus gepaart mit islamfeindlichem, fremdenfeindlichem Populismus

Redaktion Spanien Press

Die Partei gewann 2023 die Bürgermeisterwahl im kleinen Pyrenäenort Ripoll, was ihr erstmals mediale Aufmerksamkeit verschaffte. Seitdem breitet sie sich in rasantem Tempo in ganz Katalonien aus, besonders in ländlichen Regionen. Ihr Diskurs ist klar: Ein unabhängiges Katalonien – aber nur für „echte Katalanen“, was faktisch auf den Ausschluss muslimischer Einwanderer hinausläuft.

Offiziell hat Aliança Catalana ihre Teilnahme an den spanischen Parlamentswahlen noch nicht angekündigt, doch es gilt als offenes Geheimnis, dass sie diesen Schritt vorbereitet. Damit würde sie ihre Agenda erstmals auf nationaler Ebene vertreten – in direkter Konkurrenz zu Vox.

Was bedeutet das für Spaniens politische Landschaft?

Der Aufstieg von Aliança Catalana könnte zu einem bislang undenkbaren Szenario führen: Zwei rechtsextreme Parteien, die sich in ihrer nationalen Ausrichtung unversöhnlich gegenüberstehen, aber eine gemeinsame islamfeindliche und migrationskritische Rhetorik teilen. Vox verteidigt entschieden die Einheit Spaniens und lehnt jede Form von Regionalismus ab. Aliança Catalana hingegen fordert einen ethnisch-homogenen, unabhängigen katalanischen Staat.

Dies spiegelt einen europaweiten Trend wider: die Verschiebung des politischen Diskurses von Territorial- und Sozialfragen hin zu kulturellen Identitätskonflikten. In Katalonien scheint der traditionelle Separatismus zunehmend vom Anti-Islam-Diskurs verdrängt zu werden – ein Feld, das Aliança Catalana gezielt besetzt.

Verbündete oder ideologische Gegner?

So sehr Vox und Aliança Catalana bei autoritären Tendenzen und kulturellem Protektionismus übereinstimmen, so unvereinbar sind ihre nationalen Ziele. Vox sieht im katalanischen Nationalismus eine Bedrohung für die Einheit Spaniens; Orriols wiederum spricht vom „spanischen Unterdrückerstaat“.

Und dennoch: Die gemeinsame Feindbildkonstruktion – besonders gegen den Islam – eint sie ideologisch. Beide Parteien normalisieren eine Sprache der Ausgrenzung, was zunehmend die demokratische Debattenkultur in Spanien unter Druck setzt.

Eine doppelte Herausforderung für die spanische Demokratie

Sollte Aliança Catalana tatsächlich auf nationaler Ebene kandidieren, könnte sich das politische Kräfteverhältnis in Spanien grundlegend verändern. Die rechtsextreme Szene wäre dann nicht mehr nur spanisch-national geprägt, sondern hätte auch eine separatistische, katalanische Variante – mit ähnlichem gesellschaftsspaltendem Potenzial.

Spanien steht damit vor einer doppelten Herausforderung: dem Konflikt zwischen Nationalstaat und Regionalbewegung – und einer wachsenden Normalisierung islamfeindlicher, rechtsextremer Positionen quer durch das Parteienspektrum.

Eine Antwort hinterlassen

Your email address will not be published.

Vorherige Geschichte

Sommerhitze und Eier: So schützen Sie sich vor Salmonelleninfektionen

Nächste Geschichte

Spanische Großeltern als neue Stars der sozialen Medien: Authentizität und Lebenslust

Neues von Blog

Eilmeldung: Spanien entsendet modernste Fregatte nach Zypern

Spanien verstärkt seine militärische Präsenz im östlichen Mittelmeer. Das Verteidigungsministerium hat am Donnerstag angekündigt, die Fregatte Cristóbal Colón nach Zypern zu entsenden. Das Schiff wird gemeinsam mit dem französischen Flugzeugträger Charles de…
error: Der Inhalt ist geschützt !!
Gehe zuTop