Es sind Nachrichten, die mitten in der Nacht eintreffen – begleitet von Videos, Sprachnachrichten und kurzen Sätzen voller Emotionen. Explosionen in Caracas. Tieffliegende Flugzeuge. Angriffe auf militärische Ziele. Und schließlich die Behauptung, Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sei festgenommen worden. Für viele Venezolanerinnen und Venezolaner in Spanien wurde der Samstagmorgen zu einem Moment zwischen Hoffnung, Angst und ungläubigem Staunen
Redaktion Spanien Press
„Man hört die Flugzeuge und die Detonationen… vielleicht ist das der Anfang vom Ende“, schreibt eine 52-jährige Venezolanerin in einer WhatsApp-Nachricht an ihre Familie. Andere berichten von zitternden Fenstern, schlaflosen Stunden und panischer Ungewissheit – insbesondere in Wohngebieten nahe militärischer Einrichtungen wie Fuerte Tiuna oder der Luftwaffenbasis La Carlota.
US-Präsident Donald Trump bestätigte einen groß angelegten Angriff auf mehrere militärische Ziele in Venezuela. Gleichzeitig erklärte er, Nicolás Maduro und dessen Ehefrau hätten das Land „auf dem Luftweg“ verlassen und befänden sich in US-Gewahrsam. Eine unabhängige Bestätigung dieser Angaben liegt bislang nicht vor.
Innerhalb der venezolanischen Diaspora in Spanien verbreiten sich die Informationen rasant. In WhatsApp-Gruppen wechseln sich Euphorie und Vorsicht ab. Viele bitten einander, Nachrichten wenige Minuten nach dem Lesen zu löschen – aus Angst vor möglichen Repressionen gegen Angehörige im Heimatland. Das venezolanische Regime wird seit Jahren beschuldigt, private Kommunikation zu überwachen und oppositionelle Stimmen systematisch zu verfolgen.
„Uns geht es gut, aber die Bombardierungen waren extrem stark“, berichtet ein 33-jähriger Venezolaner, der in ständigem Kontakt mit seiner Familie in Caracas steht. Wie alle Gesprächspartner möchte auch er anonym bleiben. Trotz der Hoffnung überwiegt bei vielen die Sorge um Eltern, Geschwister und Freunde.
Politisch bleibt die Lage hochgradig unübersichtlich. Sollte Maduro tatsächlich nicht mehr im Amt sein, würde formell Vizepräsidentin Delcy Rodríguez die Führung übernehmen. Ob dies den Beginn eines Zusammenbruchs des chavistischen Systems bedeutet – das seit den Zeiten Hugo Chávez’ an der Macht ist – oder lediglich eine neue Phase autoritärer Kontrolle einleitet, ist offen. Internationale Beobachter warnen vor einem Machtvakuum und möglichen inneren Spannungen.
„Hoffentlich gehen sie bis zum Ende. Aber was kommt danach?“, schreibt eine Venezolanerin aus Madrid. Die Erinnerung an den Tod Hugo Chávez’ und die jahrelange Fortdauer des Systems dämpft bei vielen den Optimismus.
Zwischen Jubel, Angst und vorsichtiger Hoffnung warten nun Tausende Venezolaner in Spanien auf verlässliche Informationen. Für sie ist dies kein abstrakter geopolitischer Konflikt, sondern eine zutiefst persönliche Frage – über Familie, Zukunft und die Möglichkeit, dass Venezuela tatsächlich vor einem historischen Wendepunkt stehen könnte.
