Ein außergewöhnliches Kunstwerk ist in Frankreich gestohlen worden: Aus dem Centre d’Art Contemporain in Issoire in der Auvergne verschwand das sogenannte „Libro del Apocalipsis“ – ein einzigartiges Kunstbuch mit einer von Salvador Dalí gestalteten Bronze-Buchdecke. Das gesamte Werk wiegt rund 210 Kilogramm und gilt als von kaum bezifferbarem Wert.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Der Diebstahl ereignete sich nach Angaben der französischen Behörden in der Nacht von Sonntag, 4. Oktober, auf Montag, 5. Oktober. Das Kunstbuch befand sich zu diesem Zeitpunkt in dem von dem Sammler Christian Karoutzos betriebenen Kunstzentrum. Die Staatsanwaltschaft Clermont-Ferrand hat Ermittlungen eingeleitet. Wie die Täter das mehr als 200 Kilogramm schwere Werk aus dem Gebäude schaffen konnten, ist bislang nicht bekannt.
Ein Buch als Gesamtkunstwerk
Das „Buch der Offenbarung“ basiert auf der biblischen Offenbarung des Johannes und entstand auf Initiative des französischen Verlegers Joseph Forêt. Dieser wollte ein Werk schaffen, das Literatur und bildende Kunst auf außergewöhnliche Weise miteinander verbindet.
Dafür versammelte Forêt zahlreiche bekannte Künstler und Schriftsteller seiner Zeit. Neben Salvador Dalí waren unter anderem Léonard Foujita, Bernard Buffet, Georges Mathieu und Ossip Zadkine an dem Projekt beteiligt. Texte steuerten unter anderem Jean Cocteau, Jean Giono und Emil Cioran bei.
Das Ergebnis ist kein gewöhnliches Buch: Die rund 200 Pergamentblätter wurden von Hand gestaltet und beschrieben. Insgesamt sollen sich darauf etwa 95.000 handgeschriebene Buchstaben befinden. Allein die Herstellung der kalligrafischen Arbeiten dauerte mehrere Jahre.
Dalí gestaltete den außergewöhnlichen Einband
Besonders wertvoll macht das Werk seine Verbindung zu Salvador Dalí. Der spanische Surrealist entwarf die monumentale Buchdecke, die anschließend aus Bronze gefertigt wurde. Sie wiegt allein etwa 150 Kilogramm.
Die Buchdecke wurde zudem mit weiteren wertvollen Materialien verziert. Zusammen mit den Pergamentseiten und den übrigen Bestandteilen bringt das Kunstwerk rund 210 Kilogramm auf die Waage. Es misst etwa 75 Zentimeter in der Höhe und 60 Zentimeter in der Breite.
Auch Pablo Picasso sollte ursprünglich für das Projekt gewonnen werden. Forêt soll jedoch vor die Wahl zwischen Picasso und Dalí gestellt worden sein und sich schließlich für Dalí entschieden haben.
Seit Jahrzehnten ein außergewöhnliches Kunstobjekt
Das Werk wurde erstmals 1961 im Musée d’Art Moderne de Paris präsentiert und anschließend auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Über die Jahre gelangte es unter anderem in die Schweiz und nach Japan.
Nachdem Joseph Forêt in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, verkaufte er das Buch 1970. Jahrzehnte später spürte Christian Karoutzos das Werk in Japan auf und erwarb es 2003. Anschließend brachte er es nach Frankreich zurück.
Karoutzos wollte das außergewöhnliche Kunstwerk nach Angaben der Berichte als Teil des französischen Kulturerbes anerkennen lassen. Nun ist der Verbleib des Buches unbekannt.
Wert kaum zu beziffern
Schon bei seiner Entstehung wurde das Werk aufgrund seiner außergewöhnlichen Herstellung und der beteiligten Künstler mit hohen Summen bewertet. Im Laufe der Jahre wurden unterschiedliche Millionenbeträge als Wert genannt. Eine aktuelle, eindeutig festgelegte Bewertung gibt es nicht.
Für den Besitzer und die französischen Behörden geht es deshalb nicht allein um den materiellen Wert. Das Buch gilt aufgrund seiner Kombination aus Literatur, Kunsthandwerk und den Arbeiten bedeutender Künstler als einzigartiges Kulturobjekt.
Die französische Gendarmerie versucht nun zu klären, wie der Diebstahl ablief und wo sich das schwere Kunstwerk befindet. Bislang gibt es keine öffentlich bekannten Hinweise auf die Täter oder den Verbleib des 210 Kilogramm schweren „Buchs der Offenbarung“.
