14. September 2026
Lesezeit 3 Minuten

82 Prozent der Spanier wollen stärkere Grenzen in Ceuta und Melilla

Ceuta liegt als spanische Exklave an der nordafrikanischen Küste und bildet eine der wichtigsten Außengrenzen der Europäischen Union zu Marokko (Credit: KI generiert)

Die Migrationskrise in Ceuta sorgt weiterhin für große Aufmerksamkeit in Spanien. Eine neue Umfrage des spanischen Meinungsforschungsinstituts CIS zeigt nun, dass eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung eine stärkere Sicherung der Grenzen zu Marokko befürwortet. Gleichzeitig wünschen sich viele Spanier mehr Unterstützung durch die Europäische Union.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Große Mehrheit für stärkere Grenzkontrollen

82,2 Prozent der Spanier sind der Meinung, dass die Grenzübergänge von Ceuta und Melilla verstärkt werden sollten, um einen erneuten massenhaften Zustrom von Migranten zu verhindern. Lediglich 13,3 Prozent halten eine Verstärkung der Grenzen für nicht notwendig.

Die Zahlen stammen aus dem aktuellen Barometer des Centro de Investigaciones Sociológicas (CIS). Die Befragung wurde Anfang September durchgeführt und fällt damit in eine Zeit, in der die Folgen des massiven Migrationsgeschehens Ende Juli in Ceuta weiterhin die politische Debatte bestimmen.

Bei dem damaligen Ansturm erreichten innerhalb kurzer Zeit mehr als 70.000 Menschen die spanische Exklave an der nordafrikanischen Küste. Die außergewöhnliche Situation hat seitdem die Diskussion über Grenzschutz, Migration und die Zusammenarbeit mit Marokko deutlich verschärft.

Fast alle Spanier haben von der Krise gehört

Wie stark das Ereignis die spanische Öffentlichkeit beschäftigt, zeigt ein weiterer Wert der CIS-Umfrage. 97,1 Prozent der Befragten geben an, von der Situation in Ceuta erfahren zu haben. Damit gehört die Krise zu den am stärksten wahrgenommenen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen der vergangenen Wochen.

Trotz der großen Aufmerksamkeit ist die Migration als allgemeines politisches Problem allerdings nicht stärker in den Vordergrund gerückt. Im Gegenteil: Der Anteil der Befragten, die Einwanderung zu den drei wichtigsten Problemen Spaniens zählen, sank im Vergleich zum vorherigen CIS-Barometer von 23,4 auf 19,7 Prozent.

Zusammenarbeit mit Marokko bleibt wichtig

Die Forderung nach stärker gesicherten Grenzen bedeutet offenbar nicht, dass die spanische Bevölkerung eine Verschlechterung der Beziehungen zu Marokko wünscht.

63,4 Prozent der Befragten halten eine Verständigung zwischen Spanien und Marokko für „sehr wichtig“, wenn es um die Sicherheit an der gemeinsamen Grenze geht. Weitere 22,9 Prozent bewerten diese Verständigung als „ziemlich wichtig“.

Auch eine Politik der Freundschaft und guten Nachbarschaft mit Marokko findet breite Zustimmung. 45,6 Prozent halten sie für sehr wichtig, weitere 28 Prozent für ziemlich wichtig.

Damit zeichnet die Umfrage ein differenziertes Bild: Die Mehrheit spricht sich für einen stärkeren Schutz der spanischen Grenzen aus, sieht gleichzeitig aber die Zusammenarbeit mit dem Nachbarland als wichtigen Bestandteil einer funktionierenden Migrations- und Sicherheitspolitik.

89 Prozent wünschen sich mehr Unterstützung aus der EU

Noch deutlicher fällt die Forderung nach europäischer Unterstützung aus. 89,4 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Europäische Union stärker bei der Bewältigung der Situation helfen sollte.

Die Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem auch die politische Führung Ceutas in Brüssel für mehr europäische Unterstützung wirbt. Ceutas Präsident Juan Jesús Vivas fordert unter anderem zusätzliche finanzielle Mittel für den Grenzschutz und einen besonderen europäischen Status für Ceuta und Melilla. Nach seiner Einschätzung ist die derzeitige Situation nicht dauerhaft tragfähig.

Für Spanien haben die beiden Städte eine besondere Bedeutung: Ceuta und Melilla sind spanische Gebiete an der nordafrikanischen Küste und bilden zugleich die einzigen Landgrenzen der Europäischen Union auf dem afrikanischen Kontinent.

Viele vermuten Einfluss internationaler Akteure

Die Umfrage enthält außerdem einen politisch besonders brisanten Aspekt. 67,7 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass es Staaten, politische Führer oder andere internationale Akteure gibt, die versuchen könnten, Probleme zwischen Spanien und Marokko zu verstärken.

Unter denjenigen, die eine solche Einflussnahme vermuten, werden verschiedene Akteure genannt. Am häufigsten werden die USA mit 49,1 Prozent genannt. Es folgen Marokko beziehungsweise Teile der marokkanischen Gesellschaft mit 38,1 Prozent, Israel mit 35,4 Prozent sowie Donald Trump mit 33,4 Prozent. Benjamin Netanyahu wird von 15,2 Prozent dieser Befragten genannt.

Die Zahlen müssen allerdings vorsichtig interpretiert werden. Sie beziehen sich nicht auf die gesamte spanische Bevölkerung, sondern nur auf die Gruppe der Befragten, die zuvor überhaupt eine Einflussnahme internationaler Akteure vermutet hatte.

Keine Bewertung der Regierung Sánchez

Auffällig ist zugleich, was der CIS nicht abgefragt hat. Die Untersuchung enthält keine direkte Frage dazu, wie die spanische Bevölkerung das Vorgehen der Regierung von Pedro Sánchez während der Ceuta-Krise bewertet. Auch die Frage, wer konkret für den massenhaften Zustrom Ende Juli verantwortlich war, wurde nicht unmittelbar gestellt.

Das ist politisch relevant, da die Debatte über die Rolle der spanischen Regierung inzwischen deutlich an Schärfe gewonnen hat. Gleichzeitig wird über mögliche Einflussnahmen von außen und die Rolle Marokkos diskutiert. Die Regierung in Madrid weist Vorwürfe zurück, die Krise bewusst unterschätzt oder nicht ausreichend vorbereitet zu haben.

Ceuta bleibt politisch brisant

Die neue Umfrage kommt in eine ohnehin angespannte politische Situation. Der aktuelle CIS-Barometer zeigt, dass die PSOE von Ministerpräsident Pedro Sánchez gegenüber Juli zwei Prozentpunkte verliert und nun bei 31 Prozent liegt. Die konservative PP kommt auf rund 25 Prozent, während Vox auf 16,6 Prozent steigt.

Ob der Rückgang der PSOE unmittelbar mit der Ceuta-Krise zusammenhängt, lässt sich aus der Umfrage allerdings nicht eindeutig ableiten. Die Befragung bildet lediglich die politische Stimmung nach den Ereignissen in Ceuta ab.

Fest steht jedoch: Die spanische Bevölkerung spricht sich mit großer Mehrheit für einen stärkeren Schutz der Grenzen aus. Gleichzeitig erwartet sie von Marokko Kooperation und von der EU mehr Unterstützung. Die Ereignisse in Ceuta haben damit eine Debatte ausgelöst, die weit über die spanische Exklave hinausgeht und Fragen nach der europäischen Migrationspolitik, dem Verhältnis zu Marokko und der Sicherung der EU-Außengrenzen berührt.

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