Spanisch erlebt international einen bemerkenswerten Aufschwung. Was für Generationen junger Spanier selbstverständlich war – ins Ausland zu gehen, um eine Sprache wirklich zu beherrschen – funktioniert heute zunehmend in die andere Richtung. Ausländer kommen nach Spanien, um Spanisch zu lernen, und auch außerhalb des Landes wächst das Interesse an spanischsprachiger Bildung.
Redaktion Spanien Press
24 Millionen Menschen lernen Spanisch
Rund 635 Millionen Menschen weltweit gelten als potenzielle Spanischsprecher, etwa 24 Millionen lernen die Sprache. Spanien hat sich dabei als eines der wichtigsten Ziele für Sprachreisen etabliert.
Auch im europäischen Bildungssystem gewinnt Spanisch an Gewicht. Nach den zitierten Eurostat-Daten ist es mit 27 Prozent die zweithäufigste Fremdsprache im Sekundarbereich der EU und liegt damit vor Deutsch und Französisch.
Die Gründe sind vielfältig: die wachsende Bedeutung des Spanischen in den USA, die engen wirtschaftlichen Beziehungen zu Lateinamerika und die internationale Attraktivität Spaniens.
Italiener und Deutsche kommen besonders häufig
2025 verzeichneten die FEDELE angeschlossenen Sprachschulen mit mehr als 162.000 Teilnehmern einen Rekord – 42,5 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.
Fast 80 Prozent kamen aus Europa. Italiener stellten mit 16,06 Prozent die größte Gruppe, unmittelbar gefolgt von Deutschen mit 14,59 Prozent. Danach folgten US-Amerikaner mit 7,78 Prozent. Gleichzeitig wächst die Nachfrage aus Ländern wie China, Australien und Singapur.
Jugendliche wollen eintauchen statt nur Vokabeln lernen
Besonders gefragt sind Programme für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren. Sie verbringen einige Wochen, mehrere Monate oder sogar ein ganzes Schuljahr in Spanien, leben teilweise bei Gastfamilien und besuchen örtliche Schulen.
Der entscheidende Unterschied zum klassischen Sprachkurs: Spanisch wird nicht nur morgens im Unterricht gelernt. Die Jugendlichen erleben die Sprache beim Essen, beim Sport, mit Freunden und im Familienalltag.
Auch Erwachsene entdecken diese Form des Reisens zunehmend für sich. Das Angebot reicht mittlerweile von klassischen Kursen bis zu Programmen, die Unterricht mit Kultur, Sport und Reisen verbinden.
Selbst britische Familien setzen auf spanische Bildung
Wie sehr sich die Wahrnehmung verändert hat, zeigt sich auch außerhalb Spaniens.
Das Instituto Español Vicente Cañada Blanch in London war traditionell eng mit der spanischen Gemeinschaft verbunden. Heute interessieren sich auch britische Familien für eine intensivere Ausbildung ihrer Kinder auf Spanisch – teilweise mit dem Wunsch, sie zumindest einige Jahre in einem spanischsprachigen schulischen Umfeld lernen zu lassen.
Ähnliche Entwicklungen zeigen sich bei Sprachschulen, Akademien und bilingualen Angeboten innerhalb und außerhalb Spaniens. Gute Programme sind gefragt; bei einzelnen Einrichtungen und Kursen kann die Nachfrage das verfügbare Angebot übersteigen.
Spanisch wird damit zunehmend nicht nur als Fremdsprache betrachtet, sondern als Bildungs- und Zukunftssprache.
Ein interessanter Markt für Spanien
Davon profitiert auch die spanische Wirtschaft. Sprachschüler bleiben häufig mehrere Wochen oder Monate und reisen unabhängig von der klassischen Hochsaison.
Die FEDELE angeschlossenen Zentren erwirtschafteten 2025 nach Angaben des Verbandes rund 71 Millionen Euro und sicherten mehr als 2.500 direkte Arbeitsplätze.
Für Städte wie Salamanca, Granada, Málaga, Sevilla oder Madrid entsteht damit ein Tourismus, bei dem nicht Strand und Hotel im Mittelpunkt stehen, sondern Sprache und Alltag.
Vor einigen Jahrzehnten träumten spanische Eltern davon, dass ihre Kinder aus England mit perfektem Englisch zurückkehrten.
Heute schicken Familien aus anderen Ländern ihre Kinder nach Spanien – oder suchen sogar zu Hause nach spanischsprachigen Schulen.
Die Rollen haben sich nicht umgekehrt. Aber Spanisch ist längst zu einer Sprache geworden, in die internationale Familien ganz bewusst Zeit und Geld investieren.