Hunderte Kundgebungen im ganzen Land sollen Solidarität mit Ceuta zeigen. Ausgerechnet die sozialistische Regierungspartei PSOE will sich nicht beteiligen – und sorgt damit für eine neue politische Kontroverse.
Redaktion Spanien Press
Am kommenden Mittwoch, dem 2. September, soll in ganz Spanien ein deutliches Zeichen der Solidarität mit Ceuta gesetzt werden. Von Andalusien über Madrid und Valencia bis nach Katalonien, Galicien oder auf die Balearen sind Hunderte Kundgebungen angekündigt.
Die Bürgerinitiative „Ceuta nos une“ listet inzwischen 317 bestätigte Kundgebungen in 46 der 52 spanischen Provinzen auf. Die meisten sollen um 20 Uhr vor den jeweiligen Rathäusern oder Regierungsvertretungen stattfinden.
Der 2. September ist bewusst gewählt: Es ist der Tag von Ceuta.
Nach den dramatischen Ereignissen der vergangenen Wochen und der anhaltenden Migrationskrise in der spanischen Exklave soll an diesem Tag eine Botschaft im Mittelpunkt stehen:
Ceuta ist nicht allein.
Doch ausgerechnet die PSOE von Ministerpräsident Pedro Sánchez will sich den Kundgebungen nicht anschließen.
Ferraz an die eigenen Politiker: Nicht teilnehmen
Die PSOE-Parteizentrale in Madrid hat am Samstag ein Rundschreiben an ihre regionalen Generalsekretäre, Organisationsverantwortlichen, kommunalpolitischen Sprecher und weitere Parteifunktionäre verschickt.
Die Botschaft ist eindeutig:
Die PSOE wird sich nicht an den Kundgebungen vom 2. September beteiligen.
Die Parteiführung begründet ihre Entscheidung damit, dass die konservative Partido Popular (PP) die Solidaritätsaktionen politisch instrumentalisiere.
Nach Auffassung der Sozialisten habe die Präsidentin des spanischen Städte- und Gemeindeverbandes FEMP, María José García-Pelayo (PP), die Kundgebungen ohne vorherige Einigung mit den übrigen politischen Gruppen innerhalb des Verbandes ausgerufen.
Die PSOE wirft der PP vor, die FEMP und die regionalen Gemeindeverbände zu benutzen, um die Regierung von Pedro Sánchez unter Druck zu setzen und die Situation in Ceuta für eine politische Mobilisierung zu nutzen.
Die offizielle Linie der Partei lautet:
„Ceuta sí. Su utilización partidista, no.“
Also: Ja zu Ceuta – nein zu einer parteipolitischen Instrumentalisierung.
Aber worum geht es am 2. September eigentlich?
Genau hier beginnt die politische Kontroverse.
Denn die Bewegung zur Unterstützung Ceutas entstand zunächst nicht in einer Parteizentrale.
Aufrufe zur Solidarität verbreiteten sich über soziale Netzwerke und unter Ceutíes auf dem spanischen Festland. Später griff die Federación Española de Municipios y Provincias (FEMP) die Initiative offiziell auf.
FEMP-Präsidentin García-Pelayo rief die 8.132 spanischen Gemeinden dazu auf, am 2. September um 20 Uhr vor ihren Rathäusern Solidarität mit Ceuta zu zeigen.
Die Bürgerinitiative „Ceuta nos une“ beschreibt die geplanten Veranstaltungen ausdrücklich als friedlich, kostenlos und für alle Bürger offen.
Ihr Motto:
„A favor del pueblo de Ceuta y por nuestra Unidad“ – für die Bevölkerung Ceutas und für unsere Einheit.
Mehr als 300 Orte haben inzwischen eigene Kundgebungen bestätigt.
Von Madrid bis Marbella: Spanien geht auf die Straße
Die Dimension der Aktion ist bemerkenswert.
Noch am Samstag berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press von mehr als 260 Gemeinden, die Kundgebungen offiziell unterstützten.
Inzwischen nennt die Bürgerplattform bereits 317 bestätigte Veranstaltungen.
Madrid, Barcelona, Valencia, Sevilla, Málaga, Marbella, Alicante, Murcia, Bilbao, San Sebastián, Vitoria, Valladolid, Salamanca, Santander, Oviedo, Gijón, Palma, Ibiza und zahlreiche weitere Städte stehen auf der Liste.
In den meisten Städten versammeln sich die Teilnehmer vor ihren Rathäusern.
In Madrid ist die zentrale Kundgebung hingegen vor dem Congreso de los Diputados, dem spanischen Parlament, geplant.
PSOE-Entscheidung sorgt auch parteiintern für Spannungen
Besonders brisant: Selbst innerhalb der PSOE wird die Linie aus Madrid offenbar nicht überall widerspruchslos akzeptiert.
In Ceuta selbst haben sozialistische Politiker bereits erkennen lassen, dass sie trotz der Vorgabe ihrer Parteizentrale an der Kundgebung teilnehmen wollen.
Der sozialistische Abgeordnete Melchor León gehört zu den Kritikern der offiziellen Linie seiner Partei.
Auch auf kommunaler Ebene gibt es Widersprüche.
Im andalusischen Espartinas bei Sevilla, wo die PSOE regiert, war beispielsweise bereits eine eigene Solidaritätskundgebung unter dem Motto „Espartinas con Ceuta“ angekündigt worden.
Damit steht die Parteiführung vor einem unangenehmen Problem:
Was geschieht, wenn sozialistische Bürgermeister, Stadträte oder Abgeordnete am Mittwoch trotzdem gemeinsam mit ihren Bürgern auf die Straße gehen?
Die PP ruft dagegen ausdrücklich zur Teilnahme auf
Während die PSOE Abstand hält, hat PP-Chef Alberto Núñez Feijóo die Spanier ausdrücklich dazu aufgerufen, am 2. September teilzunehmen.
Feijóo selbst will nach Angaben seiner Partei in Ceuta dabei sein.
Damit erhält eine ursprünglich als Solidaritätsaktion gedachte Bewegung endgültig auch eine parteipolitische Dimension.
Die PSOE sieht genau darin die Bestätigung ihrer Kritik.
Die PP wiederum argumentiert, es gehe nicht um Parteipolitik, sondern darum, einer spanischen Stadt in einer außergewöhnlichen Situation beizustehen.
Und die FEMP selbst bezeichnet die Kundgebungen offiziell als Zeichen der Solidarität und Unterstützung für Ceuta und seine Bevölkerung.
Solidarität oder Parteipolitik?
Damit steht Spanien wenige Tage vor dem 2. September vor einer bemerkenswerten Situation.
Auf der einen Seite werden Bürger in Hunderten Städten aufgerufen, friedlich vor ihre Rathäuser zu treten und ihre Solidarität mit Ceuta auszudrücken.
Auf der anderen Seite fordert die größte Regierungspartei des Landes ihre eigenen Amtsträger auf, genau diesen Veranstaltungen fernzubleiben.
Die PSOE argumentiert, sie wende sich keineswegs gegen Ceuta, sondern gegen die politische Instrumentalisierung der Krise.
Doch die Frage, die nun weit über Ceuta hinaus diskutiert wird, lautet:
Kann eine Solidaritätskundgebung für eine spanische Stadt überhaupt noch jenseits der Parteipolitik stattfinden?
Und vor allem:
Wie werden die Bürger reagieren, wenn sich am 2. September in Hunderten spanischen Städten Menschen vor ihren Rathäusern versammeln, während zahlreiche sozialistische Mandatsträger auf Anweisung ihrer Parteizentrale fernbleiben?
Die Antwort darauf wird es am Mittwochabend geben.
Dann wird sich zeigen, wie groß die Mobilisierung tatsächlich ist – und ob der 2. September 2026 zu weit mehr wird als nur einem Tag der Solidarität mit Ceuta.
