Spaniens unterschätzter Klassiker: Warum die Empanada viel mehr Aufmerksamkeit verdient

Paella, Tortilla, Jamón Ibérico und Tapas kennt inzwischen fast jeder Spanienurlauber. Doch die spanische Küche hat noch einen anderen Klassiker zu bieten, der außerhalb des Landes erstaunlich wenig bekannt ist: die Empanada. Herzhaft gefüllt, frisch aus dem Ofen und in unzähligen Varianten erhältlich, gehört sie zu den Gerichten, die man in Spanien unbedingt probiert haben sollte.

Redaktion Spanien Press

Wer an spanische Küche denkt, denkt meistens zuerst an Paella, Tortilla de Patatas, Gazpacho oder Tapas. Dabei gibt es ein Gericht, das insbesondere im Norden Spaniens seit Jahrhunderten zur kulinarischen Kultur gehört und mindestens genauso viel Aufmerksamkeit verdient: die Empanada.

Vor allem mit Galicien ist sie untrennbar verbunden. Dort gehört sie zu den großen Klassikern der regionalen Küche – und wer einmal eine wirklich gute, frisch gebackene Empanada probiert hat, versteht schnell, warum.

Das Grundprinzip könnte kaum einfacher sein: Eine herzhafte Füllung wird zwischen zwei Teigschichten eingeschlossen und anschließend im Ofen gebacken.

Doch genau hinter dieser Einfachheit verbirgt sich eine erstaunliche Vielfalt.

Galicien – die spanische Heimat der Empanada

Keine andere Region Spaniens ist so eng mit der Empanada verbunden wie Galicien.

Ihre Geschichte reicht weit zurück. Gefüllte Teiggerichte waren auf der Iberischen Halbinsel bereits vor Jahrhunderten bekannt. In Galicien entwickelte sich daraus eine ganz eigene kulinarische Tradition.

Empanadas wurden unter anderem in Gasthäusern und Klöstern angeboten und waren auch für Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela eine praktische Mahlzeit.

Das hatte einen einfachen Grund: Die Füllung war durch den Teig geschützt, die Empanada ließ sich gut transportieren und konnte problemlos mit mehreren Personen geteilt werden.

Und genau das ist bis heute geblieben.

Eine große Empanada kommt auf den Tisch, wird in Stücke geschnitten – und geteilt.

Von Thunfisch bis Pulpo: Es gibt nicht „die eine“ Empanada

Wer außerhalb Spaniens schon einmal eine Empanada gesehen hat, verbindet damit vielleicht vor allem eine Füllung aus Thunfisch, Tomaten, Zwiebeln und Paprika.

Das ist tatsächlich ein Klassiker.

Aber die Welt der spanischen Empanadas ist sehr viel größer.

Besonders in Galicien spiegelt die Füllung häufig genau das wider, was die jeweilige Region zu bieten hat.

An der Küste findet man beispielsweise Empanadas mit Sardinen, Muscheln, Herzmuscheln, Jakobsmuscheln, Tintenfisch, Kabeljau oder Pulpo.

Eine besonders spektakuläre Spezialität ist die Empanada mit chocos, also Tintenfisch. Durch die Tinte kann die Füllung – und teilweise auch der Teig – eine tiefdunkle Farbe bekommen.

Daneben gibt es Empanadas mit Schweinefleisch, Rindfleisch, Hähnchen, Chorizo oder Gemüse.

Auch beim Teig gibt es Unterschiede. Neben Weizenmehl wird traditionell teilweise auch Mais- oder Roggenmehl verwendet.

Das macht die Empanada zu einem Gericht, das sich seiner Umgebung angepasst hat: Am Meer schmeckt sie nach Meer, im Landesinneren nach Fleisch, Gemüse und den Produkten der Region.

Ein Essen, das für Gemeinschaft steht

Vielleicht liegt genau darin ein Teil ihres besonderen Charmes.

Eine traditionelle spanische Empanada ist normalerweise keine kleine Portion für eine einzelne Person. Sie wird groß gebacken und anschließend geteilt.

Man findet sie bei Familienessen, Dorffesten, Ausflügen und Feiern ebenso wie ganz selbstverständlich in Bäckereien und kleinen Lebensmittelgeschäften.

Wie wichtig sie insbesondere für Galicien ist, zeigt sich sogar an eigenen Festen.

Im Ort Bandeira in der Provinz Pontevedra wird beispielsweise seit 1974 die Festa da Empanada gefeiert. Restaurants und Privatpersonen treten dort mit ihren Rezepten gegeneinander an. Das Fest wurde inzwischen sogar als Veranstaltung von nationalem touristischem Interesse ausgezeichnet.

Für Galicien ist die Empanada eben nicht nur etwas zu essen.

Sie ist ein Stück Identität.

Achtung: Empanada und Empanadilla sind nicht dasselbe

Hier entsteht gerade bei ausländischen Besuchern häufig Verwirrung.

Denn Empanada und Empanadilla sind nicht einfach zwei Wörter für dasselbe Gericht.

Die klassische spanische Empanada – insbesondere die galicische – wird meist als große runde oder rechteckige Teigpastete gebacken. Auf eine Teigschicht kommt die Füllung, darüber eine zweite Teigschicht. Erst nach dem Backen wird sie in einzelne Portionen geschnitten.

Eine Empanadilla dagegen ist wesentlich kleiner. Sie besteht aus einem einzelnen Stück Teig, das gefüllt, zusammengeklappt und meist halbmondförmig verschlossen wird. In Spanien gehören Empanadillas mit Thunfisch, Tomate und Ei zu den Klassikern. Sie können gebacken oder frittiert werden.

Auch die berühmten argentinischen Empanadas gehören zur großen Familie der gefüllten Teigtaschen, sind aber eine eigene kulinarische Tradition. Je nach Region Argentiniens unterscheiden sie sich in Teig, Zubereitung und Füllung erheblich.

Wichtig ist also vor allem: Wer in einer galicischen Bäckerei eine Empanada bestellt, bekommt etwas ganz anderes als die kleinen halbmondförmigen Empanadas, die man beispielsweise aus Argentinien kennt.

Wie isst man eine Empanada eigentlich?

Die gute Nachricht für Spanienurlauber: Es gibt kaum Regeln.

Eine große Empanada wird normalerweise vor dem Servieren in rechteckige, quadratische oder dreieckige Stücke geschnitten und auf einer Platte oder direkt auf dem Tisch angeboten.

Und sie muss keineswegs direkt heiß aus dem Ofen gegessen werden.

Im Gegenteil: Eine gute Empanada schmeckt warm, bei Zimmertemperatur und häufig sogar kalt hervorragend. Genau deshalb eignet sie sich traditionell so gut für Ausflüge, Feste, Picknicks oder einen Tag am Strand.

Kleine Stücke kann man durchaus mit der Hand essen. Bei einer üppig gefüllten oder besonders saftigen Empanada sind Teller, Messer und Gabel allerdings die praktischere Variante.

Sie kann als Vorspeise oder Teil eines gemeinsamen Essens auf den Tisch kommen, aber ein größeres Stück mit einem Salat reicht problemlos auch als unkomplizierte Mahlzeit.

Und vielleicht ist genau das der schönste Weg, sie zu essen: eine große Empanada in die Mitte des Tisches, mehrere Menschen drumherum – und jeder nimmt sich ein Stück.

Und was trinkt man dazu?

Auch hier lohnt sich der Blick nach Galicien.

Zu einer galicischen Empanada passt kaum etwas besser als ein gut gekühlter galicischer Weißwein.

Bei Empanadas mit Thunfisch, Bonito, Pulpo, Jakobsmuscheln oder anderen Meeresfrüchten ist ein Albariño aus den Rías Baixas eine hervorragende Kombination. Seine Frische und Säure passen besonders gut zu Fisch und Meeresfrüchten.

Auch ein Godello kann beispielsweise eine Empanada mit Kabeljau sehr schön begleiten. Ein frischer Ribeiro ist ebenfalls eine gute Alternative.

Bei kräftigeren Empanadas mit Fleisch, Chorizo oder Schweinefleisch darf es dagegen auch ein junger Rotwein sein. Ein Mencía aus der Ribeira Sacra bringt genügend Charakter mit, ohne das Gericht zu dominieren.

Und natürlich muss es nicht immer Wein sein.

Eine eiskalte Cerveza funktioniert zu einem Stück Empanada ebenfalls hervorragend – besonders an einem warmen spanischen Sommertag.

Empanada, ein Glas Albariño, ein Platz im Schatten und etwas Zeit: Manchmal braucht die spanische Küche gar nicht mehr.

Warum kennen so wenige Urlauber die Empanada?

Das ist eigentlich die erstaunlichste Frage.

Millionen Menschen besuchen jedes Jahr Spanien. Sie essen Paella, bestellen Tapas, probieren Jamón Ibérico und diskutieren irgendwann darüber, ob eine echte Tortilla de Patatas nun Zwiebeln enthalten darf oder nicht.

Doch die Empanada bleibt international vergleichsweise unbekannt.

Vielleicht liegt es daran, dass sie kein typisches Restaurantgericht für Touristen geworden ist. Häufig begegnet man ihr dort, wo auch die Einheimischen einkaufen: in Bäckereien, traditionellen Geschäften, auf Märkten oder bei Familienfeiern.

Dabei erzählt kaum ein Gericht so unkompliziert etwas über die spanische Esskultur.

Gute Zutaten. Regionale Produkte. Ein Rezept, das seit Generationen weitergegeben wird. Und etwas Großes auf dem Tisch, von dem jeder ein Stück bekommt.

Bei der nächsten Spanienreise: einfach einmal probieren

Wer Spanien kulinarisch wirklich kennenlernen möchte, sollte deshalb nicht bei Paella, Tapas und Tortilla stehen bleiben.

Vor allem bei einer Reise nach Galicien gehört eine gute Empanada unbedingt dazu.

Am besten frisch gebacken, vielleicht mit Thunfisch und Paprika, Pulpo, Sardinen, Jakobsmuscheln oder einer herzhaften Fleischfüllung.

Dazu ein Glas Albariño oder eine kalte Cerveza – und schon hat man ein Stück jener spanischen Esskultur vor sich, die man in den typischen Urlauberrestaurants nicht immer kennenlernt.

Denn manchmal sind es gerade die Gerichte, die international weniger bekannt sind, die besonders viel über ein Land erzählen.

Die Empanada gehört definitiv dazu – und hat einen festen Platz unter den großen Klassikern der spanischen Küche verdient.

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