1. September 2026
Lesezeit 2 Minuten

Amerikaner entdecken Jaén: Das Interesse am unbekannten Andalusien wächst

Hornos de Segura, Cazorla

US-Amerikaner führen erstmals die ausländische Immobiliensuche in der Provinz an – vor Briten und Deutschen. Noch im vergangenen Jahr lagen die Deutschen an der Spitze

Redaktion Spanien Press

Auf Spaniens internationalem Immobilienmarkt sorgt eine eher unerwartete Provinz für Aufmerksamkeit: Jaén. Während ausländische Käufer traditionell vor allem die Küstenregionen suchen, wächst nun auch das Interesse am andalusischen Hinterland.

Nach aktuellen Daten des Immobilienportals Idealista kamen im ersten Quartal 2026 6,8 Prozent der Nachfrage nach zum Verkauf stehenden Immobilien in der Provinz Jaén aus dem Ausland. An erster Stelle stehen Interessenten aus den USA, gefolgt von Großbritannien und Deutschland.

Das ist ein bemerkenswerter Wechsel: In der vorherigen Idealista-Auswertung führten noch die Deutschen die internationale Nachfrage in Jaén an.

Die Zahlen beziehen sich allerdings auf Suchanfragen und Zugriffe auf Immobilienangebote und nicht auf abgeschlossene Kaufverträge. Bei den tatsächlichen Transaktionen ist der internationale Anteil weiterhin gering: 2025 wurden weniger als zwei Prozent der Immobilien in der Provinz von Ausländern gekauft.

Ein Markt mit viel Luft nach oben

Im Vergleich zu den klassischen internationalen Immobilienregionen Spaniens ist Jaén damit noch ein kleiner Markt.

In Alicante stammt rund ein Drittel der Nachfrage aus dem Ausland, auf den Balearen sind es mehr als 28 Prozent und in der Provinz Málaga rund 27 Prozent. Auch Almería und Granada erreichen deutlich höhere Werte als Jaén.

Gerade darin könnte jedoch ein Teil des Reizes liegen.

Während Immobilien in vielen Küstenregionen in den vergangenen Jahren erheblich teurer geworden sind, bietet das andalusische Hinterland vielerorts noch deutlich niedrigere Preise, mehr Platz und ein weniger touristisch geprägtes Umfeld.

Úbeda, Baeza und Cazorla: eine andere Seite Andalusiens

Beispiele für das, was internationale Interessenten in der Provinz finden können, sind Úbeda, Baeza und Cazorla.

Úbeda und Baeza gehören mit ihren Renaissance-Ensembles zum UNESCO-Weltkulturerbe. Paläste, Kirchen, historische Plätze und traditionelle Wohnhäuser prägen zwei der architektonisch interessantesten Städte Andalusiens.

Cazorla bietet dagegen vor allem Natur. Die historische Kleinstadt liegt am Rand des Naturparks Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas, einer der größten geschützten Naturlandschaften Spaniens.

Idealista veröffentlicht keine Daten darüber, welche einzelnen Orte in Jaén von Amerikanern am häufigsten gesucht werden. Úbeda, Baeza und Cazorla sind daher Beispiele für das Wohn- und Freizeitangebot der Provinz, nicht ausgewiesene Favoriten der US-Interessenten.

Olivenhaine statt Strandpromenade

Auch landschaftlich bietet Jaén ein völlig anderes Spanien.

Mehr als 60 Millionen Olivenbäume prägen die Provinz, die zu den bedeutendsten Olivenölregionen der Welt gehört. Hochwertiges Olivenöl, Gastronomie und Oleotourismus haben in den vergangenen Jahren zusätzlich an Bedeutung gewonnen.

Für Käufer, die historische Orte, Natur und ein ruhigeres Lebensumfeld suchen, kann diese Kombination interessant sein – insbesondere angesichts der Preisentwicklung in bekannten Ferienregionen.

US-Interessenten werden in Spanien sichtbarer

Der Trend beschränkt sich nicht auf Jaén. Amerikanische Interessenten gewinnen auf dem spanischen Immobilienmarkt insgesamt an Bedeutung und tauchen inzwischen in mehreren Städten und Regionen weit oben in den Statistiken zur internationalen Nachfrage auf.

Dabei dürfte die Nachfrage aus den Vereinigten Staaten unterschiedliche Gruppen umfassen: vermögende Käufer auf der Suche nach einem Zweitwohnsitz, international arbeitende Berufstätige, zukünftige Ruheständler und auch die große spanischsprachige Bevölkerung der USA.

Ob aus dem wachsenden Online-Interesse in Jaén tatsächlich deutlich mehr Käufe entstehen, werden erst die kommenden Jahre zeigen.

Noch ist die Provinz weit davon entfernt, ein international dominierter Immobilienmarkt zu sein. Doch dass US-Amerikaner inzwischen vor Briten und Deutschen die ausländische Nachfrage anführen, ist ein bemerkenswerter Hinweis darauf, dass sich der Blick internationaler Immobilieninteressenten in Spanien langsam erweitert.

Vielleicht muss es eben nicht immer Meerblick sein.

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