Trotz voller Strände und hoher Auslastung schlagen die Strandgastronomen Alarm: Die Gäste kommen weiterhin, achten aber deutlich stärker aufs Geld. Besonders spanische Urlauber sparen beim Essen und verkürzen ihre Aufenthalte.
Redaktion Spanien Press
Auf den ersten Blick könnte die Sommersaison an Andalusiens Küste kaum besser laufen. Die Strände sind gut besucht, Hotels und Ferienwohnungen melden hohe Auslastungszahlen und auch für den September bleiben die Aussichten positiv.
Doch ausgerechnet in den für Südspanien so typischen Chiringuitos zeigt sich eine andere Realität: Die Gäste kommen – aber sie geben weniger aus.
Manuel Villafaina, Präsident des andalusischen Verbandes der Strandbetriebe, spricht sogar vom ersten Sommer, in dem sich die Zurückhaltung der Urlauber beim Konsum deutlich bemerkbar macht.
Nach Angaben des Verbandes sind die Lebenshaltungskosten seit 2020 um rund 57 Prozent gestiegen. Die Chiringuitos hätten davon lediglich etwa 25 Prozent über höhere Preise an ihre Gäste weitergegeben.
Trotzdem liegen die Umsätze ungefähr auf dem Niveau von vor sechs Jahren.
Für die Strandgastronomen bedeutet das im Klartext: In realen Mengen wird heute deutlich weniger verkauft.
Statt 30 bis 35 Euro nur noch 20 bis 25 Euro
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim durchschnittlichen Rechnungsbetrag.
Noch vor wenigen Sommern gaben Gäste in einem Chiringuito durchschnittlich zwischen 30 und 35 Euro pro Person aus. Inzwischen sind es häufig nur noch zwischen 20 und 25 Euro.
Dabei hat sich nicht nur die Höhe der Rechnung verändert, sondern auch die Art, wie bestellt wird.
Statt mehrere Gerichte gleichzeitig auf den Tisch zu stellen, bestellen viele Gäste zunächst weniger und entscheiden erst anschließend, ob noch etwas hinzukommt. Portionen werden häufiger geteilt. Wo früher drei Personen drei Gerichte bestellten, reichen heute nicht selten zwei.
Auch halbe Portionen sind gefragt. Einige Chiringuitos haben sie inzwischen sogar wieder von ihren Speisekarten genommen.
Und noch etwas hat sich verändert: Was übrig bleibt, wird häufiger mitgenommen. Lebensmittel auf dem Teller zurückzulassen, scheint für viele Gäste keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein.
Für die Gastronomen hat das zumindest einen positiven Nebeneffekt: Es werden weniger Lebensmittel weggeworfen.
Vor allem spanische Urlauber sparen
Besonders auffällig ist die Zurückhaltung bei spanischen Gästen.
Ausgerechnet sie galten traditionell als diejenigen, die im Urlaub gerne großzügiger lebten und beim Essen weniger genau auf den Preis achteten.
Das scheint sich zu ändern.
Steigende Kosten für Unterkunft, Lebensmittel, Benzin und den Alltag insgesamt sorgen dafür, dass viele Familien genauer kalkulieren müssen.
Das betrifft nicht nur Restaurantbesuche.
Nach Beobachtungen der Strandgastronomen werden auch die Ferien kürzer. Familien, die früher beispielsweise zwei Wochen an der Küste verbrachten, bleiben heute teilweise nur noch zehn Tage.
Bei internationalen Gästen sieht das Konsumverhalten etwas anders aus. Während spanische Urlauber einen Chiringuito traditionell vor allem zum Essen besuchen, geben viele ausländische Gäste dort vergleichsweise mehr für Getränke aus.
Espetos und Paella bleiben die Klassiker
Von der neuen Sparsamkeit profitieren ausgerechnet zwei Klassiker der andalusischen Küstenküche.
Die berühmten Espetos de Sardinas, über offenem Feuer gegrillte Sardinenspieße, bleiben mit Preisen von etwa acht bis zehn Euro eines der beliebtesten Gerichte an der Costa del Sol.
Auch Paella ist weiterhin gefragt. Eine Portion kostet je nach Restaurant und Ausführung ungefähr zwölf bis 18 Euro.
Schwieriger wird die Situation bei Fisch und Meeresfrüchten.
Produkte wie Calamares oder die in Málaga beliebten kleinen Muscheln, Coquinas, sind im Einkauf deutlich teurer geworden. Die Chiringuitos können diese Preissteigerungen jedoch kaum vollständig an ihre Gäste weitergeben, ohne weitere Einbußen beim Konsum zu riskieren.
Die Preise auf den Speisekarten sind nach Angaben Villafainas allein in diesem Jahr durchschnittlich um rund sieben Prozent gestiegen.
Weitere Preiserhöhungen könnten jedoch dazu führen, dass die Gäste noch stärker sparen.
Urlaub an der Küste wird immer teurer
Das Problem beschränkt sich nicht auf Restaurants.
Ein Urlaub an der Costa del Sol und anderen beliebten Küstenabschnitten Andalusiens ist in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden.
Allein die Unterkunft beansprucht inzwischen einen erheblichen Teil des Reisebudgets. Hinzu kommen gestiegene Kosten für Lebensmittel, Mietwagen, Restaurantbesuche und Freizeitaktivitäten.
Auch Autofahrer müssen tiefer in die Tasche greifen. Höhere Kraftstoffpreise verteuern nicht nur die Anreise der Urlauber, sondern auch Transport und Lieferungen für die Gastronomiebetriebe.
Die Folge: Ein immer größerer Teil des Urlaubsbudgets ist bereits ausgegeben, bevor der Gast überhaupt am Strand Platz nimmt.
Gleichzeitig erlebt Andalusien ein starkes Tourismusjahr
Genau hier liegt das Paradoxe der aktuellen Entwicklung.
Denn von einer generellen Krise des Tourismus kann keine Rede sein.
Andalusien verzeichnet auch 2026 sehr starke Besucherzahlen. Allein im Juli kamen rund 1,69 Millionen internationale Touristen in die Region – etwa 9,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Diese Besucher gaben in Andalusien rund 2,69 Milliarden Euro aus. Das entsprach einem kräftigen Anstieg gegenüber Juli 2025.
Der durchschnittliche Gesamtaufwand eines internationalen Gastes lag bei knapp 1.600 Euro, während die täglichen Ausgaben bei rund 200 Euro lagen.
Auch auf das bisherige Jahr gerechnet bewegen sich die Einnahmen aus dem internationalen Tourismus auf sehr hohem Niveau.
Es wird also durchaus Geld ausgegeben – sogar mehr als zuvor. Allerdings verteilt sich dieses Geld offenbar anders.
Ein immer größerer Teil fließt in Unterkunft, Anreise und andere bereits stark verteuerte Bestandteile der Reise. Bei Restaurantbesuchen und spontanen Ausgaben scheint dagegen häufiger gespart zu werden.
Hotels an der Costa del Sol sind weiterhin voll
Auch die Auslastung an der Costa del Sol spricht gegen die These einer Tourismuskrise.
Die Provinz Málaga beendete den August mit einer Hotelbelegung von rund 93 Prozent.
In einigen der wichtigsten Ferienorte lagen die Werte noch höher. Benalmádena erreichte rund 96 Prozent, Torremolinos etwa 95 Prozent. Auch Fuengirola, Málaga und Marbella meldeten sehr hohe Belegungszahlen.
Ein großer Teil der Hotelgäste kommt inzwischen aus dem Ausland.
Das macht den scheinbaren Widerspruch besonders deutlich:
Die Hotels sind voll, die Strände gut besucht – und trotzdem spüren die Chiringuitos, dass ihre Gäste vorsichtiger konsumieren.
Die Saison endet längst nicht mehr im August
Für die Strandbetriebe gibt es allerdings auch eine positive Entwicklung.
Die klassische Hochsaison verändert sich.
Juli und August verlieren langsam ihre bisherige Alleinstellung. Mai und Juni waren für viele Strandbetriebe bereits ausgesprochen gute Monate, während September, Oktober und teilweise sogar November immer wichtiger werden.
Das milde Klima und der hohe Anteil internationaler Besucher verlängern die Saison an Andalusiens Küste zunehmend.
Gerade für Urlauber aus Deutschland und anderen Ländern Mittel- und Nordeuropas sind September und Oktober attraktive Reisemonate: Die Temperaturen sind meist angenehmer als im Hochsommer, während das Meer noch warm ist und viele touristische Angebote weiterhin geöffnet bleiben.
Damit könnten die kommenden Wochen für die Chiringuitos noch einmal entscheidend werden.
Hunderte Chiringuitos und Tausende Arbeitsplätze
Die Entwicklung der Strandgastronomie ist für Andalusien wirtschaftlich alles andere als nebensächlich.
Allein entlang der Küste der Provinz Málaga gibt es rund 484 Chiringuitos, die direkt etwa 20.000 Menschen beschäftigen.
Dahinter steht eine wesentlich größere wirtschaftliche Kette: Fischer, Lebensmittelhändler, Getränkelieferanten, Transportunternehmen und zahlreiche weitere regionale Betriebe sind von der Strandgastronomie abhängig.
Deshalb erzählt der Sommer 2026 zwei sehr unterschiedliche Geschichten.
Die eine handelt von hohen Besucherzahlen, gut gefüllten Hotels und Milliardenumsätzen durch internationale Touristen.
Die andere spielt direkt am Tisch eines Chiringuitos.
Dort werden inzwischen häufiger Portionen geteilt, genauer auf die Preise geschaut, Reste mitgenommen und vielleicht nur noch zwei Getränke statt drei bestellt.
Andalusiens Küste hat derzeit kein Problem damit, Urlauber anzuziehen. Die neue Herausforderung besteht vielmehr darin, dass von den steigenden Urlaubsausgaben am Ende auch genügend Geld bei den lokalen Betrieben ankommt.
