Die Masche mit den „gestrandeten Touristen“: Betrüger ergaunern in Barcelona Tausende Euro

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Credit Policia Nacional

Sie sprachen Englisch, behaupteten, bestohlen worden zu sein und dringend Geld für die Heimreise zu benötigen. Als Sicherheit zeigten sie ihren Opfern angebliche Banküberweisungen. Zwei Verdächtige wurden festgenommen, nach einem dritten wird gesucht – und die Polizei vermutet weitere Opfer.

Redaktion Spanien Press

Die Geschichte klang glaubwürdig: Ein ausländischer Tourist ist in Barcelona bestohlen worden, hat weder Geld noch Dokumente und muss dringend nach Hause. Er braucht Hilfe – nur vorübergehend, versteht sich.

Das Geld werde selbstverständlich sofort zurückgezahlt.

Genau mit dieser Geschichte sollen mehrere Männer in Barcelona zahlreiche Menschen dazu gebracht haben, ihnen teilweise erhebliche Bargeldbeträge auszuhändigen.

Der Trick: Um Vertrauen zu schaffen, zeigten die mutmaßlichen Betrüger ihren Opfern auf dem Handy eine angeblich bereits ausgeführte Banküberweisung.

Doch das Geld kam nie an.

Die katalanische Polizei Mossos d’Esquadra ermittelt inzwischen gegen mehrere Verdächtige. Zwei Männer wurden festgenommen, ein dritter konnte bislang nicht identifiziert werden. Die Zahl der bekannten Opfer liegt bereits bei mehr als 20 – die Ermittler schließen nicht aus, dass es weitere gibt.

Eine Geschichte, die bewusst Hilfsbereitschaft ausnutzt

Die ersten Fälle mit nahezu identischem Ablauf häuften sich bereits im Sommer 2025.

Ein Mann sprach Passanten auf Englisch an und erklärte, er sei Tourist und gerade bestohlen worden oder habe seine Dokumente verloren. Ohne Geld könne er nicht nach Hause zurückkehren.

Anschließend bat er um finanzielle Hilfe.

Damit sein Gegenüber keinen Verdacht schöpfte, bot er an, den geliehenen Betrag sofort per Banküberweisung zurückzuzahlen.

Auf seinem Smartphone zeigte er einen vermeintlichen Überweisungsbeleg oder eine Darstellung, die den Eindruck erweckte, das Geld sei bereits angewiesen worden.

Die Opfer gingen daraufhin teilweise gemeinsam mit dem vermeintlich gestrandeten Reisenden zu einem Geldautomaten, hoben Bargeld ab und übergaben es ihm.

Erst später bemerkten sie, dass die versprochene Überweisung niemals auf ihrem Konto eingegangen war.

Rund um Barcelona-Sants und im Eixample

Mehrere der untersuchten Fälle ereigneten sich im Umfeld des Bahnhofs Barcelona-Sants, einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt. Später wurden auch Fälle im Eixample bekannt.

Einem der Verdächtigen werden acht Betrugsfälle zwischen September 2025 und August 2026 zugerechnet. Der dabei entstandene Schaden soll sich auf rund 13.000 Euro belaufen.

In mindestens einem Fall soll die Situation zudem eskaliert sein. Die Polizei untersucht, ob eines der Opfer eingeschüchtert wurde, um die Herausgabe des Geldes zu erzwingen.

Fotos der Opfer halfen bei den Ermittlungen

Einige Betroffene wurden noch während oder unmittelbar nach der Begegnung misstrauisch und fotografierten den Mann beziehungsweise das Fahrzeug, mit dem er sich entfernte.

Als sie später feststellten, dass die versprochene Überweisung nicht angekommen war, übergaben sie diese Aufnahmen der Polizei.

Die verschiedenen Zeugenaussagen und Fotos führten schließlich zu einer wichtigen Erkenntnis: Offenbar handelte es sich nicht immer um denselben Mann.

Zwei Festnahmen – und ein dritter Verdächtiger

Bereits im Mai nahm die Polizei einen 31-jährigen Mann fest, dem acht Betrugsfälle zugerechnet wurden. Nach seiner Vorführung vor Gericht kam er wieder auf freien Fuß.

Die Fälle hörten jedoch nicht auf.

Am 25. August nahmen die Mossos einen weiteren Verdächtigen fest. Auch ihm werden acht Fälle zugerechnet, bei denen insgesamt rund 13.000 Euro erbeutet worden sein sollen.

Bei seiner Festnahme soll der Mann zunächst falsche Personalien angegeben haben. Erst ein Abgleich seiner Fingerabdrücke führte die Ermittler zu seiner tatsächlichen Identität.

Dabei fiel noch etwas auf: Der zweite Verdächtige trägt offenbar dieselben Nachnamen wie der zuvor festgenommene Mann. Die Ermittler halten es deshalb für möglich, dass beide miteinander verwandt sind.

Darüber hinaus gibt es Hinweise auf einen dritten Mann, der von Opfern beschrieben wurde, bislang jedoch nicht eindeutig identifiziert werden konnte.

Mit einem roten Audi Richtung Frankreich

Nach der zweiten Festnahme nahm der Fall eine ungewöhnliche Wendung.

Die Staatsanwaltschaft hatte als Vorsichtsmaßnahmen unter anderem die Abgabe des Reisepasses und ein Verbot, Spanien zu verlassen, beantragt.

Nach seiner Freilassung stieg der Verdächtige jedoch in einen roten Miet-Audi mit britischem Kennzeichen, tankte und fuhr in Richtung Frankreich.

Die Mossos nahmen die Verfolgung auf und verständigten ihre Kollegen im Grenzgebiet bei La Jonquera.

Kurz vor der französischen Grenze platzte ein Reifen des Fahrzeugs.

Nach den bislang veröffentlichten Informationen bemerkte der Mann offenbar, dass er verfolgt wurde. Er ließ den Wagen an einer Raststätte zurück und flüchtete.

Die Ermittlungen dauern an.

Polizei vermutet weitere Opfer

Nach Erkenntnissen der Ermittler könnten die Verdächtigen Spanien inzwischen verlassen haben. Zudem besteht der Verdacht, dass die Masche möglicherweise bereits seit längerer Zeit angewendet wurde und weitere Personen aus demselben Umfeld beteiligt sein könnten.

Die Polizei geht deshalb davon aus, dass die bislang bekannten Fälle möglicherweise nur einen Teil des tatsächlichen Ausmaßes darstellen.

Personen, die in Barcelona oder Umgebung auf ähnliche Weise um Geld gebeten und anschließend betrogen wurden, sollten den Vorfall bei der Polizei anzeigen.

Vorsicht bei angeblichen Überweisungen

Gerade für ausländische Einwohner und Urlauber ist der Fall eine wichtige Erinnerung daran, bei spontanen Geldforderungen vorsichtig zu sein – selbst wenn die Geschichte glaubwürdig klingt.

Entscheidend bei dieser Masche ist der vermeintliche Überweisungsbeleg.

Ein Screenshot, eine Bestätigung auf dem Smartphone eines Fremden oder die Anzeige einer Banking-App beweisen nicht, dass tatsächlich Geld überwiesen wurde.

Entscheidend ist ausschließlich, ob der Betrag auf dem eigenen Konto tatsächlich eingegangen ist.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn eine unbekannte Person eine Notsituation schildert und gleichzeitig Zeitdruck erzeugt oder darum bittet, gemeinsam zu einem Geldautomaten zu gehen.

Das Perfide an der Masche

Der Erfolg dieser Betrugsform beruht nicht auf komplizierter Technik.

Er beruht auf Vertrauen.

In einer internationalen Stadt wie Barcelona ist es keineswegs ungewöhnlich, einem Reisenden zu begegnen, der Hilfe benötigt. Genau diese alltägliche Situation sollen die Verdächtigen für ihre Zwecke ausgenutzt haben.

Die Opfer glaubten, einem Menschen in Not zu helfen – und genau das machte den Betrug so überzeugend.

Die wichtigste Regel bleibt deshalb einfach: Erst wenn das Geld tatsächlich auf dem eigenen Konto sichtbar ist, ist eine Überweisung auch wirklich angekommen.

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