14. September 2026
Lesezeit 4 Minuten

Rekord bei ausländischen Beschäftigten in Spanien – Zahl wächst 15-mal schneller als bei Spaniern

Eine internationale Gruppe hat gemeinsam Spaß: Im August waren erstmals mehr als 3,55 Millionen ausländische Beschäftigte bei der Sozialversicherung registriert (Credit: KI generiert)

Die Zahl der ausländischen Beschäftigten in Spanien hat im August einen neuen Rekord erreicht. Mehr als 3,55 Millionen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit waren bei der Sozialversicherung registriert. Besonders stark wirkt sich dabei die Regularisierung von Migranten aus, durch die zahlreiche bislang nicht offiziell erfasste Arbeitsverhältnisse in die Statistik gelangten.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Mehr als 3,5 Millionen ausländische Beschäftigte

Nach den neuesten Daten der spanischen Sozialversicherung waren im August 3.551.759 ausländische Beschäftigte in Spanien registriert. Damit erreichte ihre Zahl einen neuen Höchststand. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Anstieg von rund 15,7 Prozent.

Deutlich langsamer entwickelte sich dagegen die Beschäftigung unter spanischen Staatsangehörigen. Hier lag das Wachstum im selben Zeitraum bei lediglich 1,1 Prozent. Damit wächst die Zahl der ausländischen Beschäftigten derzeit rund 15-mal schneller als die Zahl der Beschäftigten mit spanischer Staatsangehörigkeit.

Der Anteil der ausländischen Arbeitskräfte an der gesamten Beschäftigung in Spanien liegt inzwischen bei rund 15,9 Prozent.

Regularisierung sorgt für zusätzlichen Schub

Ein wesentlicher Faktor für die außergewöhnliche Entwicklung ist die in diesem Jahr durchgeführte Regularisierung von Migranten. Das Verfahren endete am 30. Juni 2026 und hat bereits deutliche Auswirkungen auf die Beschäftigungsstatistik.

Nach Angaben der Sozialversicherung wurden seit Beginn der Regularisierung 337.917 ausländische Beschäftigte neu registriert. Dabei bedeutet die Zahl nicht zwangsläufig, dass so viele Menschen erstmals eine Arbeit aufgenommen haben. Ein Teil der Betroffenen dürfte bereits zuvor beschäftigt gewesen sein – allerdings ohne offizielle Anmeldung bei der Sozialversicherung.

Durch die Regularisierung werden diese Arbeitsverhältnisse nun offiziell erfasst. Dadurch steigt nicht nur die Zahl der registrierten Beschäftigten, sondern auch die Zahl der Menschen, die Beiträge in das spanische Sozialversicherungssystem einzahlen.

Rund 1,2 Millionen Anträge eingegangen

Das Ausmaß des Regularisierungsprozesses ist erheblich. Insgesamt gingen rund 1,2 Millionen Anträge ein. Noch sind nicht alle Verfahren abgeschlossen. Deshalb könnte die Zahl der offiziell registrierten ausländischen Beschäftigten in den kommenden Monaten weiter steigen.

Für den spanischen Arbeitsmarkt bedeutet dies eine zusätzliche Formalisierung von Beschäftigung. Menschen, die zuvor teilweise in der Schattenwirtschaft gearbeitet haben, werden in das reguläre Beschäftigungssystem integriert. Damit verbunden sind sowohl zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge als auch ein besserer arbeitsrechtlicher Schutz für die Betroffenen.

Ausländische Beschäftigte treiben Beschäftigungswachstum

Auch beim gesamten Beschäftigungszuwachs spielen ausländische Arbeitskräfte inzwischen eine zentrale Rolle. Innerhalb eines Jahres kamen laut den Daten der Sozialversicherung knapp 500.000 ausländische Beschäftigte hinzu. Bei den spanischen Staatsangehörigen waren es dagegen rund 200.000. Damit entfielen etwa 71 Prozent des gesamten Beschäftigungszuwachses auf ausländische Beschäftigte.

Der Unterschied ist allerdings auch vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Größe der beiden Gruppen zu betrachten. Die Zahl der spanischen Beschäftigten ist deutlich größer, weshalb bereits ein relativ kleiner prozentualer Anstieg einer großen absoluten Zahl entsprechen kann.

Ungewöhnlicher Anstieg im August

Besonders auffällig ist die Entwicklung im August. Der Sommermonat gilt in Spanien normalerweise nicht als besonders stark für den Arbeitsmarkt. Saisonale Effekte führen in vielen Jahren sogar zu einem Rückgang der Beschäftigung.

2026 entwickelte sich die Zahl der ausländischen Beschäftigten jedoch gegen den üblichen Trend. Allein im August wurden 39.535 zusätzliche ausländische Beschäftigte bei der Sozialversicherung registriert.

Dies ist erst das zweite Mal, dass die Zahl der ausländischen Beschäftigten im August so deutlich zulegte. Eine weitere Ausnahme bildete das Jahr 2020, als sich der Arbeitsmarkt nach dem pandemiebedingten Einbruch im Frühjahr vorübergehend wieder im Sommer etwas erholte. Die Entwicklung war allerdings weiterhin stark von den Einschränkugen und Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt.

Kolumbianer mit besonders starkem Zuwachs

Der Anstieg verteilt sich auf zahlreiche Nationalitäten. Besonders auffällig ist jedoch die Entwicklung bei den Beschäftigten aus Kolumbien. Allein im August stieg deren Zahl um mehr als 21.000. Damit entfällt ein erheblicher Teil des monatlichen Zuwachses auf diese Gruppe.

Auch bei Beschäftigten aus Peru, Honduras, Paraguay, Senegal und Pakistan wurden deutliche Zuwächse verzeichnet. Die Entwicklung verdeutlicht gleichzeitig die zunehmende Bedeutung von Arbeitsmigration aus Lateinamerika und anderen Regionen für den spanischen Arbeitsmarkt.

Vor allem jüngere Beschäftigte kommen hinzu

Der Zuwachs konzentriert sich zudem stark auf jüngere Arbeitnehmer. Von den im August zusätzlich registrierten ausländischen Beschäftigten waren 22.385 jünger als 35 Jahre. Weitere 14.118 gehörten zur Altersgruppe zwischen 35 und 54 Jahren. Bei den über 54-Jährigen lag der Zuwachs dagegen lediglich bei 3.034 Personen. Mehr als die Hälfte des gesamten monatlichen Anstiegs entfiel damit auf Menschen unter 35 Jahren.

Für Spanien ist diese Entwicklung auch mit Blick auf die demografische Situation des Landes relevant. Die alternde Bevölkerung und der bevorstehende Ruhestand großer Jahrgänge stellen den spanischen Arbeitsmarkt vor wachsende Herausforderungen.

1,4 Millionen zusätzliche Beschäftigte seit der Pandemie

Der langfristige Trend zeigt ebenfalls eine deutliche Veränderung. Seit der Corona-Pandemie hat Spanien rund 1,4 Millionen zusätzliche bei der Sozialversicherung registrierte Beschäftigte hinzugewonnen, die außerhalb Spaniens geboren wurden. Damit stammt ein erheblicher Teil des Beschäftigungswachstums der vergangenen Jahre aus der internationalen Migration.

Bei dieser Zahl ist allerdings zwischen Geburtsland und Staatsangehörigkeit zu unterscheiden. Ein im Ausland geborener Mensch kann inzwischen die spanische Staatsangehörigkeit besitzen und wird dann nicht mehr als ausländischer Staatsangehöriger gezählt.

Regularisierung verändert auch die Statistik

Der aktuelle Rekord lässt sich deshalb nicht ausschließlich mit einem starken Zustrom neuer Arbeitskräfte erklären. Ein wichtiger Teil des Anstiegs entsteht dadurch, dass bereits vorhandene Beschäftigung formalisiert und statistisch sichtbar gemacht wird.

Die Regularisierung könnte damit auch für den spanischen Staat wirtschaftliche Auswirkungen haben. Werden bisher nicht gemeldete Arbeitsverhältnisse legalisiert, fließen Sozialversicherungsbeiträge und gegebenenfalls weitere Steuern und Abgaben in die öffentlichen Kassen.

Gleichzeitig erhalten die betroffenen Arbeitnehmer einen regulären Status und damit einen besseren Zugang zu arbeitsrechtlichen und sozialen Absicherungen.

Ausländische Arbeitskräfte werden immer wichtiger

Die aktuellen Zahlen unterstreichen damit eine Entwicklung, die sich auf dem spanischen Arbeitsmarkt bereits seit Jahren abzeichnet: Ausländische Beschäftigte tragen einen immer größeren Teil zum Beschäftigungswachstum des Landes bei.

Der außergewöhnlich starke Anstieg im Jahr 2026 wird dabei durch die Regularisierung zusätzlich verstärkt. Während die Zahl der ausländischen Beschäftigten einen neuen Rekord erreicht, wächst die Beschäftigung unter Spaniern deutlich langsamer.

Für Spanien ist das nicht nur eine Frage der Migration, sondern zunehmend auch eine Frage der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Die Entwicklung zeigt, wie stark das Land bei der Besetzung von Arbeitsplätzen und beim Wachstum der Sozialversicherung inzwischen auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen ist.

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