Wo einst der Duft von Bratfisch und Sonnenmilch lag, dominieren heute DJ-Sounds, Tagesbetten und Sushi. Spaniens klassische Chiringuitos verschwinden – und mit ihnen ein Stück Volkskultur. Übrig bleiben „Beach Clubs“ mit Preisen, die viele Urlauber abschrecken
Redaktion Spanien Press
Die Veränderung begann schleichend. Ein neuer Anstrich hier, moderne Liegen dort. Doch heute ist klar: Die Chiringuitos, einst einfache Strandbuden mit Grillgeruch, günstigen Getränken und unkomplizierter Atmosphäre, sind an vielen Küsten fast vollständig verschwunden. Stattdessen schießen exklusive Beach Clubs aus dem Boden – mit Designermöbeln, Cocktailkarten in mehreren Sprachen und Preisen jenseits der Schmerzgrenze.
Aus rustikal wird luxuriös – für viele unbezahlbar
Wo früher Familien gemeinsam Sardinen vom Grill aßen, zahlt man heute 25 Euro für einen Smoothie oder 200 Euro für eine Liege mit Mindestverzehr. Vor allem an Hotspots wie Ibiza, Formentera, Marbella oder Tarifa sind die klassischen Strandbars kaum noch zu finden. Selbst in traditionelleren Gegenden wie den Kanaren oder der Costa Brava setzt sich das neue Modell durch: international, teuer – und oft ohne Bezug zur lokalen Gastronomie oder Kultur.
Kein Platz mehr für Chiringuitos
Die Behörden verschärfen Auflagen, Pachtverträge werden teurer, und viele kleine Betreiber kapitulieren. Der typische Chiringuito mit Plastikstuhl und Tapas-Teller unter 15 Euro ist fast überall Geschichte. Was geblieben ist, ist oft nur das Schild – das Ambiente hat sich grundlegend gewandelt.
Der Umbau des Küstentourismus
Hinter der Veränderung steht ein klarer wirtschaftlicher Kurs: Weg vom Massentourismus, hin zu exklusivem Konsum. Für Investoren und Touristiker mag das attraktiv sein – für viele Familien aber bedeutet es, dass sie ihren Sommer an anderen, weniger erschlossenen Orten verbringen müssen. Einige Gemeinden in Nordspanien oder Andalusien versuchen gegenzusteuern und gezielt traditionelle Strandkultur zu erhalten, allerdings mit begrenztem Erfolg.
Letzte Rückzugsorte des echten Sommers
Vereinzelt gibt es sie noch – die alten Chiringuitos, mit Holztischen im Sand, frittiertem Fisch, Musik aus tragbaren Radios und Bedienung vom Chef persönlich. Oft liegen sie abseits der bekannten Strände, etwa an der Costa de Almería, im Norden Teneriffas oder in versteckten Buchten Galiciens. Doch auch diese Oasen des ursprünglichen Sommers geraten unter Druck – und könnten bald verschwinden.
