An Spaniens südlicher Grenze gilt erhöhte Wachsamkeit. Mehr als 200 zusätzliche Guardia-Civil-Beamte wurden nach Ceuta und Melilla entsandt. Auch Marokko hat seine Sicherheitsmaßnahmen deutlich verstärkt. Hintergrund sind Aufrufe in den sozialen Netzwerken, am Mittwoch, dem 23. September, die Grenze zu den beiden spanischen Exklaven zu überwinden – ausgerechnet am Tag der marokkanischen Parlamentswahlen.
Redaktion Spanien Press
Die Lage an der spanisch-marokkanischen Grenze steht erneut im Fokus der Sicherheitsbehörden. Zwar gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass sich die im Internet verbreiteten Aufrufe tatsächlich in Form eines massenhaften Grenzübertritts materialisieren werden. Madrid will dennoch kein Risiko eingehen.
Nach Ceuta wurden 144 zusätzliche Beamte der Spezialeinheit Grupo de Reserva y Seguridad (GRS) der Guardia Civil entsandt. In Melilla wurden drei schnelle Interventionseinheiten mit insgesamt rund 60 Einsatzkräften stationiert.
Auch die Policía Nacional ist vor Ort präsent. Bei deren Bereitschaftspolizei UIP fand nach Angaben aus Polizeikreisen allerdings lediglich ein Personalwechsel statt; die Gesamtzahl der dort eingesetzten Beamten wurde demnach nicht erhöht.
Warum ausgerechnet der 23. September?
Seit Wochen kursieren in sozialen Netzwerken Aufrufe, am Mittwoch die Grenze zu den beiden spanischen Exklaven in Nordafrika zu überwinden.
Der gewählte Termin ist kein Zufall. Am 23. September finden in Marokko Parlamentswahlen statt. In einigen der verbreiteten Nachrichten wird behauptet, die marokkanischen Sicherheitskräfte seien an diesem Tag mit der Absicherung der Wahlen beschäftigt und die Grenzregion deshalb weniger stark überwacht.
Die Realität vor Ort deutet jedoch auf das Gegenteil hin.
Die marokkanischen Behörden kennen die Aufrufe und haben ihrerseits die Sicherheitsmaßnahmen rund um Ceuta und Melilla verstärkt.
Nach Angaben spanischer Sicherheitskreise stehen in der Gegend von Castillejos Fahrzeuge bereit, die mit Wasserwerfern ausgestattet sind und bei größeren Menschenansammlungen eingesetzt werden könnten.
Auch marokkanische Medien berichten über verstärkte Kontrollen auf den Straßen in Richtung Castillejos – insbesondere auf den Verbindungen aus Tétouan und Tanger.
Die Maßnahmen beschränken sich nicht auf das Festland. Auch die marokkanische Marine soll ihre Präsenz vor der Küste verstärkt haben, um mögliche Versuche einer Einreise auf dem Seeweg zu verhindern.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Seeweg
Für die spanischen Behörden bleibt die maritime Grenze ein besonders sensibler Bereich.
Am Grenzübergang Tarajal in Ceuta wurden schwimmende Barrieren installiert. Ähnliche Vorrichtungen befinden sich am südlichen Hafendamm von Melilla. Sie sollen Versuche erschweren, die spanische Grenze schwimmend zu erreichen, und den Sicherheitskräften ein schnelleres Eingreifen ermöglichen.
Das spanische Innenministerium hat darüber hinaus die maritime Überwachung weiterer spanischer Gebiete vor der nordafrikanischen Küste intensiviert.
Madrid versucht, die Lage zu beruhigen
Trotz des umfangreichen Sicherheitsaufgebots bemüht sich die spanische Regierung, keine unnötige Alarmstimmung entstehen zu lassen.
Außenminister José Manuel Albares erklärte, die in sozialen Netzwerken verbreiteten Aufrufe fänden bislang offenbar keinen größeren Widerhall.
Auch aus Kreisen der Guardia Civil wird darauf hingewiesen, dass seit Ende Juli immer wieder ähnliche Aufrufe im Internet aufgetaucht seien, ohne dass daraus tatsächlich größere Grenzübertritte entstanden.
Die Regierungsdelegierte in Melilla, Sabrina Moh, rief ebenfalls zur Ruhe auf. Die Sicherheitslage werde permanent beobachtet und das Einsatzkonzept könne jederzeit an die Entwicklung vor Ort angepasst werden.
Dennoch setzt Spanien diesmal klar auf Vorsorge.
Mehr als 200 zusätzliche Guardia-Civil-Beamte stehen in Ceuta und Melilla bereit. Marokko hat gleichzeitig seine Kontrollen auf der eigenen Seite der Grenze verschärft, während sowohl an Land als auch auf See verstärkt patrouilliert wird.
Damit dürfte die spanisch-marokkanische Grenze am Mittwoch zu den am stärksten überwachten Punkten an der südlichen Außengrenze Europas gehören.
