Am 18. September 2025 besuchte Bundeskanzler Friedrich Merz offiziell Spanien – seine erste Reise nach Madrid seit seinem Amtsantritt im Mai. Das Treffen mit Ministerpräsident Pedro Sánchez im Moncloa-Palast machte deutlich, wo sich Berlin und Madrid einig sind, aber auch, wo die Gräben verlaufen
Redaktion Spanien Press
Gaza-Konflikt: zwei Sprachen, ein Ziel
Beide Seiten äußerten große Sorge über die humanitäre Katastrophe in Gaza.
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Sánchez sprach offen von einem „Genozid“, warf Israel eine völlig unverhältnismäßige Reaktion vor und forderte härtere Sanktionen.
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Merz verurteilte ebenfalls das Leid der Zivilbevölkerung, vermied jedoch den Begriff Genozid. Für ihn müsse die Anerkennung Palästinas als Staat „einer der letzten Schritte“ in einer Zwei-Staaten-Lösung sein.
Damit wurde deutlich: Spanien setzt auf klare Worte, Deutschland auf diplomatische Vorsicht.
Europa, Sicherheit und Ukraine
Einigkeit herrschte hingegen in anderen Bereichen: Beide Regierungschefs betonten die Notwendigkeit einer geschlossenen Europäischen Union angesichts globaler Krisen – von der russischen Aggression in der Ukraine bis zu den Herausforderungen der Migration. Auch im Bereich Sicherheit und Verteidigung wollen Spanien und Deutschland ihre Zusammenarbeit vertiefen.
Streitpunkt: die Sprachenfrage
Ein besonderes Anliegen Spaniens brachte Sánchez mit nach Brüssel: Die Anerkennung des Katalanischen, Galicischen und Baskischen als offizielle Sprachen der EU. Madrid sieht darin ein Signal für kulturelle Vielfalt und Respekt gegenüber den Regionen.
Merz reagierte zurückhaltend. Er verwies auf technische und finanzielle Hürden, deutete aber an, dass moderne Übersetzungstechnologien wie künstliche Intelligenz künftig Abhilfe schaffen könnten.
Bedeutung für Europa
Der Besuch von Merz in Madrid zeigte exemplarisch, wie europäische Partner heute zusammenarbeiten:
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Konsens in Grundsatzfragen wie Rechtsstaatlichkeit, europäischer Zusammenhalt und Unterstützung der Ukraine.
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Unterschiede im Detail, besonders bei Gaza und beim Umgang mit sensiblen politischen Begriffen.
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Kulturelle Dimensionen, die für Spanien von hoher Symbolkraft sind – etwa die Sprachenfrage – treffen in Berlin auf Pragmatismus.
Die Begegnung zwischen Sánchez und Merz verdeutlichte: Spanien und Deutschland teilen gemeinsame Werte und Ziele, unterscheiden sich aber in Stil und Tempo. Während Madrid auf klare Worte und rasches Handeln setzt, bevorzugt Berlin vorsichtige Formulierungen und langfristige Prozesse.
Für die EU bedeutet das: Die großen Linien sind geeint, doch die Details bleiben umstritten – und genau dort entscheidet sich oft, wie stark Europa tatsächlich zusammenhält.
