In Campillos, einer kleinen Gemeinde in der Provinz Málaga, ist in diesem Sommer eine der dunkelsten Seiten der jüngeren spanischen Geschichte ans Licht gekommen. Bei Ausgrabungen auf dem Friedhof der Ortschaft wurden die Überreste von 73 während des Spanischen Bürgerkriegs ermordeten Menschen gefunden. Insgesamt könnten in den beiden Massengräbern mehr als 150 Leichen liegen
Redaktion Spanien Press
Besonders bemerkenswert ist, dass über 20 Prozent der Opfer Frauen sind – ein außergewöhnlich hoher Anteil, da in solchen Gräbern normalerweise nur etwa fünf Prozent weiblich sind.
Offene Wunden, auch nach neun Jahrzehnten
Der Fund macht deutlich, dass Spanien auch 90 Jahre nach dem Krieg seine Wunden nicht vollständig geschlossenhat. Alle Kriege sind grausam, doch Bürgerkriege hinterlassen besonders tiefe Spuren: Groll, Schweigen und Feindschaften, die über Generationen hinweg andauern können.
Der Bürgermeister von Campillos, Daniel Gómez, betonte: „Es geht nicht darum, alte Wunden aufzureißen, sondern darum, die Opfer zu würdigen und ihren Familien Gerechtigkeit und einen Ort der Trauer zu geben.“ Doch die gesellschaftliche und politische Debatte zeigt, dass die Vergangenheit weiterhin ein sensibles Thema bleibt.
Politik und Erinnerung
Die Exhumierung in Campillos wurde durch ein Abkommen zwischen der andalusischen Regionalregierung und der Universität Málaga ermöglicht – im Rahmen des Gesetzes zur historischen Erinnerung, das einst von der sozialistischen Partei (PSOE) eingeführt wurde. Dieses Gesetz ermöglichte landesweit die Öffnung von Massengräbern und die Identifizierung der Opfer durch DNA-Analysen.
Die konservative Partido Popular (PP) hielt dieses Gesetz hingegen für überflüssig und argumentierte, dass die Vergangenheit besser ruhen solle. Bis heute betonen konservative Kreise, dass ein „Blick zurück“ die Gesellschaft nur erneut spalte, während Befürworter das Gesetz als unverzichtbaren Akt der demokratischen Gerechtigkeit ansehen.
Würde und Gerechtigkeit
Die geborgenen Überreste werden derzeit in Laboren untersucht. DNA-Proben sollen mit den Angehörigen verglichen werden, um die Opfer nach Jahrzehnten der Anonymität endlich zu identifizieren.
Im Jahr 2026 ist eine zweite Phase der Arbeiten geplant, bei der die Experten eine ähnliche Zahl von Leichen erwarten. Damit könnte die Gesamtzahl der Opfer in Campillos bei rund 150 Personen liegen.
Darüber hinaus stießen die Archäologen auf neun weitere Bestattungen in Särgen, die nicht aus der Zeit des Bürgerkriegs stammen, sondern aus späteren Jahren.
