14. September 2026
Lesezeit 3 Minuten

Ceutas Ärzte schlagen Alarm: Gesundheitssystem nach Migrationswelle unter massivem Druck

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Die Folgen der Migrationskrise in Ceuta erreichen zunehmend auch das Gesundheitssystem. Ärzte warnen vor einer Überlastung der Notaufnahme und fordern zusätzliche medizinische Einrichtungen. Die spanische Gesundheitsbehörde Ingesa widerspricht: Von einem Kollaps könne keine Rede sein.

Redaktion Spanien Press

In der spanischen Exklave Ceuta an der nordafrikanischen Küste wächst die Sorge um die Belastbarkeit des Gesundheitssystems. Seit der massiven Ankunft von Migranten Ende Juli hat die Zahl der medizinischen Behandlungen deutlich zugenommen. Besonders betroffen ist die Notaufnahme des einzigen Krankenhauses der Stadt.

Der Präsident der Ärztekammer von Ceuta, Enrique Roviralta, warnt inzwischen ausdrücklich davor, dass das System an seine Grenzen geraten könnte. Das Hauptproblem sei dabei nicht allein die Zahl der belegten Krankenhausbetten, sondern vor allem die enorme zusätzliche Arbeitsbelastung des medizinischen Personals.

Nach Angaben Roviraltas gibt es unter den Mitarbeitern der Notaufnahme bereits zwei psychisch bedingte Krankmeldungen sowie eine Kündigung. Ärzte und Pflegekräfte seien seit Wochen einer außergewöhnlich hohen Belastung ausgesetzt.

Fast doppelt so viele Behandlungen wie im Vorjahr

Wie stark die Situation die Notaufnahme verändert hat, zeigen Zahlen aus dem Krankenhaus.

Die Notfallmedizinerin Susana Ascaso berichtet von rund 9.500 Behandlungen im August. Im gleichen Monat des Vorjahres waren es etwa 5.000 gewesen.

Gleichzeitig wurden zwischen dem 31. Juli und dem 31. August insgesamt 10.725 medizinische Behandlungen von Migranten registriert. Nach Angaben der staatlichen Gesundheitsbehörde Ingesa erfolgten 60 Prozent davon in Einrichtungen der Primärversorgung. Rund 40 Prozent – etwa 4.250 Fälle – wurden in der Notaufnahme des Universitätskrankenhauses HUCE behandelt.

Die Ärzte berichten dabei nicht nur von gewöhnlichen Erkrankungen und Infektionen. Hinzu kommen Verletzungen nach Auseinandersetzungen, Knochenbrüche sowie Stichverletzungen, die medizinisch versorgt und teilweise weiterbehandelt werden müssen.

Ein weiteres Problem ist die unmittelbare Nähe einiger improvisierter Migrantenlager zum Krankenhaus. Für viele der dort lebenden Menschen ist die Notaufnahme die einfachste Möglichkeit, medizinische Hilfe zu erhalten – auch bei Beschwerden, die normalerweise in einem Gesundheitszentrum behandelt würden.

Ärzte fordern zweite medizinische Anlaufstelle

Die Ärztekammer verlangt deshalb eine stärkere Trennung der medizinischen Versorgung.

Diskutiert werden ein Feldlazarett, die Reaktivierung des seit Jahren geschlossenen ehemaligen Militärkrankenhauses oder eine zusätzliche medizinische Einrichtung speziell für Erstversorgung, kleinere Behandlungen und Nachsorge.

Patienten, die eine spezialisierte Behandlung oder einen stationären Aufenthalt benötigen, könnten anschließend weiterhin in das HUCE überwiesen werden.

Damit soll verhindert werden, dass praktisch die gesamte zusätzliche Belastung auf dem einzigen Krankenhaus Ceutas landet.

Besonders mit Blick auf Herbst und Winter wächst die Sorge. Regen, niedrigere Temperaturen und die schwierigen hygienischen Bedingungen in improvisierten Unterkünften könnten zu mehr Infektionskrankheiten führen.

Sollten gleichzeitig zahlreiche Patienten mit ansteckenden Erkrankungen isoliert werden müssen, könnte dies nach Einschätzung der Ärzte erhebliche zusätzliche Kapazitäten binden.

Gesundheitsbehörde widerspricht den Warnungen

Ingesa zeichnet dagegen ein deutlich weniger dramatisches Bild.

Nach Angaben der Behörde lag die durchschnittliche Bettenauslastung des Universitätskrankenhauses im August bei lediglich rund 50 Prozent. Die medizinische Versorgung sei sowohl für die Einwohner Ceutas als auch für die Migranten weiterhin gewährleistet.

Ingesa betont außerdem, dass bereits zu Beginn der Krise getrennte Versorgungswege eingerichtet worden seien. Dadurch solle verhindert werden, dass die Versorgung der Migranten die reguläre medizinische Betreuung der Einwohner beeinträchtigt.

Zudem seien mehr als 100 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt worden.

Nach den offiziellen Daten wurden im August durchschnittlich 133 Migranten pro Tag in der Notaufnahme behandelt. Insgesamt habe die Notaufnahme gegenüber dem Vorjahreszeitraum täglich 77 zusätzliche Patienten verzeichnet.

Streit um die tatsächliche Auslastung

Genau an diesen Zahlen entzündet sich jedoch der Konflikt zwischen Ärzten und Gesundheitsverwaltung.

Die Ärztekammer hält die Angabe einer Bettenauslastung von 50 Prozent für wenig aussagekräftig. Entscheidend sei nicht, wie viele Betten theoretisch vorhanden seien, sondern wie viele davon mit ausreichend medizinischem Personal tatsächlich betrieben werden könnten.

Roviralta weist beispielsweise darauf hin, dass einzelne Bereiche wie die Innere Medizin bereits vollständig ausgelastet seien.

Auch bei den Zahlen für September gehen die Angaben auseinander. Ärzte berichten von durchschnittlich rund 300 Patienten täglich in der Notaufnahme – etwa doppelt so vielen wie im Vorjahr. Die von Ingesa veröffentlichten Tageszahlen fallen dagegen deutlich niedriger aus.

Ceuta kämpft seit Jahren um Ärzte

Die aktuelle Situation trifft zudem auf ein bereits bestehendes strukturelles Problem.

Ceuta hat Schwierigkeiten, dauerhaft genügend medizinisches Personal für die Stadt zu gewinnen. Ärzte kritisieren unter anderem die Arbeitsbedingungen, Vergütung und den angespannten Wohnungsmarkt.

Ingesa widerspricht auch hier einer zu negativen Darstellung. Die Behörde verweist darauf, dass sämtliche 37 angebotenen MIR-Ausbildungsplätze in den Jahren 2024, 2025 und 2026 besetzt worden seien. Zudem bleibe ein erheblicher Teil der dort ausgebildeten Fachärzte anschließend in Ceuta.

Ein weiteres Problem ist die Verständigung mit Patienten. Ärzte fordern offizielle Arabisch-Dolmetscher, da Sprachbarrieren bei Diagnosen und Behandlungen zu Fehlern führen könnten.

Auch die spanische Ärzteorganisation Organización Médica Colegial (OMC) zeigte sich nach einem Besuch in Ceuta besorgt. Sie spricht von einer erheblichen körperlichen und psychischen Belastung der Ärzte und fordert mehr Personal sowie attraktivere und stabilere Arbeitsbedingungen.

Zwei völlig unterschiedliche Bilder derselben Krise

Damit stehen sich in Ceuta derzeit zwei sehr unterschiedliche Einschätzungen gegenüber.

Die Gesundheitsverwaltung verweist auf freie Krankenhausbetten, Neueinstellungen und weiterhin ausreichende Kapazitäten. Die Ärzte vor Ort argumentieren dagegen, dass eine reine Bettenstatistik wenig darüber aussage, wie stark insbesondere die Notaufnahme und das dort arbeitende Personal tatsächlich belastet seien.

Für die Einwohner Ceutas ist genau diese Frage entscheidend: Nicht nur, ob im Krankenhaus noch Betten frei sind, sondern ob das einzige Krankenhaus der spanischen Exklave auch bei dauerhaft hoher zusätzlicher Nachfrage seine reguläre Versorgung aufrechterhalten kann.

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