2 de September de 2025
Lesezeit 1 Minute

Das Leben in den spanischen Dörfern: Nostalgie oder Illusion?

von Elsa Ibanez

Ich scrolle durch den Instagram-Account von #irenevilaurra und spüre plötzlich so etwas wie Sehnsucht. Ich weiß nicht, ob man es gesunden Neid nennen soll oder einfach nur eine Illusion. Das Kuriose daran: Ich habe nie in einem Dorf gelebt. Meine Familie stammt seit Generationen aus der Stadt – aus dem Zentrum, um genau zu sein. Ich bin aufgewachsen zwischen Asphalt, Verkehr, ständigem Lärm und diesem Gefühl, dass alles in der Nähe ist.

Und doch ertappe ich mich dabei, vom Leben in den spanischen Dörfern zu träumen. Von diesem Spanien, in dem Häuser fast nichts kosten – wie das, das Irene in der Nähe von Valencia gekauft hat: ein fast verlassenes Haus für 9.000 Euro, das sie nun ganz allein renoviert, mit viel Geduld, Idealismus und harter Arbeit. Auf ihrem Profil erzählt sie von den Dingen, die ihr im Dorf begegnen: von unerwarteten Reparaturen bis hin zu Gesprächen mit Nachbarn, die wirken, als wären sie aus einer anderen Zeit. Das Besondere: Irene lebt weiterhin in der Stadt, in Valencia, und pendelt, wenn sie kann – mit einem Bein im Asphalt und dem anderen in der Erde.

Ihr Haus hat sie nicht über Repueblo gekauft, doch ihre Geschichte passt in einen wachsenden Trend: Immer mehr Menschen zahlen horrende Mieten in der Stadt, investieren aber gleichzeitig in ein zweites Zuhause auf dem Land. Nicht nur aus Nostalgie oder Romantik, sondern auch, weil es dort immer noch möglich ist, sich ein eigenes Haus zu leisten.

Ich frage mich, ob mein Gefühl echt ist oder ob ich einfach nur etwas idealisiere, das ich nie erlebt habe. Denn in den Fotos und Erzählungen anderer erscheinen die spanischen Dörfer immer als Zuflucht: Nachbarn, die fast Familie sind, Grüße auf der Straße, eine Bäckerei, die wirklich nach Brot riecht. Aber es gibt auch die andere Seite: den harten Winter, die Abgeschiedenheit, die fehlenden Chancen, den Alltag, der manchmal erdrücken kann.

Vielleicht sehne ich mich nicht so sehr nach dem Dorf an sich, sondern nach einer einfacheren Lebensweise, die mir die Stadt verweigert: mehr Zeit, mehr Gemeinschaft, weniger Hektik. Oder vielleicht ist das alles nur ein digitaler Trugschluss, eine Romantik, die ich aus Filmen und fremden Erinnerungen übernommen habe.

Wie auch immer – während ich weiter durch die Fotos auf Instagram scrolle, denke ich: Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, ob es Illusion oder Wahrheit ist. Am Ende hat Nostalgie ihren eigenen Wert: Sie erinnert uns an das, was uns fehlt – auch wenn wir es nie wirklich hatten.

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