Das spanische Rentensystem gilt als Grundpfeiler des Wohlfahrtsstaates. Doch gerade unter jüngeren Generationen wächst die Skepsis: Immer mehr junge Menschen sind der Meinung, dass Spanien zu viele öffentliche Mittel für Renten und Sozialversicherung ausgibt. Laut dem jüngsten Barometer des spanischen Meinungsforschungsinstituts CIS hat diese Sichtweise seit der Pandemie deutlich zugenommen – und erreicht nun historische Höchstwerte
Redaktion Spanien Press
Rasanter Meinungswandel seit der Pandemie
Vor der Pandemie, im Jahr 2019, waren es lediglich 3,9 % der 25- bis 34-Jährigen und nur 0,5 % der 18- bis 24-Jährigen, die das Rentensystem für überfinanziert hielten. Heute hat sich dieses Bild stark verändert:
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16,6 % der 25- bis 34-Jährigen
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12,5 % der 18- bis 24-Jährigen
Damit hat sich der Anteil der Skeptiker innerhalb von fünf Jahren vervierfacht – ein Rekordwert, seit das CIS vor über drei Jahrzehnten diese Frage erstmals stellte.
Kluft zwischen den Generationen
Die Unterschiede zu älteren Bevölkerungsteilen sind deutlich. Unter Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen oder bereits Rentner sind, liegt der Anteil derer, die die Ausgaben für überzogen halten, bei weniger als 4 %. In dieser Gruppe überwiegt vielmehr die Meinung, dass die Mittel nicht ausreichen und sogar erhöht werden müssten.
Junge Menschen dagegen sind gespalten: Zwar meinen weiterhin knapp 50 %, dass zu wenig für Renten ausgegeben wird, und rund ein Drittel hält das Budget für angemessen. Doch die Zahl derer, die meinen, dass zu viel Geld in die Renten fließt, wächst – oft verbunden mit dem Hinweis, dass andere Bereiche wie Umwelt, Kultur oder Beschäftigungspolitik stärker vernachlässigt würden.
Unterschiede nach Geschlecht und politischer Orientierung
Das CIS zeigt zudem klare Unterschiede zwischen Männern und Frauen. 10,3 % der Männer aller Altersgruppen meinen, die Ausgaben für Renten seien zu hoch, bei den Frauen sind es nur 3,1 %.
Auch die politische Orientierung spielt eine Rolle:
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14,1 % der Wähler von Vox finden die Rentenausgaben übertrieben.
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Beim Partido Popular (PP) liegt der Anteil bei 8 %.
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Unter den Wählern von Sumar sind es 3,9 %.
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Bei den Anhängern der PSOE lediglich 3,6 %.
Hintergrund: Junge verlieren Einkommen, Ältere profitieren
Hinter dieser Entwicklung steht eine soziale Realität, die auch für viele in Spanien lebende Ausländer nachvollziehbar ist: Junge Menschen haben in den letzten Jahren deutlich an Kaufkraft, Einkommen und Konsummöglichkeiten verloren, während Rentner durch die regelmäßige Anpassung ihrer Bezüge ihre Position verbessern konnten.
Diese Entwicklung vertieft die Generationenkluft in Spanien – nicht nur im Hinblick auf Einkommen, sondern auch in Bezug auf die Bewertung staatlicher Ausgaben. Die Frage, wie die knappen öffentlichen Mittel künftig verteilt werden sollen, wird damit zu einem immer wichtigeren politischen Streitpunkt.
