Die Stadtverwaltung von Barcelona hat eine Initiative gestartet, die innerhalb und außerhalb der Behörde für Diskussionen sorgt. In einem internen Rundschreiben über die Plattform ZerosetBCN werden städtische Angestellte dazu aufgefordert, junge Migranten zwischen 18 und 23 Jahren für die Dauer von neun Monaten in ihren Wohnungen aufzunehmen. Es handelt sich dabei um Jugendliche, die vormals unter staatlicher Vormundschaft standen oder kurz davor sind, die Betreuung zu verlassen
Redaktion Spanien Press
Das Programm „Acull“
Die Maßnahme ist Teil des Programms Acull (Aufnehmen), das von der Organisation Punt de Referència mit Unterstützung der Leitung für soziale Rechte, Gesundheit, Kooperation und Gemeinschaft der Stadtverwaltung durchgeführt wird. Das erklärte Ziel ist es, „Bindungen zu schaffen“ und den jungen Menschen einen „sicheren Raum“ zu bieten, von dem aus sie ihre Verselbstständigung vorbereiten können.
Verpflichtungen der Gastgeber
Von den teilnehmenden Mitarbeitern und ihren Familien wird ein beträchtliches Engagement verlangt:
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Bereitstellung eines freien Zimmers.
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Sicherstellung eines respektvollen Zusammenlebens.
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Tägliche Gespräche mit den aufgenommenen Jugendlichen.
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Eine Mindestdauer des Zusammenlebens von neun Monaten.
Im Gegenzug bietet die verantwortliche NGO fachliche Beratung sowie eine teilweise finanzielle Unterstützung für die Versorgung.
Kritik und Kontroversen
Die Initiative hat deutliche Kritik ausgelöst. Gegner sehen darin eine verdeckte Auslagerung staatlicher Verantwortung im Bereich Aufnahme und Integration. Ihrer Ansicht nach überträgt die Stadtverwaltung die Last der Integration auf die Bürger – in diesem Fall auf ihre eigenen Angestellten.
Darüber hinaus wird kritisiert, dass Programme für Migranten priorisiert werden, während viele Einwohner Barcelonas weiterhin unter Wohnungsnot und eingeschränktem Zugang zu sozialen Diensten leiden.
Die Rolle von ZerosetBCN
Finanziert wird das Projekt durch ZerosetBCN, eine 2000 gegründete Vereinigung von städtischen Angestellten, die regelmäßig Beiträge von ihrem Gehalt abführen. Diese Organisation unterstützt Kooperations- und Solidaritätsprojekte – darunter nun auch die umstrittene Aufnahme-Initiative.
